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Ein Dieb ist nur, wer erwischt wird

In Sachsens neuem Haushalt fehlt viel Geld - aber keiner will es gewesen sein. SZ-Redakteur Gunnar Saft ermittelt dazu in seiner satirischen Kolumne.

So geht sächsisch: Kein Geld für schnelles Internet, aber Gratis-Strom für Staatsdiener. Foto: Claudia Hübschmann
So geht sächsisch: Kein Geld für schnelles Internet, aber Gratis-Strom für Staatsdiener. Foto: Claudia Hübschmann © hübschmann

Schluss, aus und vorbei – in dieser Woche haben Landtag und Staatsregierung endlich das große Rechnen beendet. Wir Bürger können uns nun über zwei gute Nachrichten freuen: Erstens hat Sachsen schon Ende Mai einen bestätigten Landeshaushalt für das nur noch bis Dezember reichende Haushaltsjahr 2021. Und zweitens haben unsere Politiker dabei lediglich ein Defizit von 327 Millionen Euro verursacht. Eingeplant war dieses Geld für den Ausbau der immer noch lahmen Internetverbindungen im Land. Doch dann hat irgendwer vergessen, die Summe rechtzeitig zu beantragen, und jetzt klafft im Etat eine Riesenlücke. Falls einer Supermarktkassiererin am Monatsende so viel Geld in der Kasse fehlt, rückt natürlich der Staatsanwalt an. Im Fall der Staatsregierung ist der Täter aber leider nicht auszumachen. Wie auch: Immerhin sitzen gleich zwölf Minister(innen) am Dresdner Kabinettstisch. Wie soll man da herausfinden, wer von denen konkret für Internetverbindungen verantwortlich ist. Das ist unmöglich. Also Freispruch für alle!

Geschlampt wurde beim neuen Haushaltsgesetz aber auch an anderer Stelle: So hatte die Regierung eigentlich vorgesehen, dass Sachsens Landesbedienstete ihre privaten E-Autos künftig während der Arbeitszeit kostenlos an freistaatlichen Steckdosen aufladen dürfen. Das wäre dann ungefähr so, als würde uns unser Arbeitgeber mit Gratis-Tankgutscheinen überschütten, die er zuvor seinen Kunden geklaut hat. Aufmerksame und kritische Landtagsabgeordnete haben aber zum Glück verhindert, dass sich die armen Regierungsmitarbeiter der Stromhehlerei schuldig machen und den Bonus-Passus aus dem Gesetz gestrichen. Elektriker würden sagen, die Sicherung hat prima funktioniert.

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Sehr großzügig war der Landtag dann allerdings bei einem anderen Projekt. So genehmigte er der Staatsregierung eigens 600.000 Euro, um in Sachsen ein neues Polizeimuseum aufzubauen. Sicherlich nicht ganz ohne Hintergedanken. Tatsächlich freue ich mich bereits auf einen Besuch und dann vor allem auf die Ausstellungsräume, in denen die intensive Polizeiarbeit bei staatlichen Amtsvergehen vorgestellt wird. Sollte es eine solche Abteilung wider Erwarten nicht geben, besuche ich halt den Raum „Stromdiebstahl“.

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