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Was Heidenaus Bürgermeister und den "Pack"-Minister verbindet

Jürgen Opitz und Sigmar Gabriel trafen sich, als alle auf Heidenau schauten und der eine den anderen zum Teufel wünschte. Trotzdem reden sie miteinander.

Sigmar Gabriel (Mitte) und Jürgen Opitz (re.), Bürgermeister in Heidenau, auf dem Podium im Zwickauer Peter-Breuer-Gymnasium.
Sigmar Gabriel (Mitte) und Jürgen Opitz (re.), Bürgermeister in Heidenau, auf dem Podium im Zwickauer Peter-Breuer-Gymnasium. © Mario Dudacy

Wahrscheinlich hätten sie sich nie kennengelernt, der SPD-Bundespolitiker und der CDU-Bürgermeister, hätte es den August 2015 nicht gegeben. Nach den Ausschreitungen um den über Nacht zur Flüchtlingsunterkunft gemachten leeren Praktiker-Baumarkt kamen binnen einer Woche die Spitzenpolitiker des Landes nach Heidenau. Die meisten haben Heidenau wieder vergessen, genau wie die Heidenauer ihre Besuche. Mit Sigmar Gabriel ist das etwas anders. Der war damals SPD-Vorsitzender und Bundes-Wirtschaftsminister und hatte mit seiner Bezeichnung der Protestierenden als Pack für Aufsehen gesorgt. Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz musste danach erklären, was er davon hält. Ausgerechnet diese beiden Männer verbindet inzwischen eine Freundschaft.

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Am Dienstagabend saßen beide auf dem Podium im Zwickauer Peter-Breuer-Gymnasium. Sie waren Gäste einer Veranstaltung der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen. Es ging um "Mehr Mut!", so wie auch das neue Buch von Gabriel heißt. Die erste halbe Stunde kam Opitz gar nicht zu Wort. Gabriel schafft in seinen Eingangsworten einen Rundumschlag durch die Jahrhunderte, Themen und die ganze Welt. Er profitiert von seinen Erfahrungen und seinem Wissen. Manchmal staunt man bei ehemaligen Politikern, wie sie hinterher einfach erklären können, was vorher so schwer zu verstehen war.

Die Grenze der Meinungsfreiheit

Das mit dem Pack sei nicht freundlich gewesen, sagt Gabriel. "Aber ich hatte damals so einen Hals, als ich die 'besorgten Bürger' sah", sagt er. Für ihn ist die Gewalt die Grenze der Meinungsfreiheit. Für Opitz ist es das Schlüsselwort Respekt. Er sieht sich als "Bürgermeister für alle". Während Opitz vor zwei Jahren für weitere sieben als Bürgermeister gewählt wurde, genießt Gabriel, nicht mehr wahlbezogen oder sonst wie kämpfen zu müssen. Zu Hause ist es auch ganz schön, sagt er. Er ist nicht mehr in der Politik und will auch nicht dahin zurück. "Ich will meine Zeit nur noch mit Menschen verbringen, die ich mag." Zwar sagt Gabriel kokett, seine Ratschläge würden gerade noch fehlen, ganz aber kann und will er sich nicht verkneifen. Stichwort "Mehr Mut!".

Vom Teufel zum Freund

Moderator Thomas Arnold, Direktor der Katholischen Akademie, hatte seine Fragen, die jedoch zu wenig ein Gespräch zwischen Opitz und Gabriel zustande kommen ließen. Natürlich kamen die Leute wegen Gabriel. Aber auch Opitz hat was zu sagen und steht ihm rhetorisch nicht nach. Die beiden ein bisschen zu provozieren, zu hinterfragen, das hätte sie herausgefordert und wäre ihnen gerechter geworden. Als Gabriel zum Beispiel zu Opitz sagt, dass der ihn wohl damals zum Teufel gewünscht habe, und Opitz sich über "Heidenau als Dunkeldeutschland" ärgerte, wäre es spannend gewesen, zu erfahren, wie daraus Freundschaft wird.

Pralinen und Autogramme

Am Ende fragt Gabriel Opitz, ob es ihm gefallen habe. Der nickt. Und beide erneuern ihre gegenseitigen Einladungen zu Stadtführungen in ihren Städten. Wenn Gabriel nach Heidenau kommt, nur privat, sagt er. Als Opitz in Goslar war, hatte Gabriel keine Zeit. Am Dienstagabend in Zwickau auch nicht. Er müsse schnell zurück nach Hause, sagte er. Aus dem Außenminister ist der Ehemann und Familienvater geworden. Das Pralinengeschenk der Zwickauer als Dankeschön sei für ihn nicht gut, sagt er und meint die Figur. Aber für seine Frau. Opitz gab derweil noch Autogramme und redete mit den Leuten.

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