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Lebende Arzneimittel gegen Krebs künftig aus Sachsen

Das sächsische Zentrum für Zell- und Gentherapie wird für einen neuen Therapieansatz gefördert.

Bei Leukämie wurde bisher vor allem die Chemotherapie zur Behandlung eingesetzt, auch bei Kindern.
Bei Leukämie wurde bisher vor allem die Chemotherapie zur Behandlung eingesetzt, auch bei Kindern. © Matthias Balk/dpa

Leukämie, eine aggressive Form des Blutkrebses, kann immer erfolgreicher behandelt werden. Ein neuer Therapieansatz sind sogenannte lebende Arzneimittel, die voraussichtlich ab Oktober im Innovationsnetzwerk Saxocell entwickelt werden. Das Bundesforschungsministerium fördert das neue sächsische Zentrum für Zell- und Gentherapie, zu dem das Klinikum Chemnitz sowie die Unikliniken Dresden und Leipzig gehören, für die nächsten drei Jahre.

Zu den lebenden Arzneimitteln gehören auch die sogenannten CAR-T-Zellen – Zelltherapeutika, die bereits am Standort Leipzig hergestellt werden. Sie nutzen die Selbstheilungskräfte des Körpers besser aus. „Bei dieser Behandlung werden dem Patienten eigene Abwehrzellen entnommen und genetisch so verändert, dass sie die Krebszellen angreifen und abtöten“, erklärt Dr. Mathias Hänel, Chefarzt der Klinik für Hämatologie am Klinikum Chemnitz. Im Uniklinikum Dresden, das mit Chemnitz in der Leukämiebehandlung zusammenarbeitet, und in der Uniklinik Leipzig wird diese Therapie bereits erfolgreich eingesetzt. Doch sie ist sehr teuer.

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„Saxocell will neue Technologien in die klinische Anwendung überführen, um bislang unheilbare Erkrankungen behandeln zu können“, sagt Ulrike Köhl, Professorin für Immunonkologie an der Universität Leipzig. Durch Automatisierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sollen die Verfahren so effizient gestaltet werden, dass sie für viele Patienten zugänglich sind.

Pro Jahr erkranken etwa 3.000 Sachsen an Blutkrebs. Im Schnitt kann heute jeder zweite Patient unter 60 Jahren und jeder fünfte über 60 geheilt werden. Mit immer zielgerichteteren Verfahren sollen die Überlebenschancen steigen und die Nebenwirkungen weiter reduziert werden. „Wir wollen irgendwann einmal von der Chemotherapie wegkommen, doch das wird noch dauern“, sagt Professor Martin Bornhäuser, Direktor der Klinik für Hämatologie am Uniklinikum Dresden. Geforscht werde auch an einer „echten Genreparatur“. Bislang nur unter Laborbedingungen könne man defekte Genstränge mithilfe sogenannter Genscheren entfernen und durch gesunde ersetzen.

„In fünf bis zehn Jahren ist das möglicherweise schon Realität“, so Bornhäuser. Das Bundesforschungsministerium hatte das sächsische Zentrum für Zell- und Gentherapie Saxocell im Februar im Rahmen eines Wettbewerbes ausgewählt – als eines von sieben geförderten Konsortien, gegenüber 137 eingereichten Bewerbungen. Jetzt wird mit Hochdruck daran gearbeitet, dass das Zentrum ab Herbst seine Arbeit aufnehmen kann. Dann beginnt die erste von drei Projektphasen, die zunächst mit 15 Millionen Euro gefördert wird. Läuft alles gut, kann Saxocell in den kommenden neun Jahren eine Förderung von 45 Millionen Euro erhalten.

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Nicht nur für die Behandlung von Krebspatienten in Sachsen ist das ein Meilenstein. Ziel von Saxocell sei es auch, die regionale biomedizinische und biotechnologische Industrie zu stärken und durch Ansiedlungen und Start-ups weiter auszubauen. Auch pharmazeutische Industrie könnte sich in Sachsen etablieren.

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