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Dresdner Start-up entwickelt das Büro für unterwegs

Sächsische.de stellt Erfindungen aus Sachsen vor, die unser Leben verbessern. Heute: Die Dresdner Unternehmensgründung Workhut denkt mit seinem mobilen Büro die Arbeit neu.

Von Ines Mallek-Klein
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Julius Schellmann und Lasse Grimm haben das Büro to go entwickelt.
Julius Schellmann und Lasse Grimm haben das Büro to go entwickelt. © Claudia Hübschmann

Meißen. Es kommt recht unscheinbar daher, das weiße Workhut, das auf seinem Trailer in Richtung Elbufer rollt. Es sieht aus wie ein zu klein geratenes Wohnmobil. Das ist Absicht, sagt Julius Schellmann. Er ist bei dem Dresdner Start-up Workhut für das Marketing zuständig und erklärt, warum bei dem mobilen Büro weniger mehr ist.

Die Elbe zieht gemächlich dahin, während Lasse Grimm den knapp eine Tonne schweren Anhänger vom Auto abkoppelt. Das Wichtigste ist jetzt die Handbremse, denn das Gelände ist zum Wasser hin leicht abschüssig. Drei Räder sorgen für verlässlichen Stand. Um den Trailer gerade zu justieren, gibt es noch zwei Füße im Heckbereich, die sich herauskurbeln lassen. Ist das außergewöhnliche Gefährt erst einmal fixiert, öffnet sich die Tür.

Wie ein kleines Gartenhäuschen - nur auf drei Rädern

Diese Tür führt in einen Raum mit bequemem dunkelbraunen Bürostuhl, einem schwarzen Schreibtisch und einer wiesengrünen Sitzbank. An den Wänden sorgt Fleece für Schallschutz und Temperaturoptimierung. Einziger wahrer Luxus ist eine große Panoramascheibe an der Rückwand, die an diesem Tag den Blick über die Elbe direkt zur Meißner Burg freigibt. Sie sollte noch größer sein, musste aber mit Blick auf das Gesamtgewicht geschrumpft werden. „Es ist einer der Kompromisse, die wir bei der Entwicklung des Workhut eingehen mussten“, sagt Julius Schellmann. Er ist der Ideengeber für das Projekt und hat in Ronny Krönert sowie Lasse Grimm zwei Mitgründer gefunden. Der eine kümmert sich um die Finanzen, der andere um das Design.

Eine große Panoramascheibe befindet sich im Heck des Workhut.
Eine große Panoramascheibe befindet sich im Heck des Workhut. © Claudia Hübschmann

Das Workhut ist, wenn man so will, ein Produkt der Pandemie. „Ich war im Homeoffice, wie so viele“, erinnert sich Julius Schellmann, „mit Familie und Kindern. Nicht nur bei Videokonferenzen habe ich mir mehr als einmal einen Rückzugsort gewünscht, um konzentriert arbeiten zu können“. Es entstand die Idee zu einem Bürocontainer, der anders ist als ein Gartenhäuschen, weil flexibler. Also bekam es zwei Räder und ein Fahrwerk.

Kältetest in der Sächsischen Schweiz

Das Workhut wird es nirgends zu kaufen geben. Das Geschäftsmodell der drei Firmengründer sieht nur die Vermietung vor – und zwar stundenweise. Es gibt verschiedene Pakete, mit Kosten ab zehn Euro pro Stunde müsse man rechnen. Das mobile Büro verfügt übrigens nicht über eine eigene Stromversorgung. Es braucht für Licht und Klimaanlage beziehungsweise Heizung einen Anschluss und auch Toiletten in der Nähe.

„Uns ist wichtig, dass wir die Standorte als Partner einbinden“, so Julius Schellmann. Optional seien Flächen von Hotels, Gasthöfen oder Campingplätzen. Für den Stellplatz reicht eine Fläche von sechs mal vier Metern. Besonders romantisch wäre ein Standort mitten im Weinberg. Auch dort soll das Workhut dann jeweils für einige Wochen stehen und vermietet werden.

Die Gründer Ronny Krönert und Lass Grimm in ihrem mobilen Büro.
Die Gründer Ronny Krönert und Lass Grimm in ihrem mobilen Büro. © Claudia Hübschmann

Erste Testregion ist im Herbst die Sächsische Schweiz. Es wird zugleich ein Kältetest für das mobile Büro, das vom Karosseriebauer Klaus Schulz in Dürrröhrsdorf-Dittersbach gebaut wurde. Bisher gibt es bislang nur den Prototypen, und an dem arbeiten die drei Firmengründer noch. Das Konzept ist naturnah. Die Decke soll noch mit Birkenholz verziert werden und auch das Tablet neben dem Schreibtisch fehlt noch, mit dem sich Lüftungsanlage und Licht steuern lassen.

Außerdem wird es eine Garderobe geben und einen LTE-Router, der für verlässliche Verbindung ins weltweite Netz sorgt. Auf einem Whiteboard können Ideen skizziert oder präsentiert werden und ein Raummikrofon wird dafür sorgen, dass man sich bei Telefonaten und Videoschalten im mobilen Büro frei bewegen kann.

Das mobile Büro verfügt übrigens nicht über eine eigene Stromversorgung. Es braucht für Licht und Klimaanlage beziehungsweise Heizung einen Anschluss und auch Toiletten in der Nähe.
Das mobile Büro verfügt übrigens nicht über eine eigene Stromversorgung. Es braucht für Licht und Klimaanlage beziehungsweise Heizung einen Anschluss und auch Toiletten in der Nähe. © Claudia Hübschmann

Die unmittelbare Herausforderung für die Gründer ist aber zunächst das Zugangssystem. Noch dient ein simpler Schlüssel zur Türöffnung. „Wir arbeiten aber an einer digitalen Lösung“, so Ronny Krönert. Wie bei anderen Sharing-Angeboten bekommt der Kunde bei der Buchung des Workhut einen Code übermittelt. Dieser kann dann eingegeben werden, um die Tür zu öffnen.

Kleinserie soll nächstes Jahr kommen

2023, so der Plan, soll das Workhut in Kleinserie gehen. Alle mobilen Büros werden gleich aussehen und sollen ihre Standorte vor allem in und um Ballungsräume beziehen – dort, wo Büromieten hoch sind und ein attraktives Umland lockt. „Selbstständige und auch Firmen können bei uns Zeitkontingente buchen und so Abwechslung im Arbeitsalltag“, so Ronny Krönert. Ein neues Umfeld, das im Idealfall auch neue Ideen mit sich bringt, wie unter dem Firmenlogo am Heck des Workhut zu lesen ist: „new places – new ideas“.

Die kommenden Monate wollen die Firmengründer nutzen, um Standorte zu finden und das Workhut zu testen. Sie müssen aber auch Überzeugungsarbeit an anderer Stelle leisten, denn es braucht Gelder für die Kleinserie. „Wir stehen vor unserer ersten Finanzierungsrunde und sprechen derzeit mit Investoren. Mit dem Kapital möchten wir nächstes Jahr gemeinsam mit Partnern die Kleinserie bauen und betreiben“, skizzieren die drei die mittelfristige Planung.

Weiter gedacht, soll es dann ein flächendeckendes Netz aus Workhuts geben, die zeitlich und örtlich flexibel genutzt werden können. Noch arbeiten alle drei hauptberuflich in anderen Jobs. Das kann und soll sich aber ändern, sobald das Projekt weiter wächst.

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So schätzt Professor Michael Schefczyk die Workhut ein

Professor Michael Schefczyk leitet den Gründerlehrstuhl an der TU Dresden. Für Sächsische.de schätzt er das Potenzial der Workhut ein.
Professor Michael Schefczyk leitet den Gründerlehrstuhl an der TU Dresden. Für Sächsische.de schätzt er das Potenzial der Workhut ein. © Claudia Hübschmann

Interessant an der Konstellation ist, dass es sich nicht um eine klassische Ausgründung aus einer Hochschule handelt, sondern dass externe Gründer auf eine Hochschule zugegangen sind und trotzdem so unterstützt werden, wie man es sonst bei Absolventen erwartet.

Das Produkt ist sehr ansprechend gestaltet. Die Anforderungen an den Aufstellungsort sind allerdings durchaus hoch, wenn man an die Medien- und Sanitärversorgung denkt. Wenn das Geschäftsmodell auf größere Geschäftskunden abzielt, liegt es nach meiner Einschätzung nicht auf der Hand, dass diese in ausreichender Zahl „anbeißen“ – sehr wünschen würde ich dies den Gründern trotzdem.

Fazit: Es ist gut zu sehen, dass Gründer auch von außen auf Hochschulen zugehen können.

Hier noch einmal alle Erfindungen im Überblick:

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Das Projekt

Die Erfindershow mit den hier vorgestellten Start-ups und ihren Produkten findet am 15. Oktober von 10 bis 18 im Elbepark Dresden statt.

„Genial Sächsisch“ wird unterstützt von den drei sächsischen Gründerinitiativen in Dresden, Chemnitz und Leipzig.