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Faust des Ostens: Prozess Ende März

Über siebeneinhalb Jahre nach der Anklageerhebung stehen drei Männer vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts Dresden. Zwei weitere hatten Glück.

Pyrotechnik, Quarzhandschuhe, Sticker - im Juni 2012 präsentierte die Polizei sichergestelltes Material von Mitgliedern der "Faust des Ostens" - fast neun Jahre später soll der Prozess beginnen.
Pyrotechnik, Quarzhandschuhe, Sticker - im Juni 2012 präsentierte die Polizei sichergestelltes Material von Mitgliedern der "Faust des Ostens" - fast neun Jahre später soll der Prozess beginnen. © Archivfoto: Alexander Schneider

Dresden. Das Landgericht Dresden hat erstmals einen Termin für den Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder und Anführer der „Faust des Ostens“ (FdO) bestimmt. Am 29. März beginnt die Hauptverhandlung vor der Staatsschutzkammer . Das bestätigte ein Gerichtssprecher gegenüber der SZ.

Den nur noch drei Angeklagten im Alter von 30 bis 37 Jahren wird unter anderem die Bildung/Anführerschaft einer kriminellen Vereinigung, Diebstahl und Körperverletzung vorgeworfen. Das Verfahren gegen zwei weitere Mitbeschuldigte wurde eingestellt. Grund dafür sei das junge Alter der heute 26- und 28-Jährigen zur Tatzeit und die inzwischen verstrichene Zeit.

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Bei der FdO handelt es sich um eine Gruppe von weit mehr als 100 Anhängern des rechtsextremen, gewaltbereiten und fremdenfeindlichen Hooligan-Umfelds von Dynamo Dresden. Sie wurde am 20. April 2010 gegründet, Jahrestag der Geburt Adolf Hitlers. Die FdO soll für gewalttätige Übergriffe auf Anhänger anderer Fußballmannschaften, Ausländer und Polizisten verantwortlich sein. Sie habe regelmäßig Kampfsport trainiert.

Alkohol-Diebstahl mit Wachmann-Hilfe

Auch Sachbeschädigungen am Dynamo-Stadion im Juli 2011 mit mehr als 100.000 Euro Schaden werden der FdO zugerechnet. Ihre Einnahmen soll die Gruppe mit dem Diebstahl und Weiterverkauf von Spirituosen aus Supermärkten erzielt haben. Dazu habe die Gruppe auf enge Kontakte zu Sicherheitsdiensten von Kaufland-Filialen in Sachsen zurückgreifen können. Ein Großteil von Straftätern aus dem Umfeld wurde bereits in anderen Verfahren verurteilt.

Es ist nun der erste FdO-Prozess vor einer Staatsschutzkammer. Die Anklage der Staatsanwaltschaft Dresden stammt vom Sommer 2013. Da keiner der Angeschuldigten in Haft saß, war das Gericht gezwungen, andere Verfahren mit inhaftierten Angeklagten vorzuziehen. Hinzu kam die Überlastung der Strafkammern mit Staatsschutz-Prozessen etwa mit Großverfahren gegen tschetschenische Schutzgelderpresser und Prozessen gegen die rechtsextreme „Freie Kameradschaft Dresden“ (FKD).

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Mitte 2018 eröffnete das Gericht das Hauptverfahren und verhinderte eine Verjährung mancher Vorwürfe. Zunächst sind 20 Sitzungstage bis Juli geplant. Die Verhandlung könnte jedoch auch schneller enden. „Die Kammer hat uns für den ersten Sitzungstag ein Verständigungsangebot in Aussicht gestellt“, sagte Andrej Klein, einer der Verteidiger.

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