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Das zweite Leben der Einsatzfahrzeuge

Autos für Rettungsdienste, Polizei oder Ministerien haben spezielle Extras. Nach der Ausmusterung dürfen Privatleute zugreifen – demnächst in Chemnitz.

Wer ein ausrangiertes Polizeiauto fahren will, muss auf Blaulicht, Martinshorn, Funktechnik und den charakteristischen Schriftzug verzichten.
Wer ein ausrangiertes Polizeiauto fahren will, muss auf Blaulicht, Martinshorn, Funktechnik und den charakteristischen Schriftzug verzichten. © P. Seeger/dpa

Von Thomas Geiger und Andreas Rentsch

Wer schon immer mal selbst am Steuer eines Polizeiautos, Rettungswagens oder Feuerwehr-Lkw sitzen und durch die Gegend fahren wollte, sollte sich den 23. April im Kalender vormerken. Kommenden Freitag veranstaltet ein Chemnitzer Auktionshaus eine Onlineversteigerung für knapp 450 Fahrzeuge, darunter zahlreiche außer Dienst gestellte Spezialumbauten. Mitbieten können Interessenten schon für kleines Geld: Für einen 1989 erstmals zugelassenen Mercedes Benz 709 D Schlingmann LF8 beispielsweise werden als Startpreis 3.500 Euro aufgerufen.

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Auch die Verwertungsgesellschaft des Bundes (VEBEG) und andere Akteure bieten solche Autos auf ihren Plattformen an. Allerdings müssen sich Interessenten mit ein paar Einschränkungen arrangieren: Bei ausgedienten Polizeiautos sind Blaulicht, Martinshorn und die Funktechnik in der Regel deaktiviert. Oder sie werden vor dem Verkauf gleich ganz ausgebaut.

Blaulicht nur mit Sondergenehmigung

Anders sei es bei Feuerwehren und Krankenwagen, sagt der Chemnitzer Auktionator Andreas Wendler. „Dort bleibt die Technik prinzipiell drauf oder dran.“ Das hat damit zu tun, dass manche Gebrauchtfahrzeuge von Feuerwehren oder Anbieter privater Krankentransporte übernommen werden. Was aber nicht heißt, dass jeder neue Besitzer mit Blaulicht und Tatütata herumfahren darf. Dafür, so Wendler, bedürfe es einer Sondergenehmigung durch die Landesdirektion.

Egal ob Blau- oder Blitzlicht, Sirene oder Suchscheinwerfer, Funktechnik oder offizielle Folierung: Den Umbau von zivilen Neufahrzeugen für besondere Aufgaben übernehmen spezielle Abteilungen der Autohersteller. Opels firmeneigene Sektion heißt Opel Special Vehicles, kurz OSV.

Wenn es um den Schutz prominenter Insassen geht, gehen viele Konzerne noch ein Stück weiter. Da gibt es für Limousinen und Geländewagen schon ab Werk oder nachher beim spezialisierten Dienstleister Schutz gegen Attacken aller Art. Dazu zählen schuss- und sprengsichere Bleche mit Karbon- oder Panzerstahl-Einlagen, Matten aus Aramidfaser und dicke, extrem widerstandsfähige Scheiben.

Ausgefallenere Funktionen

Bei Mercedes bekommt man auf Wunsch noch ausgefallenere Sonderschutzfunktionen. Da können Reifen notfalls auch ohne Luft fahren, oder der Tank hält nach einem Gewehrbeschuss dicht. Automatische Löschanlagen bekämpfen Brände, und eine integrierte Sauerstoffversorgung garantiert genug Atemluft auch in wahrhaft brenzligen Situationen.

Während solche Umbauten in der Regel unter der Regie des Herstellers erfolgen, lassen Feuerwehren und Rettungsdienste ihre Fahrzeuge oft von Dienstleistern umrüsten. Medizinisches Equipment für Rettungswagen, etwa die gefederten Aufnahmen für Krankentragen oder Löschpumpen, würden meist von speziellen Zulieferern in die entsprechend vorbereiteten Transporter eingebaut, sagt MAN-Pressesprecher Thomas Pietsch.

Manchmal geht es aber gar nicht um Mehrausstattung. Stattdessen müssen Polizisten, Feuerwehr- und Rettungsleute auch auf ein paar Extras verzichten. Ledersitze oder Klimaautomatik werde für amtliche Flotten häufig gar nicht erst montiert, sagt ein BMW-Sprecher. Ähnlich verhält es sich gelegentlich sogar mit dem Autoradio.

Suchscheinwerfer und ein Näherungsradar

Der Umbau von Serien- zu Streifenwagen in Deutschland ist dabei verhältnismäßig subtil. Hersteller in den USA gehen traditionell weiter. Sie leiten von ihren Serienmodellen besondere Polizeieinsatzfahrzeuge ab. Beispiel hierfür ist der Ford Interceptor auf Basis des Modells Explorer. Der hat neben den äußeren Markierungen und der Signal- und Kommunikationsausstattung auch Suchscheinwerfer, ein Näherungsradar, Trennwände zwischen den Sitzreihen, widerstandsfähige Rückbänke und teilweise leistungsstärkere Motoren.

Immer mal wieder ist das Entgegenkommen der Hersteller noch größer. Ist ein Kunde bedeutend und der Auftrag groß genug, werden eigene Fahrzeuge geschaffen. Dann geht alles nach den Vorstellungen der Auftraggeber – vor allem fürs Militär. So würde es weder den VW Kübelwagen vom Typ 181 noch die Mercedes G-Klasse geben, wenn dahinter nicht Regierungsaufträge gestanden hätten. Ebenso verhält es sich mit dem Lamborghini LM002 oder dem Mehrzweck-Radfahrzeug HMMWV, besser bekannt als Hummer. Der legendäre Willys MB – eine Konstruktion fürs US-Militär – gilt heute als Urahn aller Jeeps.

Zwar begnügen sich die Behörden für den halbwegs zivilen Einsatz mittlerweile zumeist mit aktuellen Serienmodellen und kleineren Modifikationen. Doch gibt es auch heute noch exklusive Entwicklungen. So hat zum Beispiel Kia 2020 die Pläne für einen Pick-up namens KLTV vorgestellt. Der wird nach Spezifikationen des Militärs konstruiert und soll nur im Nebenjob eine zivile Karriere haben.

Aus Krankentransporter wird Wohnmobil

Hierzulande seien derzeit vor allem ausrangierte Krankentransporter zunehmend gefragt, sagt Andreas Wendler vom Auktionshaus Vonau in Chemnitz. Verantwortlich dafür sei der Camping-Boom. „Viele kommen auf die Idee, so ein Fahrzeug zum Wohnmobil umzubauen.“ Tatsächlich haben die alten Krankentransporter mehrere Vorteile. Einerseits sind sie dank des Hochdachs geräumiger als normale Campingbusse, andererseits bereits isoliert. Dennoch sei der Umbau schwieriger als von vielen interessierten Laien angenommen, so Wendler.

Wer tatsächlich auf einen KTW oder RTW spekuliert, hat bei der Auktion am 23. April die Wahl. Der Katalog listet insgesamt 16 Fahrzeuge, davon neun Volkswagen und sieben Mercedes-Benz. Als Startgebote sind Summen zwischen 1.500 und 4.000 Euro vermerkt. (dpa/rnw)

  • Die Onlineversteigerung startet am 23. April um 12 Uhr und dauert voraussichtlich bis 20 Uhr. Zum Katalog: www.auktionshaus-vonau.de

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