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Das Osterzgebirge im Ganzen

Schon mal als Weihnachtsgeschenk vormerken: Die Region hat von Gerd-Rainer Riedel und Horst Feiler endlich eine lesenswerte Beschreibung erhalten.

Die Evangelische Kirche in Zinnwald in dem Buch "Streifzüge durch das Osterzgebirge", fotografiert von Horst Feiler
Die Evangelische Kirche in Zinnwald in dem Buch "Streifzüge durch das Osterzgebirge", fotografiert von Horst Feiler © SaxVerlag

Altenberg, Zinnwald, Dippoldiswalde und Glashütte haben viele schöne Seiten, aber eins haben sie nicht: Ein Buch, dass die Natur und Kultur der Region anschaulich zusammenfasst. Denn obwohl die Fülle der Wanderkarten und -führer zum Osterzgebirge davon zeugt, wie sehr es sich lohnt, sich die Gegend genauer anzuschauen, ist es erstaunlich leer im Heimatkunde-Regal: ein paar Reiseführer fürs ganze Erzgebirge, ein paar Heftchen zu Spezialthemen - fundierte Überblickswerke fehlten. Bisher.

Wenn der Autor Gerd-Rainer Riedel erzählt, wie seine "Streifzüge durch das Osterzgebirge" entstanden sind, wird klar, warum das so ist: 350 Seiten mit den geologischen, geografischen, historischen und heutigen Entwicklungen zwischen Dippoldiswalde und Freiberg, Marienberg und Seiffen, Teplice, Altenberg und Glashütte zu füllen - das ist aufwendige, kontinuierliche, wegen der Fotoerlaubnis-Fragen bisweilen auch bürokratische Arbeit. Allein Riedels Literaturverzeichnis hat über 80 Einträge: "Doch die Literatur habe ich mir bequem in die Anna Amalia Bibliothek in Weimar kommen lassen", sagt der pensionierte Geologe aus Erfurt. 

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Beste Zeit für ein Buch

Dann fuhr er selbst los: Orte erkunden, die besten Stellen für Fotos notieren. Schließlich ist sein Fotograf Horst Feiler 81 Jahre alt, ihm wollte er so wenige Fahrten wie möglich zumuten. Allerdings: Gerd-Rainer Riedel ist selbst auch schon 78. Doch über sein Buchprojekt Osterzgebirge sagt er: "Jetzt war genau die richtige Zeit." Endlich würden die Bergstädte wieder strahlen, er konnte sich frei nach Tschechien bewegen und nicht zuletzt hat er jetzt die Zeit dafür. 

"Ich habe mich oft in Altenberg einquartiert und mir von dort aus die Gegend erschlossen", sagt er. Am meisten überraschte ihn die Rýzmburk in Osek: "Das dürfte die größte Burg des Erzgebirges sein." Sein Urteil kommt aus berufenem Mund - seine "Streifzüge durch das Osterzgebirge" sind der letzte Teil einer ganzen Reihe. Den Anfang machen die "Vogtland-Impressionen", 2016 kamen die "Streifzüge durch das Westerzgebirge" dazu.   

Alles kommt vom Bergbau her - dieser alte Merksatz erklärt viele Eigenheiten der Landschaft des Erzgebirges mitsamt der Menschen darin, ihrer Häuser, ihrer Traditionen, ihrer Findigkeit und auch Sturheit. Riedel selbst kommt aus dem Vogtland, studierte an der Freiberger Bergakademie Geodäsie. Nach einigen Jahren in der Erdölförderung verschlug es ihn ans Naturkundemuseum in Erfurt, dass er bis 2007 leitete. "Als dann Schluss war", sagt er und meint seine Pensionierung, "kam Horst Feiler auf mich zu und meinte, irgendwas müssen wir noch machen." Riedel war klar: etwas über den Bergbau sollte es sein.  

Von der Landschaft zur Kultur

Gerd-Rainer Riedel (Autor) und Horst Feiler (Fotos):  "Streifzüge durch das Osterzgebirge." Erschienen im Sax Verlag, 352 Seiten mit 574 Fotografien, 29, 80 Euro
Gerd-Rainer Riedel (Autor) und Horst Feiler (Fotos):  "Streifzüge durch das Osterzgebirge." Erschienen im Sax Verlag, 352 Seiten mit 574 Fotografien, 29, 80 Euro © Bildstelle
Zwei Innenseiten zu Zinnwald.
Zwei Innenseiten zu Zinnwald. © Bildstelle

"Berge und ihre Aussichten" heißt dann auch gleich das erste Kapitel. Wenn es dort um den Geisingberg geht, geht es auch gleich in die Tiefe. Die Basalt-Steinbruchwand spielt ebenso eine Rolle wie die Geschichte der Hüttenteiche auf dem Weg zur Kohlhaukuppe. "1755 bis 1757 für die Erzwäsche und zum Antrieb von Pochwerken angelegt", notiert Riedel zu den Fotografien Feilers, die wohltuend das "richtige" Erzgebirge dokumentieren: Eben nicht nur im strahlenden Sonnenschein, sondern oft mit dem sehr viel typischeren verhangenen Himmel. 

Und doch genau das deutlich machen, was Riedel im Text geologisch-geografisch erläutert: Die Vegetation des Hochmoors, die Glaspromenade in Teplice, Karl Stülpners Kappe im Bergmagazin Marienberg. Von der Landschaft über den Bergbau zu den Bergstädten, die davon reich wurden, führen die Kapitel stringent weiter zu Burgen, Schlössern und ihren Museen, zu technischen Denkmälern, Kirchen und Klöstern und schließlich zu den Mineralien des Osterzgebirges. 

Es ist ein Grundlagenwerk geworden, das durch klare Anordnung von Bild und Text, ein übersichtliches Wissensangebot und dazu passenden Fotografien schnell die Verbindung von Natur zu Kultur ziehen lässt und den Schlüssel zur Geschichte dieser Region liefert. Dem Leipziger SaxVerlag ist es zu danken, dass er das Wagnis auf sich nimmt, mit Glanzpapierqualität und fester Bindung aufzuwarten, die das Buch in seiner Inhaltsdichte braucht.

Nur das fehlende Ortsregister macht die Handhabung manchmal schwierig - dafür wird um so mehr geblättert. Kurz: hier ist ein wohl sehr dankbares Weihnachtsgeschenk für jeden Osterzgebirgler entstanden.

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