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Das sagen die Sachsen zu Merkels Entschuldigung

Merkels Absage der "Osterruhe" war eine harte Entscheidung. Nützt oder schadet sie ihr? So wird in den sozialen Medien darüber diskutiert.

Von Claudia Schade
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Eine Entschuldigung sorgt für eine heftige Diskussion. Angela Merkel nach ihrem Statement am Mittwoch zur Rücknahme der Osterruhe.
Eine Entschuldigung sorgt für eine heftige Diskussion. Angela Merkel nach ihrem Statement am Mittwoch zur Rücknahme der Osterruhe. © dpa, SZ/cs

Erwartet hatte es zunächst wohl niemand: Die Rücknahme der kurzfristig geplanten "Osterruhe" und die Übernahme der vollen Verantwortung dafür von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch. Das Geschehen haben viele unserer Leser auf Facebook und Instagram kommentiert.

Bund und Länder hatten zunächst beschlossen, Gründonnerstag und Karsamstag jeweils zu Ruhetagen zu machen und so das gesellschaftliche Leben bis Ostermontag für fünf Tage komplett herunterzufahren. Nur an Karsamstag sollten Lebensmittelläden öffnen dürfen. Der Beschluss hatte viele Fragen aufgeworfen, wie etwa die nach arbeitsrechtlichen Gegebenheiten oder der Kostenübernahme. Diese waren dann so schwerwiegend, dass die Bundeskanzlerin am Mittwochvormittag einen Rückzieher machte und sich entschuldigte.

Sehr viele Leser zeigen sich davon beeindruckt. So schreibt zum Beispiel Janett Beyer: „Respekt an die Kanzlerin. Da kann sich mancher was von abschneiden, zu eigenen Fehlern zu stehen“. Auch Manu Feige ist auf Facebook der Ansicht. „Den eigenen Fehler zugeben, Respekt“, schreibt sie.

Ähnlich positiv äußern sich viele Follower von Sächsische.de bei Instagram. So schreibt Ina Koch: „Wann hat je ein Politiker Fehler offen eingestanden? In Ihrer Amtszeit stand Sie vor etlichen Entscheidungen und Problemen, die andere Bundeskanzler vor ihr nicht zu treffen hatten, auch wenn diese nicht immer nachvollziehbar waren. Wer arbeitet macht Fehler, diese öffentlich einzugestehen zeugt von wahrer Größe. Viele kehren sie unter den Tisch bzw. meckern ohne reelle Alternativen aufzuzeigen. Dafür mein Respekt.“

Auch André Götze hat auf Facebook Verständnis für die besonderen Umstände, unter denen Politiker in der Pandemie agieren müssen. Er schreibt: „Ständig liest man: ,Die sollen endlich zu ihren Fehlern stehen.‘ Die Kanzlerin macht es und es ist auch wieder nicht richtig. Dem Großteil der Menschen ist es doch egal wie es gemacht wird, sie werden immer meckern. Weil es einfach ist. Ich würde nicht mit den Politiker/-innen tauschen wollen und die ganzen Entscheidungen treffen müssen."

Selbst ein bekannterer Dresdner sieht sich nun zu seiner eigenen Überraschung als Verteidiger von Angela Merkel. Johannes Lohmeyer, Hotelier und einst prominentes Gesicht der Dresdner FDP, schreibt: „Ich stehe nun wirklich nicht im Verdacht, ein großer Merkelfan zu sein. Aber das verdient Respekt.“ Und er weist auf einen weiteren Punkt hin, den auch andere Kommentatoren aufgreifen: Dass sich andere diese Entschuldigung zum Vorbild nehmen könnten.

Auch die Rolle der Ministerpräsidenten wird beleuchtet: „Frau Merkel sie treffen diese Entscheidungen nicht allein. Dazu befragen sie alle Ministerpräsidenten, jeder dieser Länderchefs steht voll und ganz in der Verantwortung. Es gibt auch in ihren Runden die Möglichkeit nein zu sagen und das scheint ja nicht der Fall gewesen zu sein“, schreibt Marion Günther.

So auch Jo Böttcher: „Ich nehme diese Frau sehr ernst, nur leider die Lokalfürsten alias Ministerpräsidenten nicht, die alles vermasseln. Wenn die nicht ihren Kopf durchsetzen müssten, dann wären solche Entscheidungen schon viel eher gefallen oder gar nicht notwendig.“

Scharfe Kritik an der Entschuldigung

Es gibt jedoch nicht nur Zuspruch, sondern auch heftige Kritiker an der Entschuldigung. Katrin Röthig ist der Meinung: „Seit einem Jahr wurden vor allem Entscheidungen getroffen die dazu beigetragen haben, dass wir heute nicht anders dastehen als zu Beginn der Pandemie.“ Diese Ansicht vertreten auch andere, etwa Thorsten Roch, der schreibt: „Den Sommer völlig verpennt. Es wäre Zeit gewesen, sich eine Strategie zu überlegen.“

Verbunden wird dies in einigen Kommentaren mit dem Aufruf zum Rücktritt.

Andreas Puschmann weist wie auch andere auch darauf hin, dass viel Vertrauen verspielt ist: „Ein Jahr Pandemie und noch immer keinen Plan und nur planloses Rumgewurstel, katastrophal. 12 Stunden Sitzung die nichts weiter gebracht haben, als dass auch der letzte das Vertrauen in diese Regierung verloren hat.“

Kai Hoffmann will eine Entschuldigung nicht gelten lassen. Er schreibt: „Nein, diese Entschuldigung ist nicht ernst gemeint, sondern nur eine Reaktion auf die berechtigte Kritik!“

Diese und andere Kritiker rufen wiederum Verteidiger auf den Plan. Hans-Jürgen Tillack schreibt: „Nichts entscheiden müssen und nichts verantworten müssen, da ist es natürlich sehr leicht, stetig nach Schuldigen zu suchen.“

Nancy LaTura kommentiert mit einem Schuss Sarkasmus in die gleiche Richtung und erntet dafür auf Facebook viel Zuspruch. Sie schreibt: „Die wenigsten von euch können sich noch entschuldigen. Schuld sind immer die anderen. Ich ziehe den Hut vor ihrer Entschuldigung. Und ich möchte keinesfalls die für das Land richtigen Entscheidungen treffen müssen. Aber bei Facebook gibt's so viele Möchtegernkönner, da findet sich doch sicher ein optimaler Kanzlerkandidat bis zum Herbst. Ich bin gespannt.“

Teresa Dielitzsch erklärt: „Man sollte dennoch bedenken, dass es für alle die erste Pandemie ist. Mit dem Finger auf andere zeigen und die Fehler aufzuzeigen ist eben der einfachste Weg. Die angeordnete Osterruhe war falsch, jetzt wurde es gekippt, das passt den Leuten auch nicht. Ja was denn nun?“

Die Osterruhe halten einige dennoch für eine gute Idee. Katrin Sczepanski schreibt zum Beispiel: „Dieser eine Tag nicht einkaufen - wie schlimm ist das für die Bevölkerung wirklich?“

Die Osterruhe, eine gute Idee

Für ihren Kommentar hat San Ny viel Zustimmung bekommen. Sie schreibt auf Facebook: „Ich wäre für die Osterruhe gewesen aber komplett alles zu, auch Lebensmittelgeschäfte, damit auch mal die Leute zur Ruhe kommen! Und ich glaube es wäre niemand über diese 5 Tage verhungert....! „

Sandra Ahmad greift zudem eine Frage auf, die auch viele andere beschäftigt: „Die Entscheidung mit den 5 Tagen zu fand ich persönlich nicht schlimm, da es vermutlich das Infektionsgeschehen, wenn alle sich an die Regeln gehalten hätten, reduziert hätte. Das wäre vor allem mit Blick auf unsere Kinder und den Schulbesuch nach den Osterferien eine gute Lösung gewesen. Wenn jetzt ausgiebig Ostern gefeiert wird, frage ich mich, wie sehen die Zahlen eine Woche nach Ostern aus?“

Aus einem anderen Blickwinkel schaut Daniela Beheim. Sie legt das Augenmerk auf die Auswirkungen, die die kurzfristige Entscheidung für einen Osterlockdown für die Mitarbeiterinnen in den Supermärkten hatten: „Wird auch mal dran gedacht, was viele Märkte gestern Abend bzw. im Laufe des Tages alles versucht haben umzuändern und umzustrukturieren? Sei es die Ware die statt am 01.04. und 03.04. kommen sollte jetzt an einem andren Tag kommen muss und nun ist es doch wieder anders....die ganze Logistik halt. Oder das Personal, was anders geplant wurde, Dienstpläne angepasst wurden usw.“

Ein neues Gefühl: mütend

Abschließend bringt Uta Fischer ein Gefühl auf den Punkt, das gerade wohl sehr viele Menschen mit ihr teilen. Sie schreibt: „Jemand hat diese Woche den Begriff mütend in den Umlauf gebracht. Das ist für mich zu 100% zutreffend. Seit 5 Monaten zum 2. Mal im Berufsverbot, bin ich zu müde von all den Reden, Geboten, Verboten, Zwängen und der Panikmache.“