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Juhu, es lebe die CDU!

Warum es für wütende Bürger vorteilhaft ist, wenn bei den Christdemokraten jeder sagen darf, was ihm einfällt, weiß Gunnar Saft in seiner satirischen Kolumne.

Der neue Kurs der sächsischen CDU: Jeder Bürger bekommt zu hören, was er gern hören will. Foto: Ronald Bonß
Der neue Kurs der sächsischen CDU: Jeder Bürger bekommt zu hören, was er gern hören will. Foto: Ronald Bonß © Ronald Bonß

Sie haben sich jetzt wieder fürchterlich über Politik aufgeregt? Da kann ich helfen! Mein Rat: Halten Sie sich künftig nur noch an die Sachsen-CDU. Unter deren Spitzenpolitikern gibt es mittlerweile zu jedem Thema so viele verschiedene Meinungen, dass sich jeder Bürger eine aussuchen kann. Zur Förderung des eigenen Stressabbaus natürlich immer jene, der man selbst zustimmt.

Gefällt Ihnen also nicht, was ein Christdemokrat im Spitzenamt so plappert, nehmen Sie den nächsten. Kein Meinungswunsch bleibt unerfüllt, versprochen! Die CDU-Auswahl ist längst so reichlich, dass die Parteizentrale in Dresden sicher bald in „Kaufhaus des Ostens“ umbenannt wird.

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Nehmen wir nur das Problem, ob viele von uns sächsischen Ostdeutschen tatsächlich „diktatursozialisiert“ sind und deshalb auch 30 Jahre nach der Wende nur radikale Extremparteien wählen, wie es der CDU-Spitzenkandidat zur Bundestagswahl, Marco Wanderwitz, vermutet. Alle, die von der These begeistert sind, bitte links anstellen und dort weiterklatschen!

Gern auch die "Rosa-CDU"

Wen dagegen empört, dass man damit quasi per Geburtsurkunde zum Protestwähler gestempelt wird, hält sich lieber an CDU-Landeschef Michael Kretschmer, der dem Parteifreund W. daraufhin nämlich widersprach. Der Effekt: Sobald beide Gruppen getrennt voneinander stehen, zieht sofort Ruhe ein – ein absolut faires Angebot ihrer CDU!

Weil das auch anderswo ganz gut funktioniert, versprach Herr Kretschmer allen Eltern kürzlich über Nacht, dass sie ihre Kinder sofort impfen lassen können. Da es ob eines solchen Angebotes aber auch besorgte Mütter und Väter gibt, ließ er später mitteilen, dass es gar keine freien Impftermine für die lieben Plagen gibt. Jeder kann also nehmen, was gefällt und alle können aufatmen. Und – wieder Ruhe!

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Die Sachsen-CDU sollte das Prinzip deshalb zügig ausbauen und sich endlich in Einzelparteien spalten: die knallharte CDU, die liebe liberale CDU, die CDU für Tierfreunde und eine für Steuersparer. Gern auch die „Rosa-CDU“ und jene für alle Nichtwähler. Wetten, zusammen gewinnen diese Parteien die nächste Landtagswahl haushoch? Schwierig wird es nur bei den folgenden Koalitionsverhandlungen, die dürften nämlich krachend scheitern. Im neuen „Kaufhaus des Ostens“ findet sich aber sicher auch dazu was Passendes.

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