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Sachsen

"Boom" mit stillem Ende

Mit seiner 4. Landesausstellung wollte Sachsen dieses Jahr sein reiches Erbe an Industriekultur feiern. Doch dann kam Corona.

Fahnen mit dem Logo der Landesausstellung, die nun still und leise endet.
Fahnen mit dem Logo der Landesausstellung, die nun still und leise endet. © dpa/Hendrik Schmidt

Zwickau. Erst der holprige Start, nun das stille Ende: Die Corona-Pandemie hat der Landesausstellung "Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen" in diesem Jahr arg zugesetzt. Seit Anfang November sind die zentrale Schau im Zwickauer Audi-Bau und die Begleitausstellungen andernorts dicht. Eine neuerliche Verlängerung der Zentralausstellung ins neue Jahr sei nicht vorgesehen, sagte ein Sprecher auf dpa-Anfrage. Denn es endeten Leihverträge für die Ausstellungsstücke, so dass diese verpackt und zurückgegeben werden müssten. Dennoch können Interessierte hoffen, immerhin einen Teil der Mammutschau nochmals zu Gesicht zu bekommen.

Bilanz wollen das zuständige Kultur- und Tourismusministerium sowie das Deutsche Hygiene-Museum, unter dessen Federführung die 4. Landesausstellung stand, noch nicht ziehen. Auf Anfrage vertrösteten Sprecher beider Institutionen auf eine für Mitte Januar geplante Pressekonferenz. Dann werde es auch um Fragen gehen, wie die Schau das Thema Industriekultur in Sachsen nachhaltig beeinflusst habe und was trotz des coronabedingt jähen Endes von ihr bleibe, hieß es.

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Virus sorgt für Schließungen

Die landesweite Schließung von Freizeit- und Kultureinrichtungen Anfang November hat auch die Schau zur Industriekultur mit ihren Außenstandorten getroffen. Dazu zählen das Horch-Museum in Zwickau, das Chemnitzer Industriemuseum, das Bergbaumuseum in Oelsnitz, die Tuchfabrik Pfau in Crimmitschau und das Silberbergwerk in Freiberg; die Freiluftschau "Schauplatz Eisenbahn" in Chemnitz-Hilbersdorf hatte schon zuvor planmäßig geschlossen.

Bis dahin hatten die Ausstellungsmacher rund 104.000 Besucher gezählt. Das waren weniger als erhofft, aber unter den Bedingungen der Corona-Pandemie hatte sich der Direktor des Hygiene-Museums, Klaus Vogel, trotzdem zufrieden gezeigt. Auf das größte Interesse stieß demnach das Thema Auto mit etwa 31.500 Besuchern im Horch-Museum. Eigentlich war allein für die Zentralausstellung mit rund 100.000 Besuchern gerechnet worden.

Hatten die Ausstellungsmacher zunächst gehofft, im Dezember wieder für Besucher öffnen zu können, so hat sich das durch die Verschärfung der Corona-Lage zerschlagen. So endet die Schau nun ganz im Stillen. Das Horch-Museum hatte eine Verlängerung der Schau "AutoBoom" bis Ende Februar in Aussicht gestellt. Doch dass das Museum bis dahin noch einmal öffnet, ist unwahrscheinlich. Eine erneute Verlängerung werde es nicht geben, sagte eine Museumssprecherin und verwies auf Fristen der Leihverträge für die Exponate. Mehr als 90 Prozent der Ausstellungsstücke seien Leihgaben. Ein Lichtblick für Interessierte bleibt die Begleitschau "MaschinenBoom", die noch bis 25. Juli im Chemnitzer Industriemuseum auf dem Ausstellungskalender steht.

Pleiten, Pech und Pannen

Rund um die Landesausstellung hat der Freistaat nach früheren Angaben etwa 18 Millionen Euro ausgegeben. Die Schau bot eine multimediale Zeitreise durch fünf Jahrhunderte von den Anfängen des Bergbaus und der Industrialisierung bis in die Gegenwart. Im Fokus stand die Industriekultur als Identitätsstifter.

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Aber das Projekt war schon vor Corona auf Probleme gestoßen. Die Ausstellung hatte ursprünglich schon im Jahr 2018 Besucher in ihren Bann ziehen sollen, doch konnte zunächst kein geeignetes Gebäude gefunden werden, so dass sie verschoben werden musste. 2020 durchkreuzte dann das Coronavirus die Pläne: Die Eröffnung am 25. April fiel aus und wurde am 11. Juli nachgeholt. Dafür sollte die Schau statt am 1. November erst am Jahresende schließen. Das wurde von der zweiten Corona-Welle zunichte gemacht. (dpa)

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