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Gewalt gegen Kinder nimmt in Sachsen zu

Oft kommt es zu sexuellen Übergriffen und Körperverletzungen. Nun gibt es eine Debatte über einen Zusammenhang mit den Corona-Lockdowns.

Von Gunnar Saft
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In Sachsen ist die Zahl der Gewaltdelikte gegen Kinder deutlich angestiegen.
In Sachsen ist die Zahl der Gewaltdelikte gegen Kinder deutlich angestiegen. © Symbolfoto: dpa/ Nicolas Armer

Dresden. Fälle von Gewalttaten gegen die Jüngsten in unserer Gesellschaft sorgen immer wieder für Empörung. In Sachsen ist die Zahl dieser Delikte gegen unter 14-Jährige zuletzt deutlich gestiegen. Nun gibt es heftige Debatten über die Ursachen.

Wurden 2015 im Freistaat noch insgesamt 2.272 sogenannte Kinderschutzdelikte registriert, waren es im vergangenen Jahr bereits 2.700. Im Jahr 2019 wurde mit 2.783 solcher Fälle sogar ein noch höherer Wert erreicht. Das gab jetzt Innenminister Roland Wöller (CDU) in seiner Antwort auf eine entsprechende Anfrage der AfD-Landtagsfraktion bekannt. Betroffen von dieser Zunahme um bis zu über 20 Prozent sind fast alle Deliktsarten – besonders aber der sexuelle Missbrauch sowie Körperverletzungen und Misshandlungen. Mit jeweils fünf Morden und fünf Totschlagsfällen wurde 2020 ebenfalls erneut ein Höchstwert erreicht. Lediglich beim Menschenraub und der Entziehung von Minderjährigen kam es zu einem Rückgang.

Der AfD-Abgeordnete André Wendt vermutet, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Anstieg dieser Gewaltdelikte und den Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gibt. „Vieles deutet darauf hin, dass Lockdown und Schulschließungen zu erheblichen Spannungen in den Familien geführt haben.“ Dem widerspricht jedoch Sachsens Sozialministerium und erklärt, dass ein solcher kausaler Zusammenhang derzeit „nicht verifizierbar“ sei. Verwiesen wird darauf, dass wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema wie die von der Evangelischen Hochschule Dresden noch nicht abgeschlossen sind.

Grundsätzlich, so Sozialministerin Petra Köpping (SPD), sorge die Corona-Pandemie natürlich für deutliche Belastungen: „Kinder und Jugendliche haben eine besonders harte Zeit hinter sich, weil das gewohnte Leben fast zum Erliegen kam durch Kontaktbeschränkungen, Schließung der Schulen, dem Ausfall von Vereinsangeboten. Für die meisten Familien war dies eine sehr anstrengende Phase.“ Der Freistaat reagiert darauf unter anderem mit dem Aufbau einer Landesfachstelle zur Prävention sexualisierter Gewalt sowie einer Servicestelle für Gewaltprävention in der Kinder- und Jugendhilfe. Für weitere Maßnahmen zur Bewältigung von Pandemiefolgen für Familien stehen in diesem und im nächsten Jahr zusammen mehr als 1,2 Millionen Euro zur Verfügung.

Sachsens Innenministerium vermutet, dass die höheren Fallzahlen auch auf ein „geändertes Anzeigeverhalten“ sowie den Anstieg der Delikte im Bereich Kinderpornografie zurückzuführen sind. Verwiesen wird auf das seit Juli gültige Gesetz zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder, das deutlich härtere Strafen vorsieht.