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Einheitsfeier am Sonntag? Völliger Murks!

Warum die deutsche Wiedervereinigung nur Spaß macht, wenn man auch etwas davon hat, erklärt SZ-Redakteur Gunnar Saft in seiner satirischen Kolumne.

Nix arbeitsfrei, kein Unterrichtsausfall und kein Ausschlafen mitten in der Woche - der Tag der deutschen Einheit fällt diesmal auf einen Sonntag. Foto: Heinz Wieseler/dpa
Nix arbeitsfrei, kein Unterrichtsausfall und kein Ausschlafen mitten in der Woche - der Tag der deutschen Einheit fällt diesmal auf einen Sonntag. Foto: Heinz Wieseler/dpa © dpa

Jetzt wissen wir Bescheid: Dieser rücksichtslose Staat macht mit uns, was er will – kein Respekt vor nichts. So legt er doch den diesjährigen Feiertag zur deutschen Einheit ausgerechnet auf einen Sonntag. Nix mit arbeitsfrei, kein Unterrichtsausfall und kein Ausschlafen mitten in der Woche. Warum wir da die Wiedervereinigung überhaupt feiern sollen, ist mir ein Rätsel. Sicher laufen am Sonntag in der Glotze auch nur olle Wiederholungen: Trabant-Schlangen an der bayrisch-sächsischen Grenze sowie uralte Fernsehbilder, wo unmodisch angezogene Menschen aufgeregt plappern, was sie sich von ihrem Begrüßungswestgeld gekauft haben. Als inzwischen voll-asso-ziierter Bundesbürger fordere ich endlich strengere Gesetze, dass Jubiläen zur Wiedervereinigung nur werktags gefeiert werden dürfen oder der Staat sonst eine satte Entschädigung für solche versauten TV-Sonntage auszahlt. Dafür haben wir schließlich 1989 nicht zugeschaut, wie die Mauer gefallen ist. Dafür nicht.

Sauer waren diese Woche aber auch unsere Landtagsabgeordneten – auf den Ministerpräsidenten. So entschuldigte sich Michael Kretschmer zwar erstmals dafür, dass er dem steuergeflüchteten Milch-Milliardär Theo Müller Sachsens Verdienstorden in die Schweiz hinterhergeschleppt hat, fand aber, dass die Verleihung an Herrn Müller angesichts dessen Verdienste um die sächsische Blasmusik voll in Ordnung geht. Oh je, waren die Abgeordneten daraufhin stinkig – zu Recht: So sind unter den aktuellen 363 Ordensträgern nämlich erst 34 (!) sächsische Landtags- und Regierungsmitglieder. Das ist ungerecht! Und es wird noch ungerechter: Von den 363 sind 75 sogar noch Frauen – also weit mehr als die bislang ausgezeichneten Politiker. Kretschmer muss endlich mal seine Prioritäten ändern. Sonst knallt`s und es fallen noch ganz andere Mauern!

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Wie wir sehen, gibt es also am Sonntag eigentlich gar nichts zu feiern. Zu viele Volksvertreter sind so viele Jahre nach der Wende immer noch ohne eigenen Orden. Und auch Sachsens Blasmusik genießt bis heute nicht die Anerkennung, die ihr gebührt. Von den ständigen Zwangsimpfungen in diesem Land ganz zu schweigen. Wenn sich da nix ändert, feiere ich die deutsche Einheit nie, nie wieder! Außer vielleicht nächstes Jahr. Da fällt sie auf einen Montag.

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