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"Die Bilder erinnern mich an die Flut 2002"

Sachsens damaliger Ministerpräsident Georg Milbradt hofft auf schnelle Hilfe aus Berlin für die betroffenen Regionen - und auf Hilfe aus Sachsen.

Georg Milbradt steuerte 2002, kurz nach seinem Antritt als Ministerpräsident, den Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe.
Georg Milbradt steuerte 2002, kurz nach seinem Antritt als Ministerpräsident, den Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe. © SZ/Thomas Lehmann

Herr Prof. Milbradt, wie geht es Ihnen, wenn Sie die Bilder dieser Hochwasser-Katastrophe sehen?

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Das erinnert mich natürlich an die Flutkatastrophe entlang der Elbe und ihrer Zuflüsse im Jahr 2002. Auch damals waren besonders dort große Zerstörungen, wo das Wasser durch enge Mittelgebirgstäler gelaufen ist, in den kleineren Zu- und Nebenflüssen der Elbe. Aus den Hanglagen sammelte sich das Regenwasser schnell in den Tälern und zerstörte mit reißender Geschwindigkeit ohne Vorwarnung Wohnhäuser, Betriebe und Infrastruktur. Das scheint jetzt auch in den Mittelgebirgen am Rhein der Fall zu sein.

Sachsen steckte damals in einer Jahrtausend-Flutkatastrophe. Die Höhe der Schäden jetzt in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz sind noch gar nicht absehbar. Was ist jetzt zu tun?

Zunächst muss den direkt Betroffen schnell materiell und durch Unterbringung geholfen werden. Aber Hochwasser wird es immer wieder geben, vermutlich sogar häufiger als früher. Die Höhe der Schäden wird auch dadurch beeinflusst, dass die Menschen immer wieder gern und viel zu nah entlang von Flüssen gebaut haben und es immer noch tun. Damit steigt die Gefahr, dass künftig mehr Menschen bei solchen Flutkatastrophen ihr Leben verlieren. Darum sollten wir in diesen gefährdeten Regionen flußnahe Siedlungen nicht weiter ausbauen. Und wenn es zu Zerstörungen kommt, kann das auch bedeuten, dass Häuser an der gleichen Stelle nicht wieder aufgebaut werden sollten.

Aber wie kann man man die Menschen vor solchen Katastrophen besser schützen?

Es ist wichtig, dass wir im Gebirge die Regenrückhaltebecken ausbauen errichten, damit eine längere Vorwarnzeit bleibt, um sich auf eine Flut besser vorbereiten zu können und die Höhe und die Kraft der Flutwellen verringert wird. Das verhindert zwar keine Flut, aber die Schäden lassen sich wenigstens reduzieren, vor allem lassen sich mehr Menschenleben retten. Dazu müssen die Meldeketten gut organisiert sein, um schnell zu reagieren.

Haben Sie einen persönlichen Rat an die jetzt betroffenen Ministerpräsidenten?

Die beiden Ministerpräsidenten haben vorbildlich reagiert, soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann. Man muss sofort in die Katastrophengebiete fahren, sich einen unmittelbaren Eindruck verschaffen und mit den Betroffenen reden. Man muss so schnell wie möglich, Hilfe organisieren, koordinieren und damit eine Perspektive anbieten - vor allem denen, die keine Bleibe mehr haben. Auch den meist mittelständischen Unternehmen, die zerstört oder geschwächt worden sind, muss man unterstützen, damit Arbeitsplätze erhalten bleiben. Zudem werden die Gemeinden schnelle Hilfe brauchen, um die Infrastruktur wiederaufzubauen. Je schneller das geschieht, desto geringer sind die langfristigen Schäden. Aber die Toten kann man nicht wieder lebendig machen. Da bleibt leider nur den Angehörigen zu helfen und sie zu trösten. Man darf niemanden mit seiner Not allein lassen. Auch Spenden aus den nicht betroffen Gebieten können helfen.

Damals, im Jahr 2002, gab es eine unglaubliche, große Solidaritäts-, Spenden- und Hilfsaktion aus Westdeutschland und der ganzen Welt für Sachsen. Wäre es jetzt nicht mal an der Zeit, auch etwas zurückzugeben?

Ja, für die Hilfe bin ich immer noch sehr dankbar. Wir haben damals große Unterstützung erhalten. Die westlichen Bundesländer haben uns Tausende von Helfern geschickt. Freiwillige Feuerwehren und das THW sind damals zu uns gekommen. Ich gehe davon aus, dass jetzt auch unsere Feuerwehren und Hilfsorganisationen sofort bereit sind, in die Kathastrophengebiete zu fahren und mitzuhelfen.

2002, Sachsen, Grimma: Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD, l) und der ehemalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) gehen durch die nach einem Hochwasser verwüstete sächsische Kreisstadt Grimma.
2002, Sachsen, Grimma: Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD, l) und der ehemalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) gehen durch die nach einem Hochwasser verwüstete sächsische Kreisstadt Grimma. © dpa

Wie damals ist auch diesmal die Bundestagswahl zeitlich nicht weit entfernt. Hilft oder schadet das?

Damals war die Katastrophe noch näher an der Wahl, so dass die nationale Politik sehr schnell eingestiegen ist - sowohl Regierung als auch Opposition. Das hat dazu geführt, dass relativ schnell ein größeres Hilfsprogramm mit Bundesgeld beschlossen worden ist. Damals wurde sogar eine geplante Steuersenkung um einige Monate verschoben, um das notwendige Geld zu beschaffen. So etwas wäre nach meiner Einschätzung auch heute wieder notwendig. Die Verantwortlichen auf Bundesebene sollten schell entsprechenden Maßnahmen für die betroffene Bevölkerung, ihre Gemeinden und ihre Bundesländer ergreifen, so, wie es damals vor 19 Jahren auch zu unseren Gunsten geschehen ist.

Denken Sie, dass auch die Sachsen dazu bereit sind, etwas persönlich zurückzugeben?

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Ja. Dazu sollte unsere Hilfsorganisationen und die damals betroffenen Gemeinden und Bundesländer schnell zu Spenden aufrufen, um den Sachsen die Möglichkeit zu geben, den jetzt in Westdeutschland betroffenen Mitbürgern zu helfen und Solidarität zu zeigen.

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