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Köpping legt Gesetz zur Landarztquote vor

Wer Arzt werden will und sich bereit erklärt, aufs Land zu gehen, hat in Sachsen gute Karten bei der Studienplatzvergabe. Mediziner äußern Kritik und Zustimmung.

In Sachsen droht in 21 von 48 Planungsbereichen die drohende Unterversorgung im hausärztlichen Bereich.
In Sachsen droht in 21 von 48 Planungsbereichen die drohende Unterversorgung im hausärztlichen Bereich. © Soeren Stache/dpa

Dresden. Mehr als ein Viertel der sächsischen Hausärzte ist älter als 60 Jahre und geht demnächst in den Ruhestand. Vor allem in ländlichen Regionen könnte das die medizinische Versorgung weiter ausdünnen. Um gegenzusteuern, hat Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) den Entwurf für das Gesetz zur Stärkung der ärztlichen Versorgung im Freistaat vorgelegt. Kernpunkt ist die Einführung einer Landarztquote.

So sollen pro Jahr bis zu 50 Bewerberinnen und Bewerber einen Medizin-Studienplatz erhalten und sich im Gegenzug zu zehn Jahren vertragsärztlicher Versorgung auf dem Land verpflichten. Halten die Mediziner das nicht ein, droht eine Vertragsstrafe von bis zu 250.000 Euro, heißt es in der Begründung des Gesetzentwurfs, der dem Landtag zur Abstimmung vorliegt.

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Auswahl ohne Numerus Clausus

Ausgewählt werden sollen die künftigen Ärzte im Rahmen eines zweistufigen Verfahrens ohne den sonst üblichen Numerus Clausus. Dabei spielen zwar auch Noten, das Ergebnis eines Eignungstests und eventuelle Erfahrungen im Gesundheitswesen etwa durch eine entsprechende Ausbildung oder Freiwilligendienst eine Rolle. Zudem sollen jedoch persönliche Eigenschaften wie kommunikative Kompetenz und Empathie berücksichtigt werden. Ministerin Köpping betont: „Wir wollen dringend erforderliche Maßnahmen einleiten, um angesichts des drohenden Ärztemangels eine möglichst wohnortnahe medizinische Versorgung der Menschen im ländlichen Raum sicherzustellen.“

Das Sozialministerium verweist auf eine Einschätzung des Landesausschusses der Ärzte und Krankenkassen Sachsen. Demnach sei für 21 von 48 Planungsbereichen die drohende Unterversorgung im hausärztlichen Bereich festgestellt worden. „Besonders betroffen sind die Regionen Vogtland, Erzgebirge/Mittelsachsen, Nordsachsen, Westsachsen und Niederschlesischer Oberlausitzkreis“, heißt es in der Gesetzesbegründung. Zwar werden den Angaben zufolge jährlich 570 Ärzte ausgebildet. Allerdings entschieden sich zu wenige für die Laufbahn als Facharzt für Allgemeinmedizin. Lediglich 71 Absolventen hätten 2019 diese Prüfung abgelegt.

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Die im Rahmen einer Anhörung Beteiligten äußern Kritik und Zustimmung. Grundsätzliche Zustimmung kommt von der Landesdirektion, die für das Auswahlverfahren zuständig sein soll, und der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Medizinische Fakultät der TU Dresden befürchtet eine „stigmatisierende Wirkung“ durch die Quote und fordert generell bessere Arbeitsbedingungen für Allgemeinärzte. Die Bundesvertretung Medizinstudierender lehnt die Quote ab, deren Wirkung erst in zehn bis 15 Jahren einsetze.

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