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Sachsen

Kleiderkammern in Sachsen sind gut gefüllt

Warme Wintergarderobe ist für manche kaum erschwinglich. In Kleiderkammern können sie sich aber ausstatten. Viele Spenden sind aber nicht nur gut.

ARCHIV - 01.06.2018, Hennigsdorf: Kleidung liegt in den Regalen einer Kleiderkammer. (zu dpa «Kleiderkammern in Sachsen sind gut gefüllt») Foto: /dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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ARCHIV - 01.06.2018, Hennigsdorf: Kleidung liegt in den Regalen einer Kleiderkammer. (zu dpa «Kleiderkammern in Sachsen sind gut gefüllt») Foto: /dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa-Zentralbild © Ralf Hirschberger/dpa

Dresden. Mäntel, Mützen, Schals: Vor Beginn der kalten Wochen sind die Kleiderkammern der Wohlfahrtsorganisationen in Sachsen gut gefüllt. Die Spenden an Textilien sind gestiegen, sagte die Sprecherin des Diakonischen Werkes in Sachsen, Sigrid Winkler-Schwarz, in Radebeul bei einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei Kleiderkammern. "Offenbar haben viele Menschen die freie Zeit während der Corona-Krise genutzt, ihre Schränke durchzusehen und Kleidung auszusortieren."

Die Nachfrage sei unterschiedlich, sagte Winkler-Schwarz. An manchen Kleiderkammern werde ein Rückgang beobachtet, bei anderen wieder nehme sie zu. Dort, wo wie etwa bei den vier Sozialkaufhäusern in der Region von Mittweida (Mittelsachsen) Zuwachs zu verzeichnen sei, kämen jetzt auch jüngere Kunden. Dabei sei jedoch nicht klar, ob diese von finanziellen Nöten getrieben würden oder sie nur aus Überzeugung einen nachhaltigeren Lebensstil praktizieren wollten.

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Das DRK in Sachsen betreibt landesweit nach eigenen Angaben noch 57 von ehemals 75 Kleiderkammern und Kleiderläden sowie Kleiderstellen in Sozialstationen und Gebrauchtwarenläden.

Das DRK wolle auch künftig an den Kleiderkammern festhalten, obwohl es immer schwieriger werde, diese kostendeckend zu betreiben, sagte DRK-Sprecher Kai Kranich. "Die Kleiderkammern gelten als unverzichtbar. Es geht um Hilfe für Bedürftige, um Kleidung für die Ärmsten. Das gehört zum Grundanliegen des DRK." Es sei auch nicht beobachtet worden, dass sich Helfer, die in den Kleiderkammern mit zur Hand gingen, aus Furcht vor einer Corona-Infektion zurückgezogen hätten. "Das Engagement der Menschen ist groß - trotz der Corona-Pandemie."

Probleme mit zu vielen Alttextilien

Das Aufkommen an Altkleidern sei in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, sagte Kranich. Wegen der großen Menge an Alttextilien, die den Markt überschwemmten, sei es kaum mehr möglich, unbrauchbare Bestände an Resteverwerter-Unternehmen zu veräußern. Aus solchen Erlösen seien bisher die Unkosten der Kleiderkammern gedeckt worden. Das sei nun nicht mehr möglich. Es entstünden sogar zusätzliche Kosten, weil nicht mehr brauchbare Kleidung - diese mache bei Altkleidercontainern bis zu 70 oder 80 Prozent des Inhalts aus - aufwendig entsorgt werden müsse.

Deshalb werden laut Kranich Alternativen zu den Containern überlegt. Denkbar sei etwa, dass an den Ausgabestellen Kleiderspenden auch angenommen werden. So könne die Ware gleich vorsortiert werden.

Auch in der Kleiderkammer der Ökumenischen Kontaktstube für Wohnungslose - Leipziger Oase ist das Spendenaufkommen hoch. Oase-Leiter Benjamin Müller beklagt jedoch ebenfalls die sinkende Qualität der Altkleider. "Wir werden von Massen schlechter Ware geflutet." Das sei vor allem Kleidung der "Fast Fashion" - der "schnellen Mode". Diese sei oft billig, einfach und schnell hergestellt worden, nur für eine Saison gedacht und nach einigen Waschgängen kaum mehr zu gebrauchen.

In der Kleiderkammer des Malteser Hilfsdienstes in Annaberg-Buchholz ist jetzt vor allem warme Winterbekleidung gefragt. "Im Erzgebirge kann es im Winter empfindlich kalt werden", sagte Dienststellenleiterin Jana Hering. "Es gab schon Schnee." Doch das Lager der Kleiderkammer sei gut gefüllt, es habe mehr Spenden gegeben. "Wir haben mehr freiwillige Helfer als sonst gebraucht, um die Kleidungsstücke durchzusehen", hat Hering festgestellt. Ein Problem sei das nicht gewesen, denn es gebe viele Freiwillige, die mit anpackten. Die Spender brächten die Sachen selbst vorbei. Nur etwa 10 Prozent davon sei nicht zu gebrauchen. "Die meisten Menschen geben die Sachen in der Regel ordentlich gewaschen und gebügelt ab." (dpa)

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