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Einen Politiker als Hauptgewinn?

Nicht nötig. In Pandemiezeiten hilft eher ein Notizbuch und etwas Glück beim Würfeln, meint SZ-Redakteur Gunnar Saft in seiner satirischen Kolumne.

Politik ist oft auch ein Glücksspiel. Foto: dpa
Politik ist oft auch ein Glücksspiel. Foto: dpa © dpa

TERMIN-ABSPRACHEN in Coronazeiten können ganz schön knifflig sein. Dienstagfrüh? Geht nicht. Da habe ich einen „Click & Collect“- Termin beim Baumarkt – zwei Packungen Dübel, eine Rolle Maschendraht und eine Ersatzlampe fürs mittlerweile dunkle Kellerlicht. Komme ich nur ein paar Minuten zu spät, wandert das Zeug wieder ins Lager. Freitagnachmittag? Bist Du völlig verrückt? Auf keinen Fall! Friseurtermin. Teuer ersteigert übers Internet vom Ebay-Anbieter „Gold-Glatze“. Übernächste Woche irgendwann während der Mittagszeit? Mal sehen, habe mich gerade für „Click & Meet“ angemeldet. Wenn mein Schuhladen nein sagt, könnte ich – vielleicht. Es sei denn, es gibt plötzlich einen Anruf vom Impfzentrum.

UNSERE Politiker nennen dieses wirre System übrigens eine gelungene Nothilfe und strahlen stolz um die Wette, was sie Tolles auf die Beine gestellt haben. Ich brauche dafür aber inzwischen längst eine Merkliste: Bäcker, 1,5 Meter Abstand, nur bargeldlos zahlen. Supermarkt, zwei Meter Distanz und stets Einkaufswagen – und wenn es im Gemüsegang arg eng wird, einfach so tun, als ob man den anderen Kunden, den man gerade Bauch an Bauch touchiert, nicht bemerkt. Drogerie: Einkaufskorb desinfizieren und festhalten, weil sonst der Nächste danach greift. Wenn der nicht loslässt, den Sicherheitsdienst rufen und behaupten, der Andere hätte die falsche Maske auf. Ach so, zwischendurch immer ganz schnell irgendwas einkaufen!

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UND bald könnten ein paar neue Regeln hinzukommen, denn unser aller Landtagspräsident Matthias Rößler hat nächste Woche einen ganz wichtigen Pressetermin. Ein Anbieter aus dem Erzgebirge überreicht dem CDU-Politiker dann ein Würfelspiel mit dem vielsagenden Titel „Kreuz und quer durchs Sachsenland“. Wetten, in der Coronaschutzverordnung taucht danach bald auf, dass bei Autofahrten durch den Freistaat an jeder Kreuzung gewürfelt werden muss: Bei einer Eins geht es nach links, bei einer Zwei nach rechts und bei einer Drei geradeaus. Bei einer Vier darf man noch einmal würfeln und bei einer Fünf die Fahrtrichtung selbst auswählen. Nur wer eine Sechs hat, erhält sofort einen „Meet & Brüll“-Termin beim Politiker seiner Wahl.

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