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"Faust des Ostens": Urteil nach fast acht Jahren

Sie attackierten Fußballfans, Polizisten und Ausländer: Die Hooligan-Gruppe gibt es nicht mehr - Jahre nach den Taten sind aber drei ihrer Mitglieder verurteilt worden.

Der Prozess gegen drei Anführer der Dresdner Hooligan-Gruppe "Faust des Ostens" dauerte gerade einmal eineinhalb Monate.
Der Prozess gegen drei Anführer der Dresdner Hooligan-Gruppe "Faust des Ostens" dauerte gerade einmal eineinhalb Monate. ©  Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Drei führende Mitglieder der Dresdner Hooligan-Gruppierung "Faust des Ostens" (FdO) sind nun verurteilt: Die Staatsschutzkammer des Landgerichts Dresden sprach die Männer am Dienstag wegen mitgliedschaftlicher Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung schuldig. Gegen einen 37-Jährigen verhängte das Gericht eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung. Die beiden 31-jährigen Angeklagten, die zur Tatzeit überwiegend Heranwachsende waren, wurden nach Jugendstrafrecht zur Zahlung einer Geldauflage von je 1.500 Euro für soziale Zwecke verurteilt.

Joachim Kubista, der Vorsitzende Richter der Staatsschutzkammer, sparte nicht mit Kritik an der Justiz: „Dass die Kammer erst heute ein Urteil verkündet, ist wahrlich kein Ruhmesblatt“, sagte er. Es habe nicht an den Angeklagten gelegen, dass ihr Prozess erst jetzt, knapp acht Jahre nach Erhebung der Anklage, stattgefunden hat. Die Ursache dafür liege vielmehr in der Überlastung der Gerichte und am wachsenden Umfang von Verfahren. Hinzu komme, dass Verfahren mit inhaftierten Angeklagten, bevorzugt verhandelt werden müssten. Laut Kubista sei die Überlastung ein deutschlandweites Problem. Besonders schlimm sei es jedoch, wenn Staatsschutzkammern unterbesetzt seien.

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Anklage im Juli 2013

Bereits im Juli 2013 hatte die Staatsanwaltschaft Dresden fünf führende Köpfe der „Faust des Ostens“ angeklagt. Die Hooligan-Gruppe, die sich zur Anhängerschaft Dynamo Dresdens zählte, hatte ab Anfang 2010 Angst und Schrecken verbreitet. Zum harten Kern zählten bis zu 15 Mann, die FdO habe jedoch mehr als 200 Anhänger mobilisieren können. Dutzende Taten gingen auf das Konto der Gruppe. Die Mitglieder einte ihre Gewaltbereitschaft sowie ihre weitgehend rechtsextreme und ausländerfeindliche Gesinnung, sagte Kubista.

Nachdem die Verfahren gegen zwei zur Tatzeit Heranwachsende eingestellt wurden, begann die Hauptverhandlung Ende März 2021 nur noch gegen die drei verbliebenen Männer (31, 31, 37). Sie gehörten nach Überzeugung des Gerichts zu den Anführern der FdO. Die beiden Jüngeren wurden auch wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Sie hatten sich an einer geplanten Auseinandersetzung der FdO mit Ausländern am 16. April 2011 vor zwei Diskotheken im Industriegelände beteiligt, bei der mehrere Menschen verletzt worden waren.

Felix K. (31), der die FdO Anfang 2010 gegründet habe, hat darüber hinaus bei Alkohol-Diebstählen aus Kaufland-Filialen mitgewirkt. So erbeuteten er und drei Komplizen etwa 30 Flaschen Champagner, Likör und Vodka im Wert von 956 Euro aus einem Markt in Zwickau im März 2012. Mit den Diebstählen seien Fahrten zu Auswärtsspielen finanziert worden, sagte Kubista. K. wurde daher auch wegen schweren Bandendiebstahls schuldig gesprochen.

Teils beschönigende Aussagen

Alle drei Angeklagte haben umfassende Geständnisse abgelegt, sagte Kubista. Allerdings hätten sie ihre Taten manchmal auch "geschönt dargestellt". Sie behaupteten etwa, sie hätten sich radikalisiert, weil die Polizei sie schlecht behandelt habe. Das wollte der Vorsitzende so nicht stehen lassen: „Ich erwarte, dass die Polizei einschreitet, wenn Gewalt droht.“

Nachdem die Polizei Mitte 2012 mit großangelegten Durchsuchungen und der Sicherstellung von Alkohol, Waffen, Kleidung, Handys und dergleichen dem Treiben der kriminellen Vereinigung ein Ende gesetzt hatte, seien die Angeklagten nicht weiter strafrechtlich aufgefallen. Inzwischen sind sie normal arbeitende Familienväter, die sich von der gewaltbereiten Hooliganszene losgesagt hätten. "Wir hoffen, dass sie aus der Vergangenheit gelernt haben", sagte Kubista.

Eine Freiheitsstrafe, selbst auf Bewährung, sei nach einer so langen Zeit mit der Anwendung des Jugendstrafrechts nicht vereinbar, sagte der Vorsitzende. Die Staatsschutzkammer gab den beiden 31-Jährigen die Auflage, jeweils 500 Euro an den Verein vor soziale Rechtspflege, an ein Jugendhaus der Diakonie Dresden und an den Verein "Dresden - Place to be!" zu zahlen, der sich um die Integration von Neu-Dresdnern einsetzt, wo auch immer sie herkommen. Darüber hinaus müssen die Angeklagten die Kosten ihres Verfahrens tragen, das kommt bei Anwendung des Jugendstrafrechts eher selten vor.

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Der 37-Jährige, der die FdO auch einige Monate angeführt hatte, wurde von einem weiteren Vorwurf freigesprochen. So sei nicht mehr nachzuweisen, wer an einer Auseinandersetzung an Himmelfahrt 2012 am Dresdner Hauptbahnhof wen wie geschlagen hatte. Alle Beteiligte seien alkoholisiert gewesen, dass sich die Tat wohl schon 2014 kaum hätte nachweisen lassen, so Kubista. Von der siebenmonatigen Bewährungsstrafe, die der 37-Jährige erhielt, sieht das Gericht fünf als vollstreckt an. Ein Teil der 2013 angeklagten Taten war bereits verjährt, andere Vorwürfe konnten nicht mehr nachgewiesen werden.

Kubista sagte, die FdO habe Dynamo Dresden in Verruf gebracht und dazu beigetragen, dass viele nicht mehr ins Stadion gegangen seien.

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