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Genial Sächsisch

Sie machen Kosmetik natürlich anders

Sächsische.de stellt Erfindungen von hier vor, die unser Leben verbessern. Teil 3: Jasha - neuartige Naturkosmetik aus Mittelsachsen.

Die Firmengründung ist ein Herzensprojekt, für die die 30-jährige Sharon Janz vor zwei Jahren auch Mutter Astrid begeistern konnte.
Die Firmengründung ist ein Herzensprojekt, für die die 30-jährige Sharon Janz vor zwei Jahren auch Mutter Astrid begeistern konnte. © PR/Jasha

Reagenzgläser mit farbigen Flüssigkeiten, die hellblau brennende Flamme des Bunsenbrenners und vorsichtiges Pipettieren in einen Erlenmeyerkolben – was im Chemieunterricht auf dem Stundenplan stand, faszinierte Sharon Janz als Jugendliche sehr. „Ich wollte sowieso immer Neues dazulernen, aber Chemie begeisterte mich besonders“, erinnert sich die heute 30-Jährige an ihre Schulzeit. Als ihr der Chemielehrer von der Möglichkeit erzählt, schon als Schülerin an der TU Chemnitz Vorlesungen zu besuchen, ist sie hin und weg.

Dass sie nach dem Abitur Chemie an eben dieser Universität studiert, überrascht deshalb auch fast niemanden mehr. Wohin sie der Weg führte, allerdings schon. Nicht in ein Forschungslabor, sondern in den Kosmos von Cremes, Lidschatten und Haaröl. Die Chemikerin hat ihr eigenes Naturkosmetik-Label gegründet: Jasha, eine Wortschöpfung aus ihrem Vor- und Zunamen. Nun hat sie ein großes Naturkosmetik-Problem gelöst.

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Der Schritt hin zum eigenen Unternehmen kam nicht von ungefähr. „Auch während des Studiums hat mich speziell das Gebiet der Kosmetikherstellung interessiert“, erzählt sie. Nach dem Abschluss geht sie nach Baden-Württemberg, arbeitet dort bei einem Hersteller für konventionelle Kosmetik. Solche Produkte bestehen aus synthetisch hergestellten Inhaltsstoffen. Wenig später wird sie stellvertretende Leiterin für die Qualitätskontrolle. „Ich habe damals oft darüber nachgedacht, wie es auch ohne chemische Inhaltsstoffe gehen könnte“, sagt sie. Gerade weil so produzierte Kosmetik auch negative Effekte für den Körper haben kann. Irgendwann fasst sie einen Entschluss: Sie will selbst 100-prozentige Naturkosmetik herstellen.

Sie fängt an, Rezepturen zu entwickeln und zu testen. Bei Naturkosmetik durchaus eine komplizierte Sache. Die natürlichen Inhaltsstoffe passen nicht immer zueinander, ergeben gemeinsam längst nicht in jedem Fall das gewünschte Ergebnis. In ihrem kleinen Labor probiert Sharon Janz deshalb viel aus. „Die Natur ist nun einmal sehr komplex und hat ihre Tücken“, sagt sie. Da hängt es manchmal schon allein davon ab, in welcher Reihenfolge Zutaten miteinander vermengt werden. „Aber das wusste ich vorher. Das war ja genau das, was mich an der Naturkosmetik schon immer gereizt hat.“

Aus natürlichen Rohstoffen kreiert Chemikerin Sharon Janz ihre Jasha-Produkte.
Aus natürlichen Rohstoffen kreiert Chemikerin Sharon Janz ihre Jasha-Produkte. © PR/Jasha

Parallel dazu wird die Chemikerin zur Geschäftsfrau. Unterstützung bekommt sie dabei von Anfang an von ihrer Mutter Astrid Janz. Die Tochter vom risikoreichen Schritt in die Selbstständigkeit abhalten? Das kommt für sie nicht infrage. „Sie hat die Idee von Anfang an unterstützt“, betont die Gründerin dankbar. Neben ihrer Mutter gehören heute noch zwei weitere Mitarbeiter zu ihrer Firma, die im mittelsächsischen Penig zu Hause ist..

Ein Problem gibt es bei Naturkosmetik allerdings – ihre Haltbarkeit. Durch die natürlichen Inhaltsstoffe und den Verzicht auf gängige chemiebasierte Konservierungsstoffe verderben sie schneller. Für Sharon Janz kein Fakt, den sie einfach hinnehmen möchte. Sie will eine Lösung für das Dilemma finden und recherchiert. „Es gibt natürliche Stoffe, die bereits Konservierungseigenschaften mitbringen“, erklärt sie ihre Idee.

Also testet sie aus, welche von denen gut zusammenpassen und das gewünschte Ergebnis liefern. Am Ende sind es drei Stoffe, die heute das Jasha-Konservierungssystem darstellen. Welche drei das genau sind, verrät Sharon Janz jedoch nicht. Die Angst vor Nachahmern ist einfach zu groß. „Wir haben unsere Entwicklung aber zum Patent angemeldet.“ Die Haltbarkeit ihrer Produkte konnte Sharon Janz dadurch auf 30 Monate erhöhen. Die Testungen dazu führten unabhängige Institute durch, betont sie.

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Jasha-Gründerin: die Aufbewahrung der Cremes. Auch hierfür hat Sharon Janz erst einmal viel ausprobieren müssen. Letztlich entschied sie sich für sogenannte Airless-Dispenser, Behälter, die auf Knopfdruck nur die Menge an Produkt abgeben, die zur Anwendung nötig sind. „Wer jeden Morgen mit dem Finger Bakterien in den Creme-Tiegel einbringt, hat nach ein paar Monaten quasi nur noch eine Bakterienmasse im Cremetöpfchen“, erklärt sie.

Die Produktwelt von Jasha wird immer größer. Pflege-Serien für junge und reife Haut, eine Spa-Serie, Make-up und Haarpflegeprodukte gehören heute unter anderem dazu. Wenn sie im Labor an neuen Produkten arbeitet, bittet Sharon Janz ihr Team immer wieder zum Test. Duftet die neue Kreation angenehm, ist die Konsistenz in Ordnung, das Gefühl auf der Haut nicht klebrig oder unangenehm. Viele der Produkte werden nach der Entwicklung in Manufakturarbeit hergestellt. Was nicht selbst gemacht werden kann, übernimmt ein Netz aus Partnerunternehmen.

Zeit zum Ausruhen hat Sharon Janz wenig. Die Entwicklung macht sie allein. „Das ist meine Herzensangelegenheit.“ Parallel dazu behält sie im Blick, was gerade Trend ist in der Naturkosmetik-Szene. Sie hält Kontakt zu Influencern, die in sozialen Netzwerken über die Marke Jasha erzählen. Auch in Beauty-Magazinen ist die Naturkosmetik aus Sachsen schon von den Redaktionen vorgestellt worden.

Wie es mit Jasha weitergeht? „Ich habe noch viele Ideen für neue Produkte im Kopf“, sagt Sharon Janz. Rein natürlich soll es auch in Zukunft bleiben. Optisch aber trotzdem luxuriös. Denn was Sharon Janz schon immer etwas störte: dass Verpackungen von Naturkosmetik-Produkten oft auch etwas farblos und unauffällig daherkommen. „Wir wollten einen edlen Look und das passt auch zur Natur.“ In Zukunft ist ebenfalls eine Bio-Linie geplant und im Sinne der Nachhaltigkeit sollen immer mehr Jasha-Produkte in Glasverpackungen angeboten werden. Eine Massenproduktion wird es aber auch in Zukunft nicht geben. „Wenn wir Tonnen produzieren würden, wäre die Qualität unserer reinen Naturprodukte nicht mehr gegeben.“ Ein bisschen Wachstum wäre aber durchaus in Ordnung.

Das Erfinder-Projekt „Genial Sächsisch“ findet gemeinsam mit den drei Gründerschmieden Dresden Exists, Saxeed (Chemnitz) und Smile (Leipzig) statt.

Acatech, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, hat die Serie von 2019 mit dem wichtigsten Preis für Technikjournalismus ausgezeichnet.

Hier noch einmal alle Erfindungen im Überblick:

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