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Pfarrer missbrauchte Ministranten und Familie

Im Emsland liegt ein Priester aus Sachsen begraben. Dort, aber auch in Riesa, hat er Jungen missbraucht. Und womöglich auch im Osterzgebirge und der Lausitz.

Ein namenloses Grab in Wieste im Emsland ist die letzte Ruhestätte für den sächsischen Priestertäter Erich G.
Ein namenloses Grab in Wieste im Emsland ist die letzte Ruhestätte für den sächsischen Priestertäter Erich G. © Lambert Brand

Nur ein kleiner Lebensbaum, ein Blumensträußchen und ein Grablicht erinnern an den Menschen, der hier, auf dem Friedhof von Wieste im Emsland, seine letzte Ruhe fand. Kein Grabstein, nicht einmal ein Name. Dabei war er doch ein katholischer Priester. Sogar ein sehr guter, heißt es im Ort. „Er hat uns den Glauben sehr anschaulich erklärt.“

Doch schon die Trauerfeier für Erich G. in der Dorfkirche Ende September 2015 war seltsam überschaubar gewesen: ein paar Geistliche, ein Bruder, die Schwägerin. Im Requiem erklang das aus Schlesien stammende Kirchenlied „Über die Berge schallt“. Es war das Lieblingsstück des verstorbenen Pfarrers.

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Jahrzehntelang war G. in Sachsen tätig gewesen: in Riesa, Aue, Zittau, Kipsdorf, Dippoldiswalde, Hainichen und Neugersdorf. Zu seinem Gedenken schrieb der heutige Generalvikar des Bistums Dresden-Meißen: „Möge Gott ihm seine Mühe und Arbeit im Weinberg des Herrn vergelten und ihn in Seiner Gnade und Barmherzigkeit zum Licht der Auferstehung führen.“

Statt Licht aber wirft das Priesterleben von G. mehr Schatten auf die Diözese: Er ist ein Missbrauchstäter. Klaus Reinhard* und Matthias Vogel* versichern, zwei seiner Opfer gewesen zu sein. Beide seien etwa 13 Jahre alt gewesen, als es geschehen sei. Sie halten es für möglich, dass G.s Handeln mehr als ein Dutzend Kinder und Jugendliche traumatisiert hat.

2005 besucht der damalige Bischof Joachim Reinelt die katholische Gemeinde St. Barbara in Riesa anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens. Hier beging Erich G. seine erste Missbrauchstat in den 1960er-Jahren.
2005 besucht der damalige Bischof Joachim Reinelt die katholische Gemeinde St. Barbara in Riesa anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens. Hier beging Erich G. seine erste Missbrauchstat in den 1960er-Jahren. © Archiv/Edgar Schröter

Riesa, Ende Februar. Ein schlichtes Haus am Stadtrand. Auf dem Tisch dampft Kaffee. Klaus Reinhard hat über 50 Jahre geschwiegen, nicht einmal seiner verstorbenen Frau hat er etwas erzählt von „der Sache mit G.“. Nun redet der Endsechziger. Es dränge ihn, seinen Freunden und dem Familienkreis der Kirchgemeinde das Geschehene mitzuteilen. „Sie sollen wissen, dass so etwas nicht nur irgendwo anders ist, sondern auch hier war.“

So etwas wie „die Sache mit G.“. Die habe im Sommer 1963 ihren Lauf genommen, sagt Reinhard. G. sei damals Diakon in Riesa gewesen. „Der war locker, das hat uns gefallen.“ Uns, das waren er und einer seiner damaligen Freunde. Nennen wir ihn Adam. Man habe sich fast täglich nach der Schule in der Kirche getroffen. Der Diakon habe sie dann zum Klettern ins Erzgebirge mitgenommen. Schließlich habe G. ihn und Adam für ein paar Tage nach Zingst an die Ostsee eingeladen. Man sei nicht mit dem Zug gefahren, sondern geflogen, mit einer Iljuschin IL-14 von Leipzig nach Barth. Im Flugzeug habe G. ihm ins Ohr geflüstert: „An der Ostsee gehen wir nackig baden.“ Man sei an den Weststrand gegangen. „Er legte sich nackig an eine große Baumwurzel. Wir trauten uns nicht, uns auszuziehen.“ Dabei sei es zunächst einmal geblieben.

Bautzen im Dezember 1964: Dresdens damaliger Bischof Otto Spülbeck (links) schaut auf seine vier frisch geweihten Priester, darunter auch Erich G. (2.v.l.).
Bautzen im Dezember 1964: Dresdens damaliger Bischof Otto Spülbeck (links) schaut auf seine vier frisch geweihten Priester, darunter auch Erich G. (2.v.l.). © privat

Im Dezember 1963 empfängt G. in Bautzen das Weihesakrament. Aus Riesa sind Reinhard und einige andere Gemeindemitglieder dabei. Nach der Weihe sei man mit einem Robur-Bus zur Primiz, der ersten feierlichen Messe, in die erzgebirgische Heimatgemeinde von G. gefahren, schildert Reinhard. Vier Monate später sei er nach Aue eingeladen worden, der ersten Kaplanstelle von G. „Meine Mutter sagte zu mir: ‚Schön, dass der dich einlädt.‘“

Der Kaplan habe sich in seiner Wohnung ausgezogen. „Wir saßen dann in Sesseln, und ich musste mich auch ausziehen, das war schon komisch, aber er gab mir Zigaretten und ich habe sie geraucht, weil das cool war.“ In der Nacht sei G. zu ihm ins Bett gestiegen. „Ich war wie erstarrt und hatte die Augen zu. Er hat mich angefasst und an mir rumgemehrt. Heute frage ich mich, warum ich nicht aufsprang und ihn anbrüllte.“ Am nächsten Morgen habe er in G.s Sonntagsmesse ministriert. „Ich hätte kotzen können.“

Mit 59 Jahren in den Ruhestand

Danach habe er G. nie wieder getroffen, nur einmal noch habe er ihn von Weitem in der Dresdner Hofkirche gesehen. Sein Freund Adam sei plötzlich nicht mehr zur Kirche gekommen. Danach war nur noch Schweigen.

Bis Reinhard einen Aufruf von Dresdens heutigem Bischof Heinrich Timmerevers liest, in dem er Missbrauchsbetroffene auffordert, sich zu melden. Es kommt zum Gespräch mit dem Bistumsoberhaupt, Reinhard wird Einsicht in die Akte von G. angeboten. Er lehnt ab, weil er befürchtet, „dass eh alles geschwärzt ist“.

Auffällig ist, dass G. bereits mit 59 Jahren in den Ruhestand ging. Zunächst bezog er eine Kirchenwohnung in Seifhennersdorf. Seine Kräfte hätten ihn seit 1992 „in zunehmendem Maße verlassen“, formuliert der Generalvikar im Nachruf.

Die Dorfkirche und das Pfarrhaus von Wieste im Emsland: Dort verbrachte Erich G. seinen Priesterruhestand - und missbrauchte seine Neffen.
Die Dorfkirche und das Pfarrhaus von Wieste im Emsland: Dort verbrachte Erich G. seinen Priesterruhestand - und missbrauchte seine Neffen. © Lambert Brand

Angeblich wegen einer dort lebenden Tante zieht G. 1994 plötzlich ans andere Ende Deutschlands, ins Pfarrhaus Wieste. Und offenbar mit immer noch genügend Kräften ausgestattet, um neue Missbrauchstaten zu begehen. Das belegen Dokumente, die Sächsische.de eingesehen hat. Demnach vergeht er sich im Emsland an zwei seiner Großneffen aus Sachsen, an Matthias Vogel und dessen älterem Bruder Michael. Ihre wahre Identität ist der Redaktion bekannt. Sie muss jedoch geschützt werden, weil beide schwere Verwerfungen in ihrem sozialen Umfeld fürchten.

Die zwei ließen sich in den Sommerferien Ende der 1990er-Jahre als Teenager mehrmals vom Großvater zu G. ins Emsland bringen. Ihren Eltern mangelte es an Geld für einen Familienurlaub. Bereits zuvor hatte der Pfarrer den Jungs Reisen geschenkt, mal nach Teneriffa, mal nach Norwegen. Einen Urlaub spendierte er der gesamten Familie, die das dankbar und vertrauensvoll annahm.

Ein "seltsamer Hang zur Nacktheit"

Wie Klaus Reinhard fällt auch Matthias Vogel G.s „seltsamer Hang zur Nacktheit“ auf. Die Pfarrwohnung in Wieste sei eine „Nackedei-Zone“ gewesen. Tagsüber seien der Ruhestands-Pfarrer, der noch bis ins Jahr 2000 hinein Messen zelebrierte, und er ohne jede Bekleidung herumgelaufen. Vor dem Schlafen habe er seinen Großonkel befriedigen müssen. Das sei „das normalste der Welt“, habe G. ihm erklärt. Das sei „schön und richtig“. Das habe er auch schon in Neugersdorf mit seinen Ministranten so gemacht. All das aber müsse „unter uns bleiben“.

Vogel zufolge habe es zwar keinen unmittelbaren körperlichen Zwang gegeben, aber G. sei derart respektgebietend aufgetreten, dass er und sein Bruder es nicht gewagt hätten, sich aufzulehnen. Ihren Eltern hätten sie aus Scham nichts erzählt. Dass es einen Zeugen gibt, der sagt, sechs Jahre nach dem Fortzug wären mehrere Menschen an Erich G.s alter Wohnung in Seifhennersdorf aufgetaucht („Die standen auf einmal vor der Tür, das waren Missbrauchsopfer.“) – davon weiß Vogel nichts.

Kirche St. Joseph in 02727 Neugersdorf, Ernst-Thälmann-Straße 5. Honorarfrei für Produkte von sächsische.de und Sächsischer Zeitung. Foto: Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Kirche St. Joseph in 02727 Neugersdorf, Ernst-Thälmann-Straße 5. Honorarfrei für Produkte von sächsische.de und Sächsischer Zeitung. Foto: Rafael Sampedro/foto-sampedro.de © Rafael Sampedro

Die Übergriffe kommen erst 2011 heraus. Mehr als zwölf Jahre nach den Taten und eher zufällig. Sein Bruder hatte sich zunehmend von der katholischen Kirche abgewendet und weigerte sich nun, sein Kind taufen zu lassen. Die Eltern reagierten mit Verärgerung und Unverständnis. Bis Michael Vogel von Wieste erzählte. Nach der Offenbarung bricht die Familie jeden Kontakt zu G. ab.

Der jüngere Bruder Matthias wendet sich derweil ans Bistum. „Es verfolgt mich überall.“ Später räumt er ein, panische Angst davor zu haben, dass etwas öffentlich wird. Er habe das Gefühl, die Leute starrten ihn an. Fernab der Öffentlichkeit beginnt Dresden-Meißen ein kirchenrechtliches Verfahren gegen G. und bittet um Amtshilfe beim für Wieste zuständigen Bistum Osnabrück.

Dort ist Domkapitular Heinrich Silies zuständig. Er besucht G. Der beteuert, er hätte nie einen Hang zu Jungen gehabt. Die Missbrauchsvorwürfe streitet er ab und schreibt nach Dresden: „12 Jahre! Wer kann sich da noch erinnern.“ Der Fall müsse zugunsten seiner seelischen Verfasstheit ad acta gelegt werden, „damit Ruhe wird“. Er macht Krankheiten und Erinnerungslücken geltend Silies schreibt: „Er wird mauern und abwarten, weil er spürt, so am besten“ weiterzukommen.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelte im Fall Erich G. - und stellte das Verfahren nach rund sechs Monaten wegen Verjährung ein.
Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelte im Fall Erich G. - und stellte das Verfahren nach rund sechs Monaten wegen Verjährung ein. © PR

Ende April 2012 erstattet das Bistum Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt. Ein Amtsrichter vernimmt Matthias Vogel in seiner sächsischen Heimat. Danach schreibt er: „Mein seelischer Zustand ist sehr labil, und ich wünsche mir nur noch Frieden.“

Derweil befragt im Emsland eine Polizistin den Pfarrer G., laut Domkapitular Silies aber nicht mit Nachdruck. Das Bistum Dresden-Meißen will G. psychologisch untersuchen lassen. Der Priester aber lehnt ab, solange keine „Anklageschrift“ vorliege. Auch einer Gedächtnis-Prüfung erteilt er eine Absage.

Thomas Giesen und Heiner Koch greifen ein

Sechs Monate nach der Anzeige wird das Verfahren eingestellt. Einen sexuellen Missbrauch will die Staatsanwaltschaft zwar nicht ausschließen; der Betroffene Vogel aber könne sich nicht erinnern, ob es nach Juli 1998 noch zu Taten gekommen sei. Geschehnisse davor aber seien verjährt.

Die Kirche jedoch macht weiter. Im Juli 2012 bittet der damalige Dresdner Bischof und heutige Berliner Erzbischof Heiner Koch den Diözesanrichter von Osnabrück, eine offizielle Voruntersuchung einzuleiten. Denn: „Ein Stück seiner Krankheit scheint G. vorzutäuschen.“ Aber auch diesmal scheitert das Unterfangen. G. lehnt jeglichen Kontakt ab. „Ich will nichts mehr hören!“, teilt er mit. Anfang 2013 erhält Matthias Vogel nach Rücksprache mit der Deutschen Bischofskonferenz eine „Anerkennungsleistung“ über 4.000 Euro.

Der ehemalige Bischof von Dresden-Meißen und jetzige Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, hatte sich eigens auf den Weg ins Emsland gemacht, um Erich G. zu treffen. Doch der öffnete die Tür nicht.
Der ehemalige Bischof von Dresden-Meißen und jetzige Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, hatte sich eigens auf den Weg ins Emsland gemacht, um Erich G. zu treffen. Doch der öffnete die Tür nicht. © Archiv/Sven Ellger

Im Abschlussbericht des Bistums Osnabrücks heißt es, ob ein Missbrauch gemäß dem allgemeinen kirchlichen Recht strafrechtlich zurechenbar wäre oder ob zugunsten von G. Strafminderungsgründe geltend zu machen seien, könne wegen des Schweigens des Pfarrers nicht geklärt werden. Es wird empfohlen, das Verfahren der Glaubenskongregation in Rom zu übergeben. Als Matthias Vogel davon erfährt, schreibt er nach Dresden: „Warum wurde Rom erst jetzt informiert?“ Die Familie sei „zutiefst enttäuscht“.

Antwort erhält er von Bistums-Justiziar Thomas Giesen, der von 1992 bis 2003 Sachsens Datenschutzbeauftragter gewesen war. „Für schlimme Dinge kann die katholische Kirche schwerlich verantwortlich oder haftbar gemacht werden“, schreibt Giesen. „Wir alle wissen aus Erfahrung, dass auf Erden viel Unvollkommenheit zu ertragen ist. Mit viel Verständnis für Ihre schweren Bedrängnisse und mit freundlichen Grüßen verbleibe ich.“ Vogel antwortet, er wisse von mindestens fünf Opfern von Erich G. Giesen betont, es brauche „die uneingeschränkte intellektuelle Verhandlungsfähigkeit des Beschuldigten“ und „das Priestersein verliert ein Priester nie“.

Auch der ehemalige Bistumsjustiziar und Datenschutzbeauftragte von Sachsen, Thomas Giesen, hatte mit dem Fall Erich G. zu tun.
Auch der ehemalige Bistumsjustiziar und Datenschutzbeauftragte von Sachsen, Thomas Giesen, hatte mit dem Fall Erich G. zu tun. © Jürgen Lösel

Der Pfarrer von Vogels Gemeinde fährt nach Wieste. Ohne Ergebnis. Bischof Koch schaltet sich erneut ein, und bittet Erich G. brieflich um ein versöhnendes Gespräch mit der Familie. Nichts geschieht. Schließlich macht sich der Bischof selbst auf den Weg ins Emsland. Doch G. öffnet nicht einmal seinem Bischof die Tür. Nach all den Jahren wird G. die kirchliche Strafe auferlegt, täglich einen Rosenkranz zu beten. Zudem solle er karitative Projekte unterstützen. Die Ermittlungen, das Verfahren und damit auch die Aufarbeitung der Taten von Erich G. sind damit abgeschlossen.

Klaus Reinhard aus Riesa wusste nichts von all dem, als er seinen Fall beim Bistum schilderte. Sein Trauma brach erst wieder auf, als 2010 der sexuelle Missbrauch von Kindern am Canisius-Kolleg der Jesuiten in Berlin publik wurde. „Seitdem beschäftigte mich das, und heute denke ich jeden Tag daran.“

Eine Institution mit zweierlei Maß?

Er stehe bislang zu seiner Kirche. „Ich will auch weiterhin katholisch bleiben, aber ich will Veränderung.“ Für ihn misst die Institution mit zweierlei Maß. „Wenn ein Pfarrer eine Frau liebt, dann ist der sofort weg. Kinderschänder werden nur versetzt oder bekommen auferlegt, ‚nix mehr mit Kindern machen‘“. Sie sollten aber sofort ihres Amtes enthoben werden. Schon bei ihrer Einstellung müsse genau hingeguckt werden.

Reinhard überlegt noch, ob er eine Entschädigung fordern wird. Nicht für sich, sondern für Präventionsprojekte in seiner Gemeinde wie Kinder-Starkmachkurse oder die Aufklärung von Missbrauchstaten. Wie Vogel fürchtet auch er eine Stigmatisierung. Und eine Spaltung der Gemeinde in solche, die ihm beispringen würden und jene, die ihn als Nestbeschmutzer ansehen könnten.

Dieses Priestergrab in Heidenau soll eingeebnet werden. Der Grund: Der langjährige Pfarrer hat über Jahre hinweg Kinder missbraucht.
Dieses Priestergrab in Heidenau soll eingeebnet werden. Der Grund: Der langjährige Pfarrer hat über Jahre hinweg Kinder missbraucht. © Ulrich Wolf

Er schaut deshalb genau, was sich in der St.-Georg-Gemeinde in Heidenau tun wird. Dort soll erstmals in der katholischen Kirche Deutschlands das Grab eines Priestertäters eingeebnet und ab Juni die Aufarbeitung öffentlich debattiert werden. Das hält Reinhard für wegweisend. Nach Informationen von Saechsische.de will das Bistum Dresden-Meißen vom Spätsommer an mit einer Aufarbeitung in Riesa beginnen.

Ob das im Fall von Erich G. noch möglich ist? Es ist unklar, ob er außer in Riesa an seinen fünf Kaplan- und Pfarrstellen in Sachsen weitere Taten beging. Das Bistum Dresden-Meißen hat nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse dazu; es hat aber bislang auch nicht gezielt danach geforscht.

Der Pfarrer, der das mit seinen Ministranten in Neugersdorf auch schon „so gemacht“ haben will, erlitt kurz vor seinem Tod einen Schlaganfall. Er kam in ein Pflegeheim, wo er starb.

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Pastor Josef Wilken von der für Wieste zuständigen Pfarreiengemeinschaft gehörte zu den Geistlichen, die ihm das letzte Geleit gaben. Er sagt: „Ich kannte ihn kaum und habe ihn als sehr distanziert erlebt.“ Das Grab von Erich G. soll jedoch nicht dauerhaft stein- und namenlos bleiben, sagt Pastor Wilken. „Wir haben einen langsamen Steinmetz. Und es ist niemand da, der da Druck machen würde.“

*Namen von der Redaktion geändert. Die wahren Identitäten sind ihr bekannt.

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