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"Ich habe mich einfach in Josefine verliebt"

Sachsens Justizministerin Katja Meier spricht erstmals offen über ihre Liebe zur Grünen-Spitzenpolitikerin Josefine Paul.

Sachsens Justizministerin Katja Meier und Josefine Paul,
Abgeordnete in Düsseldorf, sind ein Paar.
Sachsens Justizministerin Katja Meier und Josefine Paul, Abgeordnete in Düsseldorf, sind ein Paar. © Felix Adler

Dresden. Für den aufmerksamen politischen Beobachter ist die Partnerschaft langsam, aber schon seit einiger Zeit sichtbar geworden. Auf Twitter tauchte hin und wieder das Foto von zwei Frauen auf. Glücklich strahlend. Die eine davon ist Justiz- und Gleichstellungsministerin Katja Meier. In Dresden sprach sich zaghaft herum, dass die Ministerin seit einigen Monaten offener und selbstbewusster mit ihrer Lebenspartnerin in der Öffentlichkeit umgehe. Als würde sie schrittweise die Reaktionen darauf austesten.

Nur wenige wussten da schon, dass es sich bei der zweiten Frau auf dem Foto um eine andere grüne Spitzenpolitikerin handelt: Josefine Paul, seit Oktober 2010 Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags, seit Herbst Vorsitzende der Landtagsfraktion. Im großen „Outing-Doppel-Interview“ für Zeit Online und die Wochenzeitung Zeit sprechen Meier und Paul über ihre Beziehung. Demnach sind die beiden bereits seit anderthalb Jahren ein Paar. Sie habe Josefine Paul nicht versteckt, sondern sogar zu offiziellen Anlässen hin und wieder mitgenommen, genauso wie sie ihre Partnerin hin und wieder in NRW begleite, erzählt Ministerin Meier.

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Dort sind gleichgeschlechtliche Beziehungen und andere Lebensformen seit Jahren kein großes Thema mehr. Man geht entspannt damit um. Doch in Sachsen? In einem Land, dessen früherer Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) noch 2013 gesagt hatte, dass für ihn Vater, Mutter und Kinder zu einer Familie gehörten. In einem Bundesland, dessen CDU-Bundestagsabgeordnete – darunter auch der heutige Ministerpräsident Michael Kretschmer – noch vor wenigen Jahren geschlossen gegen die „Ehe für alle“ stimmten.

In Sachsen hat sich das leicht „Anrüchige“ homosexueller Beziehungen in so manch‘ konservativen Ecke noch erhalten. Vor allem, wenn es sich um zwei Frauen handelt, gibt es noch immer eine gewisse tapsige Unsicherheit, wie damit umzugehen ist. Bis hin zu offener Ablehnung.

Anne Will als Vorbild

Im Zeit-Interview sprechen Meier und Paul offen über ihre Beziehung, reden über ihre sexuelle Orientierung. Anne Will, das Outing der bekannten TV-Politik-Journalistin, sei ihr Vorbild. „Ich habe mich einfach in Josefine verliebt und das für mich als ganz natürlich empfunden, mir nicht wirklich Gedanken gemacht, ob ich lesbisch bin oder bisexuell“, sagt Meier.

Helfen und ermutigen will die 41-Jährige andere mit ihrem offensiven Schritt an die Öffentlichkeit. „Ich finde es wichtig, dass Menschen vorangehen und anderen damit signalisieren: Da sind eine Fraktionsvorsitzende und eine Ministerin, die reden darüber, dass sie zusammen sind“, sagt Meier. „Vielleicht hilft das anderen, wenn sie sehen, ah, die sind wie wir. Vielleicht motiviert es sie sogar, bei einer Partei mitzumachen, für ein Amt zu kandidieren.“

Dabei liege es nicht daran, dass lesbische Spitzenpolitikerinnen „hinterm Berg halten wollen mit diesem Thema“, sagt Paul. „Es gibt nur nicht so viele.“ Weil eben auch generell mehr Männer als Frauen in den Parlamenten vertreten seien, fügt Meier hinzu. Die meisten Outings von Spitzenpolitikern wie Klaus Wowereit und Jens Spahn seien eben Männer gewesen. Die „Sichtbarkeit für lesbische Frauen fehlt“, bedauert Paul. Frauen hätten es in der Politik „häufig immer noch schwerer als Männer“, kritisiert die 39-Jährige. Man werde schnell als „zickig“ dargestellt, was bei Männer als „durchsetzungsstark“ gewertet werde. „Und es gibt noch mal mehr Vorurteile gegenüber lesbischen Frauen. Ihnen werden ‚Mannweiber-Klischees‘ zugeschrieben.“

Ein "Türöffner" für andere sein

Auf die Frage, ob die beiden Frauen Diskriminierung erlebt hätten, verweist Sachsens Justizministerin darauf, dass sie erst diese Woche zwei Anzeigen erstattet habe, weil ihr auf Twitter mit dem Tod gedroht worden sei. „Solche Kommentare richten sich gegen mein Frausein, gegen mein Eintreten für Gleichstellung. Ich zeige so etwas immer an“, sagt Meier im Zeit-Interview. Das seien aber keine Einzelfälle. „Viele Politikerinnen, parteiübergreifend, unabhängig von der sexuellen Orientierung, erleben das.“

Meier und Paul haben sich entschlossen, offen mit ihrer Liebe umzugehen, leben eine mitunter spannende Ost-West-Beziehung. „Ich finde, man sollte nichts verstecken. Natürlich entscheidet man selbst, wie viel man von seinem Privatleben preisgibt“, findet Meier, die ihrer West-Freundin hin und wieder Nudossi und Knusperflocken nach Düsseldorf mitbringt. Offen mit ihrer Beziehung umzugehen, das könne ein „Türöffner“ für andere sein, finden sie.

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