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Corona: Deutlich mehr Radfahrer in Sachsen

Der Fahrrad-Monitor für den Freistaat zeigt, dass die Pandemie mehr Menschen aufs Rad gebracht hat. Doch vom ADFC kommt auch Kritik.

In Dresden demonstrierten im Mai 2020 Fahrradfahrer für mehr Schutz der Radfahrer sowie für den Ausbau des Radwegenetzes. Nun stellt der ADFC Sachsen die Bilanz der Zahlen für 2020 vor.
In Dresden demonstrierten im Mai 2020 Fahrradfahrer für mehr Schutz der Radfahrer sowie für den Ausbau des Radwegenetzes. Nun stellt der ADFC Sachsen die Bilanz der Zahlen für 2020 vor. © Archiv/Christian Juppe

Dresden. Während der Corona-Krise sind im Freistaat mehr Sachsen aufs Fahrrad umgestiegen. Das zeigt der Fahrrad-Monitor des Bundesministeriums für Verkehr, der am Dienstag vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen für die Landesebene vorgestellt wurde. Demnach nutzten vor allem mehr Menschen in der Landeshauptstadt das Rad. Auf Fahrten mit dem öffentlichen Personennahverkehr hingegen wurde verzichtet.

Im deutschlandweiten Vergleich zeigt die repräsentative Bevölkerungsumfrage, die alle zwei Jahre durch das Bundesverkehrsministerium durchgeführt wird, dass 25 Prozent der Befragten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum häufiger Fahrrad fahren. Hintergrund sei jedoch nicht nur das steigende Umweltbewusstsein, sondern vor allem die Corona-Verordnungen, so ADFC Sachsen-Geschäftsführer Konrad Krause.

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41 Prozent fahren nach den Ergebnissen der Umfrage häufiger Fahrrad, um sich fit zu halten. Weitere 33 Prozent sagen, dass eine Fahrt mit dem Fahrrad es ermöglicht, der häuslichen Enge zu entkommen. „Das ist ein deutliches Signal, das wir aus der Pandemie mitnehmen“, sagt Krause. „Das zeigt: Das Fahrrad ist ein Krisengewinner.“

Fahrrad-Umsatz in Sachsen stark gestiegen

Deutlich zugenommen hat beispielsweise der Radverkehr auf den Elberadwegen in Dresden. Nach Auszählung der Messstellen in Höhe der Waldschlösschenbrücke sei der Verkehr nach Angaben des ADFC rechtsseitig der Elbe um knapp 71 Prozent gestiegen. Auch auf der linken Seite des Flusses stieg die Zahl der Radfahrer um knapp 13 Prozent. „Das sind im Zeitraum zwischen Januar und September 2020 etwa 275.000 Fahrten mehr als noch 2019“, sagt Konrad Krause. Ähnlich sehen die Ergebnisse für Chemnitz und Leipzig aus.

Ausschlaggebend für die Erhöhung der Zahlen in der Landeshauptstadt sind dem Geschäftsführer zufolge auch die Corona-Beschränkungen, die touristische mehrtägige Urlaube untersagt hatten. „Hotels und Gaststätten hatten geschlossen. Deshalb sind auch viele aufs Rad umgestiegen. Der Fahrradtourismus im Freistaat ist leicht angestiegen“, erklärt Krause. „Doch auch weiterhin liegt Sachsen im Moment in der Reihe der Schlusslichter.“

Symbolbild: Fahrradfahren ist beliebter denn je. Die Anzahl von verkauften Fahrrädern ist nach Angaben des Fahrradclubs um 134 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
Symbolbild: Fahrradfahren ist beliebter denn je. Die Anzahl von verkauften Fahrrädern ist nach Angaben des Fahrradclubs um 134 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. ©  Rafael Sampedro

Insgesamt ist der Fahrradverband in diesem Jahr sehr zufrieden, auch trotz der Corona-Pandemie. Nicht zuletzt, weil der Umsatz in der sächsischen Fahrradbrache deutlich angestiegen ist. Die Anzahl von verkauften Fahrrädern ist nach Angaben des Fahrradclubs um 134 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das sei ein Umsatzanstieg von 166 Prozent, so Krause.

„Wir sind besser davongekommen als andere Branchen während der Pandemie. Und wir erwarten für November und Dezember nochmals erhöhte Zahlen im Radverkehr, da Corona noch nicht vorbei ist und der Winter mild bleibt.“

Planungsprozesse deutlich zu langwierig

Doch auch trotz der gestiegen Zahlen habe die Sicherheit sächsischer Radfahrer nicht sonderlich zugenommen, wie Rolf Leonhardt, stellvertretender Geschäftsführer des ADFC Sachsen, zu bedenken gibt. Viele Straßen im Freistaat sind für den Fahrradverkehr nicht vorbereitet. Rolf Leonhardt zufolge liege der Ausbau des Radwege-Netzes derzeit bei 15 bis 20 Kilometer pro Jahr.

Geplant sind nach dem letzten Radwegekonzept des Freistaats im Jahr 2014 rund 45 Kilometer pro Jahr. „In Sachsen dauert der Planungsprozess für einen Fahrradweg teilweise 15 bis 20 Jahre. Das ist eindeutig zu lang!“ 540 Kilometer Radwege sollen bis 2025 entlang der Bundes- und Staatsstraßen in Sachsen entstehen. Dazu müssten pro Jahr 80 Kilometer gebaut werden, rechnet Leonhardt aus.

Der Verband fordert deshalb für Sachsen ab 2021 mindestens 80 Kilometer Radwege-Ausbau pro Jahr. Hierzu benötige der Freistaat mindestens 24 Millionen Euro. Mit Geld von EU und Bund sei das auch machbar, versichert Leonhardt. Hier lasse sich Sachsen derzeit viel Geld entgehen.

Symbolbild: 540 Kilometer Radwege sollen bis 2025 entlang der Bundes- und Staatsstraßen in Sachsen entstehen. Dazu müssten pro Jahr 80 Kilometer gebaut werden, so der ADFC Sachsen. In diesem Jahr sind es 19 Kilometer.
Symbolbild: 540 Kilometer Radwege sollen bis 2025 entlang der Bundes- und Staatsstraßen in Sachsen entstehen. Dazu müssten pro Jahr 80 Kilometer gebaut werden, so der ADFC Sachsen. In diesem Jahr sind es 19 Kilometer. © Archiv/Norbert Millauer

Aktuell investiert das Verkehrsministerium unter Martin Dulig (SPD) knapp sechseinhalb Millionen Euro in Fahrradwege. Davon sind nach Angaben des Ministeriums zweieinhalb Millionen Euro Fördermittel des Bundes. Doch die Finanztöpfe werden nach Auffassung von Rolf Leonhardt noch nicht ausreichend ausgeschöpft. „Es fehlt einfach an Planungspersonal, vor allem in den Landesämtern für Straße und Verkehr“, sagt er.

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