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OCG-Sekte: Dresdner Lehrerin gehört zum Führungskreis

Ihr Engagement in einer Sekte war teils bekannt. Jetzt kommt heraus: Die Lehrerin aus Dresden hat sich mit Rechtsextremen und "Querdenkern" getroffen.

Eine Gymnasiallehrerin aus Dresden moderiert auf dem Sektensender Klagemauer-TV. Experten halten das Programm für demokratiefeindlich.
Eine Gymnasiallehrerin aus Dresden moderiert auf dem Sektensender Klagemauer-TV. Experten halten das Programm für demokratiefeindlich. © Screenshot/SZ

Dresden. Die Dresdner Gymnasiallehrerin Luisa Z.* gehört zum Führungszirkel der in der Schweiz beheimateten fundamentalistischen Sekte Organische Christus Generation (OCG). Auf Anfrage von Sächsische.de bestätigte sie, dass sie beispielsweise die Pressearbeit für die Familie des OCG-Gründers Ivo Sasek in deren Abwesenheit übernimmt. „Ja, das ist in Einzelfällen schon vorgekommen“, teilte Luisa Z. mit.

Darüber hinaus arbeite sie eng mit Lois Sasek zusammen, der Produktionsleiterin des sekteneigenen Internetportals Klagemauer-TV. Der Videokanal verbreitet nach Analyse des Sekten-Beauftragten der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Harald Lamprecht, unter anderem antisemitische sowie allgemeine Verschwörungstheorien. Für ihn ist die OCG „eine der derzeit radikalsten und gefährlichsten Sekten“. Ihr Anführer habe die Gruppe „zu einer treibenden Kraft bei der Verbreitung von Verschwörungsideologien entwickelt“.

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Ivo Saseks ältester Sohn Simon, der in führender Position bei Klagemauer-TV tätig war, hatte die OCG 2016 verlassen. Zu den Details und Hintergründen darüber äußerte er sich Ende Februar dieses Jahres auf seinem eigenem Youtube-Kanal. Der auf radikale Glaubensgemeinschaften spezialisierte Religionsblogger Hugo Stamm schlussfolgerte aus diesen Aussagen im Schweizer Nachrichtenportal Watson, Simon Saseks Vater wende totalitäre Methoden an. Luisa Z. hingegen äußert sich über Details ihres Ein- und Aufstiegs bei der OCG oder zu einem Ausstiegsszenario nicht. Das sei Privatsache.

Einem Bericht des Netzaktivisten-Kollektivs Anonymous zufolge hat die Lehrerin am Martin-Andersen-Nexö-Gymnasium in Dresden zudem an einem Treffen am Ostermontag mit Rechtsradikalen, Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern im nordostdeutschen Ribnitz-Damgarten teilgenommen.

Ein Gruppenfoto zeigt sie unter anderem mit Hannes Ostendorf, dem Sänger der laut sächsischem Verfassungsschutz rechtsextremistischen Hooligan-Band „Kategorie C“. Die Aufnahme soll im Tonstudio des bekannten Reichsbürgers Michael Grawe entstanden sein. Luisa Z. erklärte auf Anfrage, sie habe Ostendorf und Grawe erstmals gesehen, „als das Bild entstanden ist“. Nichts verbinde sie mit den beiden, „ich weiß auch nichts Näheres über ihre Aktivitäten.“

Auf Fotos von diesem Treffen, die auf einschlägigen Netzwerken wie Telegram und vk.com zu finden sind, ist zu erkennen, dass die Teilnehmer Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus ignorierten.

Die Mitgliedschaft von Luisa Z. bei der OCG-Sekte sowie ihre Moderationen bei Klagemauer-TV sind an ihrer Schule seit 2017 bekannt. Infolgedessen sei sie damals „nachdrücklich an ihre Dienstpflichten erinnert worden und auch an ihr Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung sowie zum Bildungsauftrag“, sagt Rektor Armin Asper. Im Schuldienst verhalte sie sich tadellos.

Das zuständige Landesamt für Schule und Bildung in Dresden teilte mit, es gehe den Hinweisen nach und bewerte diese gegebenenfalls unter arbeitsrechtlichen Aspekten. Eine breite Diskussion um Frau Z. und ihre Beschäftigung am Martin-Andersen-Nexö-Gymnasium sei allerdings nicht zu verzeichnen.

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Anmerkung 1: Luisa Z. ist nicht der richtige Name der Lehrerin.

Anmerkung 2: In einer ersten Version hatten wir geschrieben, Simon Sasek selbst habe dem Schweizer Nachrichtenportal Watson gesagt, sein Vater wende totalitäre Methoden an. Das jedoch war eine Interpretation des zuständigen Watson-Autors.

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