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Die eigene Grabpflege schon zu Lebzeiten auswählen

Immer mehr Ältere entscheiden sich für eine Dauergrabpflege. Das ist nicht billig, geht aber mit einem Treuhänder in Sachsen sogar insolvenzsicher.

Hat mit einigen der Toten zu deren Lebzeiten die Bepflanzung besprochen: Friedhofsgärtnerin Liane Eyßer aus Dresden.
Hat mit einigen der Toten zu deren Lebzeiten die Bepflanzung besprochen: Friedhofsgärtnerin Liane Eyßer aus Dresden. © Matthias Rietschel

Liane Eyßer mag vor allem die Stille an ihrem Arbeitsplatz. Sie steht vor einem Familiengrab auf dem Matthäusfriedhof in Dresden. Die roten Blüten der Pelargonien strahlen in der Sonne. Sie gießt die Pflanzen, zupft das Unkraut und harkt den Streifen Wiese drumherum sauber. Dann packt sie die Gießkanne und den kleinen Rechen und widmet sich dem Grab nebenan. Sie liebt ihren Beruf. Seit fast 30 Jahren kümmert sich die Gartenbauingenieurin um die Pflege von letzten Ruhestätten. Etwa 60 stehen allein auf dem Matthäusfriedhof unter ihrer Obhut, rund 1.400 sind es in ganz Dresden.

Für viele davon hat Eyßers Betrieb die Dauergrabpflege übernommen. Nicht nur Hinterbliebene können sie abschließen. Auch schon zu Lebzeiten lässt sich die eigene Grabpflege organisieren. Insofern hat Liane Eyßer einige der Verstorbenen, deren Ruhestätten sie heute hegt und pflegt, noch persönlich kennengelernt.

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Die Ruhezeit auf Friedhöfen in Sachsen beträgt mindestens 20 Jahre. Erst danach darf eine Grabstelle wieder neu belegt werden. Doch wer kümmert sich während dieser Zeit um die Pflege, wenn sich niemand mehr kümmern kann? Etwa dann, wenn die Kinder oder Enkel nicht mehr in der Nähe wohnen oder Angehörige nicht ausreichend Zeit haben. Eine Gärtnerei mit den Arbeiten zu beauftragen, ist eine Möglichkeit. „Langfristig, für einen Zeitraum ab etwa fünf Jahren, ist eine Dauergrabpflege sinnvoller und sicherer“, sagt Sandra Theusner von der Dauergrabpflegegesellschaft Sächsischer Friedhofsgärtner. Diese bietet sachsenweit die Vorsorgeverträge an und verwaltet sie treuhänderisch. Die Nachfrage ist groß. Im Jahr 2010 wurden 400 Verträge abgeschlossen, 2015 waren es schon 600. In diesem Jahr rechnet Theusner mit insgesamt 1.000 neuen Abschlüssen. „Immer mehr ältere Menschen wollen nach ihrem Tod niemandem zur Last fallen“, sagt Theusner.

110 Betriebe stehen zur Auswahl

Wer die Pflege eines Grabes für Jahre oder Jahrzehnte verbindlich regeln möchte, muss einen dreiseitigen Vertrag mit dem Treuhänder – in Sachsen ist es die Dauergrabpflegegesellschaft Sächsischer Friedhofsgärtner – und einer Friedhofsgärtnerei abschließen. Mehr als 110 Betriebe im Freistaat stehen dafür zur Auswahl. „In der Regel übernimmt eine Gärtnerei, die in der Region des Wunschfriedhofs ansässig ist, die Aufgaben“, sagt Theusner.

Die Kosten für die jahrelange Grabpflege werden in einer Summe im Voraus an den Treuhänder gezahlt. Dieser verwaltet das Geld und bezahlt regelmäßig den Gärtnereibetrieb. In Sachsen werden die Treuhandkonten bei der KD-Bank geführt. Die Bank für Kirche und Diakonie ist eine Genossenschaftsbank und die erste deutsche evangelische Kirchenbank seit 1925. „Das Geld ist sicher und wird strikt getrennt von unseren Geschäftskonten“, sagt Theusner. Sollte die Treuhandgesellschaft pleitegehen, greife der Insolvenzschutz. „Diese Verbindlichkeit ist ein Vorteil gegenüber Verträgen, die direkt mit einer Gärtnerei abgeschlossen werden. Kann ich denn sicher sein, dass eine Firma in fünf oder zehn Jahren noch existiert?“, sagt Theusner. Bei dem Treuhand-Modell übernimmt bei einer möglichen Betriebsaufgabe eine andere Partner-Gärtnerei die Aufgaben.

Ein Blumengruß zum Geburtstag

Der Preis für die Dauergrabpflege hängt von vielen Faktoren ab – ausschlaggebend sind vor allem die Größe der Grabstätte, die Laufzeit und die vereinbarten Leistungen. Das Spektrum reicht dabei von der Grabgestaltung über die Bepflanzung und die reine Pflege bis hin zum Abräumen des Grabes nach der Ruhezeit. „Jeder kann seine individuellen Wünsche äußern, die dann im Vertrag berücksichtigt werden“, sagt Theusner, zu deren Aufgaben es auch gehört, die entsprechenden Kostenangebote der Gärtnereien zu kontrollieren.

Eine Wechselbepflanzung gehört in der Regel immer mit dazu. „Jeweils im Frühjahr, Sommer und zum Herbstbeginn kommen frische Pflanzen auf die Gräber. Welche genau, entscheidet der Kunde“, sagt Liane Eyßer. Sie wird in wenigen Wochen gemeinsam mit ihren Mitarbeitern beginnen, die Grabstätten auf den Herbst vorzubereiten. Dann kommen verschiedene Eriken, winterfeste Heide oder auch Silberblatt in die Erde. Wichtig bei der Auswahl der Pflanzen ist, wo die Ruhestätte liegt. Ist es dort sonnig oder eher schattig? „Das müssen wir bei der Herrichtung des Grabes beachten. Und auch, was die Satzungen der einzelnen Friedhöfe vorschreiben“, sagt Eyßer. So könne es schon mal vorkommen, dass Marmorkiesel nicht erlaubt oder Hecken statt Steinumrandungen vorgeschrieben seien oder aber nicht gemulcht werden dürfe. Auf Wunsch kann der Friedhofsgärtner auch am Geburtstag des Verstorbenen oder an einem besonderen Gedenktag einen Blumengruß oder ein Gesteck niederlegen. Bei der Gestaltung der Dauergrabpflege sind kaum Grenzen gesetzt. Das hat aber auch seinen Preis.

4.845 Euro für 20 Jahre Pflege

Die Zeitschrift Finanztest hat im vergangenen Jahr Dauergrabpflegen von zehn Treuhandgesellschaften in Deutschland getestet – darunter auch die in Sachsen. Demnach kostet die Pflege eines Sarg-Einzelgrabes für die Laufzeit von 20 Jahren im Bundesdurchschnitt 4.845 Euro. Darin enthalten sind die monatliche Grabpflege, drei Bepflanzungen pro Jahr und Düngen, Grabschmuck an Gedenktagen, regelmäßiger Gießservice, Neuanlage der Grabstelle und die Beseitigung von Einsenkschäden. Der Durchschnittspreis für ein Sarg-Doppelgrab liegt bei 7.277 Euro und für ein Urnengrab bei 3.483 Euro. Beim Abschluss eines Vertrages fallen zudem einmalig Gebühren von fünf bis sieben Euro an. „Im Gegenzug sind Kontrolleure der Dauergrabpflegegesellschaft regelmäßig auf den Friedhöfen unterwegs, um die Ausführung der Arbeiten an den Gräbern zu überprüfen“, erklärt Theusner.

Steigen die Preise für die Grabpflege während der Vertragsdauer und können sie nicht durch Erträge der Treuhandgesellschaft ausgeglichen werden, darf diese den Leistungsumfang reduzieren. So ist es laut Finanztest in vielen Verträgen geregelt. Gekündigt werden kann der Treuhandvertrag im Übrigen weder von den Erben noch vom Sozialamt. Das ist wichtig, falls der Vorsorgende pflegebedürftig werden sollte und sein Geld für einen Pflegeheimplatz nicht mehr ausreicht. Dann kann das Sozialamt nicht verlangen, den Grabpflegevertrag aufzulösen. Voraussetzung dafür ist, dass der Vertrag abgeschlossen ist, bevor eine Pflegeleistung beantragt wird.

Eine Besonderheit in Sachsen

In Sachsen gibt es eine Besonderheit: Neben den Gärtnerleistungen können im Rahmen der Dauergrabpflege auch der Kauf und die Pflege des Grabmals selbst vereinbart werden. „Wir haben 45 Steinmetze in der Gesellschaft, die sogenannte Grabmalvorsorgeverträge abschließen“, sagt Theusner. Sie alle sind Mitglied im Landesinnungsverband des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks Sachsens. Die Laufzeit dieser Verträge beträgt in der Regel mindestens 20 Jahre. Auch sie werden treuhänderisch verwaltet.

Die Prüfung der Standfestigkeit des Grabsteines ist dabei nur eine Leistung, die vereinbart werden kann. „Es gehören zum Beispiel auch Nachbeschriftungen dazu, das Nachziehen von Schriften, das Reinigen des Steins oder die Pflege der Steineinfassung“, sagt Frank Böttger, Steinmetzmeister aus Mittweida und Obermeister der Steinmetzinnung Chemnitz. Er hat in den vergangenen Jahren beobachtet, dass Kunden zunehmend Wert auf Qualität und fachgerechte Pflege legen. Bis zu 100 Dauervorsorgeverträge würden in seiner Region jährlich dazukommen.

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Zu dem Thema gab es viele Fragen von Lesern. Anwälte und Notare beantworten sie. 

Bevor Liane Eyßer ihre Geräte zusammenpackt, schaut sie noch bei einem Grab vorbei, das ihr besonders am Herzen liegt. Auf einem großen, schlichten Stein steht „Prof. Kammersänger Peter Schreier“. Im Dezember 2019 war der berühmte Sohn Sachsens gestorben und auf dem kleinen Matthäusfriedhof neben seinen Schwiegereltern bestattet worden. Für Liane Eyßer haben Gräber eine besondere Bedeutung. Nicht nur beruflich. Als ein Ort der Erinnerung seien sie auch Ausdruck für die Wertschätzung eines Menschen. Und die sollte gepflegt werden.

Kontakt: Dauergrabpflegegesellschaft Sächsischer Friedhofsgärtner mbH, Scharfenberger Straße 67, 01139 Dresden, Telefon 0351/8491619

[email protected]

www.dauergrabpflege-sachsen.de

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