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Dresden wird Zentrum für gedruckte Medizintechnik

Die Fraunhofer-Gesellschaft gründet ihr erstes internationales Leistungszentrum gemeinsam mit der Uni Breslau. Dabei geht es nicht nur um Forschung für Firmen.

Wissenschaftler in
Deutschland und Polen
erforschen in einem von
zwei internationalen
Fraunhofer-Leistungszentren
neue Technologien für den
Einsatz von 3-D-Druckverfahren
in der
Medizintechnik.
Wissenschaftler in Deutschland und Polen erforschen in einem von zwei internationalen Fraunhofer-Leistungszentren neue Technologien für den Einsatz von 3-D-Druckverfahren in der Medizintechnik. © ronaldbonss.com

Dresden/Breslau. Das neue Gebiss, gedruckt in 3-D. Das Hüftgelenk mit integrierter Elektronik, den Entzündungs- und Belastungssensoren, wird ebenfalls gedruckt. Ein Teil der Schädeldecke ist durch eine OP beschädigt, der 3-D-Scanner erfasst die fehlende Stelle und auch sie wird gedruckt. – Das sind erste Projekte einer neuen internationalen Forschungseinrichtung.

In Dresden wird ein Zentrum für 3-D-Druck in Medizin und Medizintechnik aufgebaut. Die Fraunhofer-Gesellschaft als eine der großen bundesweiten Forschungsorganisationen hat gemeinsam mit der Technischen Universität Breslau ein sogenanntes Leistungszentrum gegründet.

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Dieses Zentrum für „Additive Technologien für Medizin und Gesundheit“ (Atem) ist die erste Institution dieser Art. Rund zwei Millionen Euro stellt die Fraunhofer-Zentrale dafür jährlich zur Verfügung. Polen finanziert ebenfalls mit und beteiligt sich gleichviel am Personal. Von derzeit 15 Mitarbeitern soll dieses Zentrum zeitnah auf 40 bis 50 wachsen. Das sagte IWS-Institutsdirektor Professor Christoph Leyens der SZ.

Geleitet wird Atem vom Dresdner Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS). Das IWS ist Spezialist für den 3-D-Druck, die TU Breslau ist stark bei der Digitalisierung und Bildverarbeitung. Zudem ist das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) mit seinen drei Standorten in Chemnitz, Dresden und Zittau beteiligt.

Das alles zusammen soll der Industrie neuartige Medizinprodukte und Technologien zur Verfügung stellen, sagt Leyens. Es gehe um Ausgründungen, Lizenzen und Auftragsforschung vor allem für kleine und mittelständische Betriebe in Deutschland und in Polen. Es gehe um Implantate und Prothesen, die patientengenau individuell gefertigt werden können. Und um Medizintechnik.

Das Logo des neuen Zentrums Atem wird hier soeben in 3-D gedruckt. Die Langzeitbelichtung zeigt das Aufschmelzen des Materials.
Das Logo des neuen Zentrums Atem wird hier soeben in 3-D gedruckt. Die Langzeitbelichtung zeigt das Aufschmelzen des Materials. © Christoph Wilsnack/Fraunhofer IWS

Gedruckter Chip als Mikro-Labor

Lab-on-Chip, ein Mikrolabor wird gedruckt mit Mikro-Pumpen und Leitungen weniger als einen Millimeter im Durchmesser. Und mit viel Sensorik natürlich. Blut und menschliche Zellen zusammen mit Medikamenten könnten so auf Wirkungen untersucht werden, berichtet Leyens. Dies würde Tierversuche ersetzen und könnte auch vor einer Chemotherapie bestimmen, welcher Medikamentencocktail ganz individuell schließlich am besten gegen die Krebszellen wirkt. Weil es bei Atem um Medizintechnik geht, sind auch die medizinischen Fakultäten aus Dresden und Breslau mit dabei.

Die Idee und der Vorschlag für das internationale Zentrum in Dresden kam vom Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft, Professor Reimund Neugebauer, selbst. Gerade mal anderthalb Jahre ist das her. Neugebauer, einst Chemnitzer und Dresdner Institutsleiter, ist sicher noch der Region verbunden, doch da ist mehr an Gründen. „In der Kooperation mit Polen bauen wir dabei auf langjährigen Kooperationen der Fraunhofer-Institute IWS und IWU mit polnischen Partnern auf“, sagt er dazu der SZ. „Die thematische und regionale Vernetzung bildet wie bei den deutschen Leistungszentren die Basis für inhaltliche Kooperation und den Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft.“

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Seit 2015 hat Fraunhofer 16 solche nationalen Leistungszentren geschaffen. Allein in den ersten drei Jahren gab es daraus schon 27 Firmengründungen und 300 Forschungsprojekte mit kleinen und mittleren Unternehmen, berichtet Neugebauer. „Das erfolgreiche Modell wird nun im Sinne der internationalen Zusammenarbeit und der Intensivierung der Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft mit exzellenten Partnern, zum gegenseitigen Nutzen auch über die Grenzen Deutschlands hinweg ausgedehnt.“

Dresden-Breslau ist das Pilotprojekt, ergänzt Christoph Leyens. Es gibt ein weiteres in Chemnitz vom IWU mit der Universität Liberec. Und noch zwei weitere sind dann für die kommenden Jahre zumindest schon mal geplant.

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