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Greensill-Pleite: Erzgebirgskreis droht Millionen-Ausfall

Der Landkreis hat fünf Millionen Euro bei der Bremer Bank angelegt - wegen verlockender Zins-Aussichten. Nun ist das Geldhaus insolvent und das Geld verloren.

Sparer und Großanleger haben derzeit keine Chance mehr, bei der Greensill-Bank an ihr Geld zu kommen. Foto: Sina Schuldt/dpa
Sparer und Großanleger haben derzeit keine Chance mehr, bei der Greensill-Bank an ihr Geld zu kommen. Foto: Sina Schuldt/dpa © Sina Schuldt/dpa

Bremen/Aue. Die Greensill-Pleite erreicht Sachsen: Angelockt durch scheinbar traumhafte Zins-Versprechen hat sich auch ein Landkreis bei der in Schieflage geratenen Bremer Greensill Bank „verzockt“. Wie das Landratsamt des Erzgebirgskreises bestätigte, habe man vor rund einem Jahr fünf Millionen Euro mit einer Laufzeit bis zum 28. Oktober 2021 und einer Verzinsung von 0,15 Prozent bei Greensill angelegt. Dem Kreis drohe wie anderen deutschen Kommunen, die Anlagen im Volumen von mehr als einer halben Milliarde Euro bei dem Bremer Institut getätigt haben, nun „ein ganz erheblicher Verlust bis hin zum Totalausfall“.

Der Finanzbeigeordnete des Landkreises, Andreas Stark, bezeichnete laut einer Pressemitteilung in einer Ausschuss-Sitzung die drohende Entwicklung „mehr als schmerzlich“. Die Gelder des Kreises seien insgesamt bei 12 Finanzinstituten angelegt, davon seien Zweidrittel einlagengesichert (darunter Sparkassen, Raiffeisenbanken, eine Landesbank sowie eine Lebensversicherungsgesellschaft). Hinzu kämen vier Privatbanken. Wegen der seit 2017 für Kommunen abgeschafften Einlagensicherung bedeute seitdem jede Finanzanlage bei Privatbanken „ein gewisses Restrisiko“, so Stark in der Ausschuss-Sitzung. Offen seien noch mögliche juristische Schritte, beispielsweise gegen eine Geldvermittler-Agentur. In Ostdeutschland sind nach bisherigem Stand Erkenntnisstand keine weitere Kommunen von der Greensill-Pleite betroffen. Ein erheblicher Schaden droht aber dem Freistaat Thüringen, der 50 Millionen Euro bei den Bremer gut untergebracht sah.

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Unterdessen hat die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat für die Bank einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte eine Sprecherin des Amtsgerichts Bremen mit. Die Bankenaufsicht Bafin hatte bereits Anfang März die Bremer Tochter des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill für den Kundenverkehr geschlossen. Sparer und Großanleger kommen seitdem nicht mehr an ihr Geld. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Greensill Bank AG, die Bafin hatte Strafanzeige gestellt. Dem Vernehmen nach geht es um den Vorwurf der Bilanzfälschung. (SZ/abi/mit dpa)

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