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Gemeinwohl statt Kapitalmaximierung

Cordula Weimann ist 61 Jahre alt, lebt bei Leipzig und ist Atemtherapeutin. Sie wünscht sich eine schöne Zukunft für ihre Kinder und Enkelkinder.

Cordula Weimann ist die Gründerin der Vereinigung "Omas for Future", die sich mittlerweile in ganz Deutschland ausgebreitet hat
Cordula Weimann ist die Gründerin der Vereinigung "Omas for Future", die sich mittlerweile in ganz Deutschland ausgebreitet hat © Jürgen Lössel

Weshalb ist es Ihnen wichtig, sich für die Umwelt einzusetzen?

Der erste Impuls kam, als ich plötzlich begriff, dass das Pariser Abkommen, 1,5 Grad Erwärmung möglichst nicht zu überschreiten, mit dem derzeitigen Kurs von Politik und Wirtschaft nicht eingehalten werden kann. Schon in 6-7 Jahren werden wir 1,5 Grad erreicht haben laut Weltklimarat (IPCC).

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Die zweite, noch tiefer gehende Erfahrung war die plötzliche Erkenntnis, dass ich mit jedem Tag, den ich so weiterlebe wie bisher, dazu beitrage, dass meine Kinder und Enkel keine so lebenswerte und friedvolle Erde haben werden wie ich. Das hat mich geschockt!

Es war grotesk: Die Menschen, die ich liebe und für deren Wohl ich mich in meinem Leben so eingesetzt habe, werden nicht so in Frieden und Ruhe leben können wie ich. Weil wir – auch ich - mit unserem Wohlstand die Erde seit Jahrzehnten im Übermaß beanspruchen und in vielen Bereich zerstören.

Diese wunderschöne Erde wird für Geld und Gier geopfert und zerstört – das hat mich zutiefst erschüttert. Umdenken war angesagt – Handeln gefragt. Was ich nun noch für meine Kinder und ihre Zukunft tun konnte war, möglichst viele Menschen zu informieren, mit welchem Verhalten und in welchem Ausmaß jeder zur Klimaerwärmung beiträgt und einfache Tipps zu geben, die jeder umsetzen kann.

„Jeder ist betroffen. Jeder ist beteiligt. Jeder kann etwas tun.“ Und mir war auch klar: Wir brauchen die Natur. Aber die Natur braucht uns nicht. Für uns geht es ums Überleben – die Natur überlebt in jedem Fall. Da die Fridays, Parents, Scientists und so weiter schon wirksamen Druck auf die Politik machen, beschloss ich, die Klimawende von unten zu initiieren: Ich gründete die Omas for Future.

Handeln! Aus Liebe zum Leben. Mit unserem großen Omas for Future-Herz sind wir gut zu erkennen.

Welche Aktionen haben Sie bereits begleitet beziehungsweise wie sind Sie in diesem Zusammenhang aktiv? Seit wann sind Sie aktiv?

Gestartet bin ich im September 2019, im Oktober traf sich die erste Ortsgruppe Omas for future in Leipzig. Seitdem sind wir – trotz Corona – auf 35 aktive Gruppen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden angewachsen – Omas und Opas, Mütter und Väter im Einsatz für ihre Kinder und Enkel.

Generell unterstützen wir alle Demonstrationen der Fridays. Darüber hinaus ist jede Ortsgruppe für sich sehr aktiv. Speziell Leipzig: Am Black Friday Ende November 2019 sammeln wir in Leipzig 1000 Wunschzettel von Bürgern mit Wünschen an Politik in Stadt und Land, legen daraus in der Fußgängerzone einen großen Tannenbaum. Im Januar übergeben wir die Wunschzettel an Ministerpräsident Kretschmar sowie Umweltminister Günther in Dresden.

Omas for Future-Gründerin Cordula Weimann bei einer Demonstration in Leipzig.
Omas for Future-Gründerin Cordula Weimann bei einer Demonstration in Leipzig. © privat/Katrin Schwurack

Vorträge und Infoveranstaltungen in Leipzig und Chemnitz folgen – vor jung und alt. Für alle Ortsgruppen haben wir mittlerweile eine umfangreiche wissenschaftliche Datenbank zur „Klimawende von unten“ angelegt und haben daraus in monatelanger Arbeit eine Bildungskampagne entwickelt, die den Bürger über Herzkarten und Wanderausstellungen im Frage/Antwort-Format zu den ganz konkreten Auswirkungen unseres Verhaltens auf die Natur informiert. Weitere Antworten finden sich auf unserer Webseite. Diese Wanderausstellungen sind bereits in einigen Orten in Deutschland und demnächst auch in Österreich gestartet. Im Frühjahr auch über Instagramm und Facebook.

In der Arbeitsgemeinschaft „StoryTelling - Öffentlichkeitsarbeit schreiben wir Oma-Enkel-Kolumnen im Story-Telling-Format, die bereits in mehreren Zeitungen erscheinen. Die einzelnen Ortsgruppen machen Aktionen, indem sie Klimapäckchen verteilen, in Corona-Zeiten Mahnwachen veranstalten und vieles Anderes.

In der Gruppe Leipzig gibt es neben der Projektgruppe Quiz und Bürgernähe, sowie der Projektgruppe Öffentlichkeit auch die Projektgruppe „Leipzig pflanzt“. Sie will 600.000 Bäume für Leipzig in den nächsten 10 Jahren pflanzen und hat die ersten 3000 Bäume nun im Herbst mit Leipziger Bürgern gepflanzt.

Was ärgert Sie an der derzeitigen (Umwelt-)Situation am meisten?

Dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nicht konsequent genug handeln und dass die Bürger nicht ständig und an jeder Ecke informiert werden, wie es wirklich um unsere Erde steht. Informieren, dass wir jetzt noch eine Chance haben, unter 2 Grad zu bleiben. Corona hat gezeigt, dass es möglich ist, konsequent zu handeln.

Die Gefahr durch Klimaerwärmung und Artensterben ist existentiell für Alle – nicht nur für Einige wie bei Corona. Wir müssen heute die Weichen stellen, damit wir in 10 Jahren den CO2 Ausstoss um mehr als 60% reduziert haben. Die nächsten 3 Jahre sind entscheidend ob wir unter 2 Grad bleiben. Wir sind ein Wohlstandsland, und trotzdem sind andere Länder sind viel weiter als wir.

Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft? Was wünschen Sie sich von der Politik beziehungsweise der Gesellschaft?

Mehr Information, was der Einzelne wirksam für das Klima tun kann und muss. Damit der Einzelne seine Verantwortung für unsere Zukunft erkennt und seinen Lebensstil anpasst.

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