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Sachsen

Küken-Rettung durch Blick ins Ei

Männlichen Küken droht ein früher Tod. Eine Methode aus Sachsen soll nun helfen.

Weil sie weder brüten noch Fleisch ansetzen, werden männliche Küken oft getötet. Wissenschaftler wollen es nicht soweit kommen lassen.
Weil sie weder brüten noch Fleisch ansetzen, werden männliche Küken oft getötet. Wissenschaftler wollen es nicht soweit kommen lassen. © Bernd Wüstneck/zb/dpa

Das millionenfache Kükensterben hat bald ein Ende. In gut einem Jahr, ab 1. Januar 2022, soll das Töten von männlichen Eintagesküken in Deutschland verboten werden. Rund 45 Millionen von ihnen werden hierzulande jedes Jahr getötet. Sie landen in speziellen Schreddermaschinen oder werden mit Gas umgebracht. Der Grund: Die kleinen Hähnchen können weder Eier legen noch setzen sie genug Fleisch bei der Mast an. Dresdner und Leipziger Wissenschaftler haben eine Lösung gefunden, die die Küken vor ihrem Schicksal bewahrt.

Eine Forschungsgruppe der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und der Klinik für Vögel und Reptilien der Universität Leipzig haben eine Methode entwickelt, mit der sich wenige Tage nach der Befruchtung feststellen lässt, ob in dem Ei eine Legehenne heranwächst oder ein männliches Tier. Diese Erkenntnisse sollen nun in die Praxisreife überführt werden, um das Kükensterben zu beenden. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium fördert dazu eine Fortsetzung des Projektes der Technischen Universität Dresden.

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Schon seit einigen Jahren wird intensiv über das Töten der Eintagesküken diskutiert. Das Vorgehen birgt ethische Konflikte und steht im Widerspruch zu geltenden Tierschutzgesetzen. Um diese Situation zu entschärfen, ist ein kostengünstiges, schnelles und zuverlässiges Verfahren erforderlich, mit dem die Geschlechtsbestimmung bereits zu Beginn des Brutprozesses durchgeführt werden kann.

Das Blut macht den Unterschied

Bereits 2013 hatte eine gemeinsame Forschungsgruppe der Dresdner und Leipziger Universitäten damit begonnen, das neue Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei zu entwickeln. Es beruht auf einer optischen Methode, dem sogenannten spektroskopischen Sexen von Bruteiern. Analysegegenstand ist unter anderem das Blut, das sich bei weiblichen und männlichen Embryonen in seiner molekularen Zusammensetzung unterscheidet. Dazu wurden bebrütete Hühnereier innerhalb einer kleinen Schalenöffnung mit Licht einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt.

Das zurückgeworfene Lichtspektrum wurde registriert und lässt – beseitigt um alle störenden Einflüsse – eindeutige Rückschlüsse auf das Geschlecht des Embryos zu. „Die Analyse mit dem spektroskopischen Sexen von Bruteiern funktioniert momentan bei Eiern, die circa dreieinhalb Tage bebrütet wurden“, erklärt Gerald Steiner, Professor und Koordinator des Forschungsprojektes.

Die Zeit spielt eine wichtige Rolle

In der Fortsetzung des Projekts, für die das niedersächsische Landwirtschaftsministerium knapp eine Viertelmillion Euro bereitstellt, soll das Verfahren nun in die Praxis überführt werden. „Ganz konkret bedeutet es, dass wir die Methode für Eier entwickeln, die circa fünf Tage bebrütet sind“, erläutert Steiner weiter. „Diese spätere Geschlechtsbestimmung wird von den Großbrütereien als vorteilhaft angesehen.“ Sie benötigten dann nur Spektrometer und eine Datenauswertung, um Eier mit männlichen Embryonen sofort zu erkennen und auszusortieren. Sie könnten als wertvolle Eiweißquelle beispielsweise zu Tierfutter weiterverarbeitet werden. Die neue Testmethode ist sehr schnell, so lassen sich die 15 Eier pro Reihe einer Standardpalette potenziell innerhalb weniger Sekunden kontrollieren.

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Zeit spielt bei dieser Methode eine wichtige Rolle. „Uns war es wichtig, ein Verfahren zu entwickeln, das eine Geschlechtsbestimmung vor dem kritischen Tag sieben ermöglicht“, äußerte sich jetzt auch Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) zum Verfahren. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist davon auszugehen, dass das Schmerzempfinden des Hühnerembryos nach dieser Zeit beginnt. „Aufgrund der hohen Tierzahlen sehe ich Niedersachsen dabei besonders in der Verantwortung“, begründet die Politikerin die finanzielle Beteiligung ihres Bundeslandes an dem Forschungsprojekt. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) plant eine entsprechende Änderung des Tierschutzgesetzes, mit dem Brütereien die Tötung von Eintagesküken ab dem 1. Januar 2022 verboten wird.

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