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Kommunen in Sachsen bremsen bei Bauvorhaben

Sachsens Kommunen bauen weniger und Bauunternehmen leiden unter den Stornierungen. Der Grund sind teils deutlich gestiegene Preise. Projekte werden gestreckt, verschoben oder gestrichen.

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In Sachsen lassen die Kommunen viel weniger bauen, was Auswirkungen auf die Bauunternehmen hat.
In Sachsen lassen die Kommunen viel weniger bauen, was Auswirkungen auf die Bauunternehmen hat. © Soeren Stache/dpa (Symbolbild)

Dresden. Die Unternehmen der sächsische Bauindustrie müssen verstärkt gegen Auftragsstornierungen oder die Verzögerung von Bauaufträgen kämpfen. Etwa jedes fünfte Unternehmen (20,5 Prozent) sei betroffen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost, Robert Momberg. Das sei verglichen mit dem bundesweiten Durchschnitt von 9,1 Prozent im April ein etwa doppelt so hoher Anteil. Zudem berichteten die Unternehmen von einem schärfer werdenden Preiskampf bei Ausschreibungen. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Kommunen zeigt, dass viele Projekte wegen gestiegener Bau- und Finanzierungskosten gestoppt wurden.

"Prinzipiell blicken die Bauunternehmer derzeit mit Sorgenfalten in die Zukunft, da neben den hohen Energie- und Baumaterialpreisen die steigenden Zinsen und das schleppende Ausschreibungsverhalten keinen verlässlichen Planungshorizont bieten", sagte Momberg.

In Dresden hat die kommunale Wohnungsbaugesellschaft "WiD - Wohnen in Dresden" wegen der gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten die meisten Neubauprojekte im Sommer 2022 gestoppt. Schon begonnene Baustellen sollen jedoch zu Ende gebracht werden, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Zwei Projekte mit zusammen 130 Wohnungen wurden auf Eis gelegt, obwohl die Mittel aus der Landesbauförderung schon zugesagt waren. Für weitere drei Projekte mit zusammen weiteren rund 300 Wohnungen wurde wegen jetzt fehlender Wirtschaftlichkeit erst keine Fördermittel beantragt.

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Dem Rotstift zum Opfer gefallen sind der Neubau des Veterinär- und Lebensmittelamtes sowie die Modernisierung zweier Rathäuser in den Stadtteilen Cotta und Pieschen sowie eines Ärztehauses in der Dresdner Neustadt. Der Arbeiten am neuen Stadtforum, einem neuen, großen Verwaltungskomplex, seien bisher nicht betroffen, hieß es. Dort sei ein Pauschalfestpreis vereinbart worden. Teurer als geplant werde unter anderem der Bau einer neuen Straßenbrücke über die Prießnitz in der Neustadt, einem kleinen Flüsschen, das in die Elbe mündet.

Baupreise haben sich teils verdoppelt

"Dass sich die Situation am Markt deutlich verändert hat, spüren wir bei nahezu allen kommunalen Bauprojekten", sagte eine Sprecherin der Stadt Leipzig. "So kommt es vor, dass auf Ausschreibungen keine oder nur wenige Angebote eingehen und die Ausschreibungen wiederholt werden müssen, was zu Verzögerungen führt." Teilweise hätten sich noch während eines Ausschreibungsverfahrens die Kosten so verändert, dass Ausschreibungen wiederholt werden mussten. Andere Projekte wie etwa die Modernisierung der Zeppelinbrücke hätten sich verzögert. Die Sanierung der Landsberger Straße sei vorerst abgesagt.

"Die Baupreisentwicklungen der vergangenen 14 Monate wurden intensiv
beobachtet und regelmäßig ausgewertet", sagte eine Sprecherin des Stadt Chemnitz. Dabei seien zeitweise Kostensteigerungen bis zu 100 Prozent beobachtet worden. Auch bei den Baumaterialien habe es große Preisschwankungen gegeben - vor allem bei Stahl. Die Stadt müsse deshalb bei den Berechnungen einen Risikoaufschlag einkalkulieren. Wenn jedoch Projekte nicht mehr wirtschaftlich seien oder eine Finanzierung nicht mehr sinnvoll begründet werden könne, müssten Bauvorhaben angepasst oder gar gestrichen werden.

Deswegen seien auch in Chemnitz Ausschreibungen aufgehoben worden. Ein Projekt, ein geplanter Schulneubau, sei nach dem Start der Tiefbauarbeiten abgebrochen worden.

Unsicherheit, Kostensteigerung und hohe Zinsen

In Plauen im Vogtland mussten laut dem Leiter der Gebäude- und Anlagenverwaltung, Peter vom Hagen, bis jetzt noch keine geplanten Bauvorhaben gestrichen worden. "Alle Bauvorhaben sind heute teurer als noch vor wenigen Jahren." Für den Neubau der Neuen Elsterbrücke mussten Stadt und Land Geld nachschießen. Der Neubau der Brücke über die Syra wurde hingegen gestoppt, sie soll nun lediglich saniert werden.

In Görlitz wurden unter anderem beim neuen Gewerbegebiet Schlauroth die Eigenmittel für den dritten Bauabschnitt schon für den zweiten verbraucht. Für den dritten Abschnitt soll im neuen Haushalt neu Geld eingeplant werden.

Die Sächsischen Wohnungsgenossenschaften haben laut Verband ihre Investitionen zurückgefahren. In den vergangenen Jahren seien im Genossenschaftsbestand jährlich 300 bis 500 Wohneinheiten neu gebaut worden, 2022 und 2023 würden es laut einer Prognose deutlich unter 300 sein, hieß es. Die Ursache seien: Unsicherheit, Kostensteigerung und gestiegenes Zinsniveau. "Wir stellen aber derzeit auch fest, dass kaum neue Projekte angeschoben werden", sagte der Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, Mirjam Philipp. (dpa)