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Hilferuf einer unbekannten Risikogruppe

Wenn Sachsens Politiker etwas verzapfen, kann das für sie die Rettung sein: "Sächsisch betrachtet" - die Kolumne von SZ-Redakteur Gunnar Saft.

Spielzeugmacher Tino Günther mit seinem Virologen-Räuchermann - der stark an den Charité-Virologen Christian Drosten erinnert.
Spielzeugmacher Tino Günther mit seinem Virologen-Räuchermann - der stark an den Charité-Virologen Christian Drosten erinnert. © Hendrik Schmidt/dpa

EIN Dreivierteljahr nach Ausbruch der Pandemie müssen wir Bürger uns eingestehen, dass es weiterhin Gruppen in unserer Gesellschaft gibt, für die immer noch kein geeignetes Hilfsprogramm aufgelegt wurde: Wo bleibt zum Beispiel ein wirksamer Beruhigungs- und Wiedereingliederungstopf für corona-gestresste Politiker? In Sachsen mehren sich die Anzeichen, dass hierfür künftig ein Milliarden-Etat benötigt wird.

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MEIST fängt die Krise bei dieser Risikogruppe unscheinbar an. So sorgte jetzt der sächsische FDP-Politiker Tino Günther mit einem qualmenden Holzkopf für Furore. Der Spielzeugmacher aus Seiffen schnitzte sich einen Räuchermann, der dem Chef-Virologen der Bundesregierung Christian Drosten zum Verwechseln ähnlich sieht, und landete damit einen Verkaufsschlager. So weit, so gut. Was aber, wenn Günthers nächstes verräucherte Modell ein verquerter Demonstrant wird, dessen Alu-Hut im Dunkeln glüht? Dann wissen wir, das Drosten-Männel war bereits der erste Hilferuf.

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TATSÄCHLICH warten viele corona-gestresste Politiker oft zu lange mit einer Therapie. Wohin das führen kann, zeigte sich diese Woche beim Sächsischen Landtag. Der kam am Donnerstag eilig zu einer Sondersitzung zusammen, um zwei Stunden lang darüber zu streiten, ob die eigene Staatsregierung am Tag zuvor im Bundesrat nun für oder gegen ein neues Corona-Schutzgesetz votieren soll. Finden Sie den Fehler, von den erschöpften Abgeordneten ist nicht mehr jeder in der Lage dazu. Für viele gilt inzwischen: Die Zukunft war gestern. Für die nächste reguläre Sitzung Mitte Dezember lässt das nichts Gutes vermuten.

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SELBST der Versuch, sich mit anderen Themen vom Corona-Stress abzulenken, kann gehörig schiefgehen. Das weiß inzwischen auch der AfD-Landtagsabgeordnete Roberto Kuhnert aus Weißwasser. Nachdem er sich bei der Staatsregierung nach allen Ausgaben für externe Dienstleister und Berater erkundigt hatte, ging er fast unter einem Aktenberg verloren. Auf 403 (!) Seiten und einigen Kilogramm Papier listete man ihm die angeforderten Informationen akribisch auf. Nach Studium des Materials wissen wir zumindest, dass es in der Staatskanzlei offenbar andere Methoden gibt, um die Pandemie unbeschadet zu überstehen. In der Liste fanden sich Rechnungen über die Wartung des Kaffeeautomaten in Höhe von 1.160,17 Euro sowie für die Reinigung einer Zapfanlage für 579,18 Euro.

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