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Kohle-Alarm im Landtag

Warum es gefährlich wird, wenn sich unsere Politiker endlich mal einig sind - eine satirische Kolumne.

Sachsens früherer Landeschef Tillich soll künftig den Kohlerevieren in der Ukraine helfen. Dieses und andere Themen kommentiert SZ-Redakteur Gunnar Saft.
Sachsens früherer Landeschef Tillich soll künftig den Kohlerevieren in der Ukraine helfen. Dieses und andere Themen kommentiert SZ-Redakteur Gunnar Saft. ©  [M] dpa/ SZ

EINE kurze Durchsage für alle politikinteressierten Bürger: Unsere schwarz-grün-rote Landesregierung ist immer noch im Amt und sie agiert weiter, wie wir es gewohnt sind. Als beispielsweise CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer diese Woche eine neue knallharte Corona-Vorgabe machte, dauerte es keine vier Minuten, bis ihm sein SPD-Stellvertreter Martin Dulig öffentlich komplett widersprach.

Sie sehen, für Panik gibt es keinen Grund, im Gegenteil. Wir können uns weiterhin aussuchen, was uns lieber ist: Die einen nehmen das Hü, die anderen lieber ein Hott. Perfekt! Schlimm wird es nur, wenn sich die Regierungs-Oberen plötzlich mal einig sind und wir keine Auswahl mehr haben. Dann schlage ich an dieser Stelle sofort Alarm, versprochen!

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KEINE Wahl hatte dann bereits Ex-Ministerpräsident Stanislaw Tillich. Nachdem ihm die Bundesregierung jetzt einen neuen Spitzenjob angeboten hat, musste er einfach Ja sagen. Der CDU-Politiker, der einst neun Jahre lang Sachsens Regierungschef war, macht künftig erneut in Kohle. Tillich wird „Sonderbeauftragter der Bundesregierung für den Strukturwandel in den ukrainischen Kohleregionen“. Glückwunsch! Ein eindrucksvoller Titel, der bestimmt sowohl Vorder- als auch die Rückseite der neuen Visitenkarten beansprucht.

Und wir Sachsen haben auch etwas davon. Wenn Herr Tillich irgendwann das Kohlerevier in der Ukraine deutschgründlich aufgeräumt hat, kann er uns mit den dabei gewonnen Erfahrungen beim überfälligen Strukturwandel in den sächsischen Kohleregionen helfen. Wenn Herr Kretschmer dafür ist und Herr Dulig dagegen, kann die Sache eigentlich nicht mehr schiefgehen.

Die Kenia-Kämpfer bleiben standhaft

DASS es sich wahrhaft lohnt, in der Politik konsequent auf seiner Meinung zu beharren, beweisen zurzeit unsere Landtagsabgeordneten aus den Regierungsfraktionen von CDU, Grünen und der SPD. Monatelang haben sie zu hören bekommen, dass eine Diätenerhöhung in Corona-Zeiten genauso wenig geht wie eine zusätzliche Aufstockung der eigenen Fraktionskassen – Dinge, die den Steuerzahler künftig jedes Jahr fast neun Millionen Euro kosten.

Und was machen die aufrechten Kenia-Kämpfer: Sie halten tapfer durch! Kein Wanken und kein Weichen. Das lob ich mir. In zwei Wochen haben sie es endgültig geschafft, dann dürfen sie im Parlament dem neuen Diäten- und Zuschüsse-Erhöhungs-Gesetz ihren Segen geben Was für eine Bescherung kurz vor Weihnachten. Das hat man halt davon, wenn man sich einig ist. Einig?? Politiker?? Liebe Leser, es ist so weit! Die Katastrophe naht und ich drücke hier an der Stelle wie versprochen den Alarmknopf.

Mail an Gunnar Saft

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