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Sachsen

Die schönste Zeit unseres Lebens? Der Wahlkampf!

Warum man niemals wieder so legal und so billig zu einem Vollrausch kommt, erklärt SZ-Redakteur Gunnar Saft in seiner satirischen Kolumne.

Alkohol braucht man im Wahlkampfzeiten nicht. Der Rausch kommt in dieser Zeit von ganz allein, wenn man durch die Straßen zieht.
Alkohol braucht man im Wahlkampfzeiten nicht. Der Rausch kommt in dieser Zeit von ganz allein, wenn man durch die Straßen zieht. © Dietmar Thomas

Was hilft eigentlich am besten gegen Corona-Depressionen? Eindeutig ein richtiger Wahlkampf. Fahren Sie jetzt einfach mal durch ihren Heimatort und genießen Sie die bunten Plakate – darauf überall lächelnde Menschen, die uns herzen und knuddeln wollen, sowie mal große und mal kleine Parteilogos, die Jedem Alles versprechen: Mehr Geld, mehr Glück, mehr Seelenheil – und nie wieder Ärger. Ich genieße jeden einzelnen Slogan und bewundere unsere uneigennützigen Politiker, die für diese fantastische neue Welt nur ein Kreuzchen haben wollen. Was braucht es da noch illegale Drogen oder bittere Medizin aus Apotheken, wenn es solche Plakate gibt?

Mitunter trifft man diese Göttinnen und Götter unserer berauschenden künftigen Zukunft im Wahlkampf sogar selbst. So wie die CDU-Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas, die sich demnächst im vogtländischen Falkenstein an eine Supermarktkasse setzen will, um uns dort mit gelebter Volksnähe zu betören. Achten Sie dann nicht auf die Ladenpreise, es lohnt sich auf jeden Fall! Knuddeln Sie Frau Magwas einfach so lange, bis die nach Luft japst. Dann merken beide, das alles ist kein Traum. Das Leben bis zum Wahltag ist tatsächlich wunderschön!

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Für die Zeit danach empfehle ich aber dringend wieder Drogen, Alkohol oder starke Arznei. Im Notfall gern alles zusammen. Denn irgendwie ist plötzlich immer alles vorbei. Keine Plakate, kein Politiker im Supermarkt und selbst unsere Kreuzchen sind weg. Es muss an diesen hämmernden Kopfschmerzen nach dem Besuch des Wahl-Lokals liegen, dass noch kein Bürger darauf gekommen ist, ein Gesetz einzufordern, dass alle Kandidaten dazu zwingt, sich nach einer Wahl öffentlich neben sein eigenes Plakat zu stellen und dabei mindestens zehn Minuten lang nicht rot zu werden – gern auch gelb, schwarz, lila oder grün. Nur wer das wirklich schafft, darf uns dann in ein paar Jahren erneut alle Sinne verwirren.

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