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Gemeinschaftsgärten in Sachsen sind im Kommen

Mit dem Frühling zieht in viele Kleingärten Leben ein. Eine Besonderheit sind Gemeinschaftsgärten, die oft auf Brachflächen mitten in Sachsens Städten zu finden sind.

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Sebastian Kaiser, Mitglied des Gemeinschaftsgartens Wurzelwerk Pieschen, läuft mit Gartengeräten durch die Anlage.
Sebastian Kaiser, Mitglied des Gemeinschaftsgartens Wurzelwerk Pieschen, läuft mit Gartengeräten durch die Anlage. ©  Robert Michael/dpa

Gemeinsam gärtnern und feiern: Gemeinschaftsgärten sind in den großen Städten in Sachsen immer mehr im Kommen. Sie werden von den Kommunen vor allem durch die Bereitstellung von Flächen unterstützt, wie ein Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Die Gemeinschaftsgärten hätten sich in den vergangenen zehn Jahren in fast dem gesamte Stadtgebiet ausgebreitet, hieß es in Dresden. Bewirtschaftet werden dafür brach liegende Randflächen, Baulücken, Stadtplätze oder auch Grünanlagen.

Gemeinschaftsgärten sind in der Regel soziale Treffpunkte und verfolgen neben der Gärtnerei oft auch bestimmte kulturelle, soziale, ökologische, politische oder auch therapeutische Ideen.

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Der Annengarten im Dresdner Stadtteil Löbtau etwa war einst die Friedhofsgärtnerei des Neuen Annenfriedhofs und wurde 2019 in einen Gemeinschaftsgarten verwandelt. Der Kleine Garten Strehlen am Kaitzbach war bis 2014 eine brachliegende Wiese, heute treffen sich hier Jung und Alt aus dem Stadtteil, um gemeinsam zu pflanzen.

33 urbane Garten-Projekte in Dresden

Nahe der Waldschlösschenbrücke soll auf einer städtischen Fläche ein Informationsgarten entstehen. Bei den Internationalen Gärten in der Dresdner Johannstadt geht es vor allem um die Begegnung mit Migranten. Im Wurzelwerk Pieschen können sich die Hobbygärtner auch handwerklich ausleben: In Handarbeit werden gemeinsam Sitzecke, Sommerküche, Werkzeugunterstand, Komposttoilette oder Insektenhotel gefertigt.

In Dresden sind der Stadt 33 urbane Garten-Projekte bekannt. Davon sind 29 Gemeinschaftsgärten - gemeinschaftlich genutzte Flächen mit Bodenbeeten oder Hochbeeten - sowie vier Stadtäcker. 16 der Projekte befinden sich auf städtischem Grund. Eine vollständige Übersicht dieser Projekte gebe es jedoch nicht, hieß es. Denn viele von ihnen lägen auf privaten Flächen oder seien eine Übergangsnutzung.

Laut Stadt soll es in jedem Stadtbezirk mindestens einen Gemeinschaftsgarten geben. Und wann immer Gruppen Interesse für einen Garten signalisierten, wolle die Stadt nach Möglichkeit mit kommunalen Flächen helfen, hieß es. Die Initiativen würden auch gärtnerisch unterstützt - etwa im Frühjahr bei Bedarf mit Kompost oder auch bei der Beschaffung von Wasser.

"Die Zusammenarbeit mit der Stadt läuft gut", lobte Sebastian Kaiser vom Verein Ufer-Projekte, unter dessen Dach acht Gemeinschaftsgärten mit zusammen rund 200 Freizeitgärtnern arbeiten. Jetzt sei noch nicht viel los, sagte er. Es werde die neue Saison geplant, die neuen Pflanzungen im Garten, die Veranstaltungen und Feiern. Doch etwa ab Ostern komme das Leben in den Gärten richtig in Schwung.

Auch Gemeinschaftserlebnis ist wichtig

Denn neben dem Gärtnern ist es vor allem das Gemeinschaftserlebnis, das den Reiz der urbanen Gärtnerei ausmacht, der gemeinsame Grillabend mit Gemüse aus dem eigenen Garten. So ein Garten könne Menschen zusammenbringen, sagte Kaiser. "Über eine Erdbeere oder Tomate können die Menschen fachsimpeln unabhängig von Alter, politischen Überzeugungen oder sozialem Status."

Nach einem kleinen Tief in den vergangenen Jahren hat Kaiser jetzt den Eindruck, dass das Interesse wieder zunehme. Womöglich sei die Corona-Pandemie eine Ursache. "Die Leute wollen raus." In manchen Gärten dominierten die Älteren, in anderen mehr die Jüngeren - je nach Wohngebiet. Es kämen Familien mit Kindern und Mittvierziger, die noch einmal etwas Anderes versuchen wollten.

Im Chemnitzer Stadtteil Sonnenberg wird gerade ein neuer Gemeinschaftsgarten gegründet. 2019 waren bei einem Workshop des Umweltzentrums etwa zehn Initiativen gezählt worden. Die Stadt geht davon aus, dass deren Zahl weiter zugenommen habe. Gemeinschaftsgärten seien wichtig, hieß es. Denn sie stärkten den sozialen Zusammenhalt und die Bindung der Bewohnerinnen und Bewohner an ihre Quartiere, werteten deren Umfeld auf und förderten den Kontakt zwischen den Generationen. In urbanen bebauten Gebieten nehme die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren zu.

Oliver Treydel vom Knappteichgarten im Chemnitzer Yorkgebiet ist zudem der Bildungsgedanke wichtig. Deshalb arbeiten die Akteure des Gartens mit der Volkshochschule zusammen: Es gibt Kurse zum Hochbeetbau, Permakultur und Radtouren zu verschiedenen urbanen Gemeinschaftsprojekten. In der neuen Saison soll im Knappteichgarten unter anderem mit Kartoffeltürmen experimentiert werden. Denn die Kartoffel verbraucht viel Fläche. Experimentiert werde auch mit alten Pflanzensorten sowie mit dem Mix verschiedener Gemüsesorten bei Anbau.

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Der Knappteichgarten liegt auf einem ungenutzten Abschnitt an einem Weg vor einer Kleingartenanlage, direkt an einem Ententeich mitten in einem Plattenbaugebiet. Treydel glaubt, dass zumeist Jüngere und mittlere Jahrgänge für Gemeinschaftsgärten offen seien. "Die Älteren wollen vermutlich aus Gewohnheit mehr auf der eigenen Scholle wirtschaften." Und auch beim Knappteichgarten steht die Geselligkeit, der gemeinsame Grillabend, hoch im Kurs. (dpa)

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