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Erzgebirge: Kamingeschichten vom Mühlengeist

Zu Pfingsten erscheint eine Broschüre zur Seyder Herklotzmühle. Nicht nur das ist einen Ausflug dorthin wert.

Elke Zichner will mit ihren Kamingeschichten vom Mühlengeist in die Historie der Seyder Herklotzmühle eintauchen. Vereinsvorsitzender Matthias Herklotz ist begeistert.
Elke Zichner will mit ihren Kamingeschichten vom Mühlengeist in die Historie der Seyder Herklotzmühle eintauchen. Vereinsvorsitzender Matthias Herklotz ist begeistert. © Foto: Egbert Kamprath

Wenn die alten Mauern sprechen könnten. Seit über 400 Jahren dreht sich im Tal der Wilden Weißeritz das Wasserrad der Herklotzmühle bei Seyde. Vieles ist in dieser langen Zeit hier passiert und es gäbe sicher manch interessante Geschichte. Doch Überlieferungen, Texte oder Bilder gibt es kaum. Der Schleier des Vergessens legt sich über die Historie. Es ist nicht mal klar, wann genau die Herklotzmühle wirklich erbaut wurde. Nur eine erste urkundliche Erwähnung des Landvermessers Matthias Oeder von 1588 ist bekannt. Wie kam es, dass ausgerechnet hier, im dunklen Miriquidi-Wald, eine Brettmühle errichtet wurde?

Elke Zichner aus Chemnitz hat sich genau diese Fragen gestellt. Seit zwei Jahren ist die 68-Jährige, wie auch ihr Mann, Mitglied im Förderverein und hat ein kleines Büchlein über die Anfänge der historischen Sägemühle sowie deren Umgebung geschrieben. Darin erscheint der Mühlengeist, um als Geschichtenerzähler am Kamin zusammen mit dem Leser in die Vergangenheit abzutauchen.

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In kurzweiliger Form wird beschrieben, wie die Besiedlung des Weißeritztales abgelaufen sein könnte, wie sich der Bergbau entwickelte und damit der Bedarf an Grubenholz stieg. Da es an den entsprechenden Dokumenten fehlt, hat Elke Zichner bei den Darstellungen ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Sie lässt aber die geschichtlichen Abläufe der Region nicht außer Acht und verarbeitet zum Beispiel auch Ausführungen aus der Seyder Chronik des Kipsdorfers Siegfried Gerhardt.

Historischer Bogen nach Frankreich

Elke Zichner, die studierte Maschinenbauerin ist, versucht, die Anfänge zu ergründen. Die ersten Sägewerke gab es in der Normandie in der Zeit um 1204. So war es in der Vorstellung der Chemnitzerin durchaus denkbar, dass ein Wanderbursche aus Frankreich ins Weißeritztal kam und mit seinem Wissen hier die Schneidmühle errichtete. Es kann natürlich auch ganz anders gewesen sein, aber so wird Historie unterhaltsam weitergegeben, lebendiger, als auf einer Tafel mit Fakten und Jahreszahlen.

Das kleine Büchlein mit seinen knapp 90 Seiten soll bald Gesellschaft bekommen. Zichner arbeitet an einem zweiten Band über den letzten Sägemüller Bernhard Herklotz. Diese Recherche gestaltet sich allerdings einfacher, weil es dazu viele Dokumente und Fotos gibt. Die Veröffentlichung ist für nächstes Jahr geplant. Ein dritter Teil soll der Arbeit des Fördervereins gewidmet werden.

Erste Vorstellung zu Pfingsten

Die erste Vorstellung der Geschichten vom Mühlengeist gibt es am Pfingstmontag, dem 24. Mai. Dann wird das Büchlein, das auch über Internet erhältlich ist, für 5,50 Euro erstmals verkauft. Normalerweise würde zu Pfingsten an der Herklotzmühle reger Betrieb herrschen, denn seit Jahren wird hier an dem Datum der Mühlentag gefeiert. Corona hat leider schon im letzten Jahr für eine Unterbrechung gesorgt, ohne Technikvorführungen und feierndes Volk bei Blasmusik an den Biertischgarnituren. Doch ein wenig waren die Türen trotzdem geöffnet. Mit Schutzmaske und unter Abstandswahrung konnten die Besucher das historische Sägegatter und das Wasserrad mit seinen 4,20 Meter Durchmesser zumindest besichtigen. Über 300 waren gekommen.

Mit dem gleichen Konzept hofft Vereinschef Matthias Herklotz, auch in diesem Jahr am Pfingstmontag Gäste an der Herklotzmühle begrüßen zu können. Von 10 bis 17 Uhr kann die Technik angeschaut werden. Auch eine Versorgung mit Speisen und Getränken soll es im Außerhausverkauf geben. Platz für den Außerhausverzehr ist auf dem weitläufigen Gelände für Ausflügler reichlich vorhanden. Auch Covid-19-Tests werden bei Bedarf angeboten.

Sägewerke wieder gefragt

Noch immer ist das Sägegatter von 1942 voll funktionsfähig und kann Stämme von rund 50 Zentimetern Durchmesser zu Brettern verarbeiten. Angesichts der angespannten Kapazitäten in den wenigen noch in Betrieb befindlichen Sägewerken haben deshalb schon einige Interessenten nachgefragt, ob das technische Denkmal auch für Auftragsarbeiten zur Verfügung steht.

Für Matthias Herklotz wäre es an sich eine einfache Sache, die Säge anzuwerfen, doch er muss die Anfragenden enttäuschen. Die Gemeinnützigkeit des Fördervereins verbietet einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Nur unter dieser Bedingung sind rund 500.000 Euro Fördermittel bereits in den Erhalt des Denkmals geflossen. Die ehrenamtlichen Sägemüller dürfen nur Bretter und Balken für den Eigenbedarf fertigen. Deshalb ist der Verein weiter auf Spenden und Eintrittsgelder angewiesen.

Wenn alles gut geht, wird am 12. September der offizielle Mühlentag deutschlandweit ohne Beschränkungen nachgefeiert.

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