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Sachsen

Maschendrahtzaun gegen kranke Schweine

Großeinsatz gegen die Afrikanische Schweinepest: Nach dem Abschuss eines infizierten Wildschweins im Kreis Görlitz wird an der Neiße ein Zaun gebaut.

Ehrenamtliche Mitglieder des Technischen Hilfswerks (THW) und Soldaten der Bundeswehr errichten nahe Krauschwitz einen festen Zaun in einem Wald nahe dem Grenzfluss Neiße.
Ehrenamtliche Mitglieder des Technischen Hilfswerks (THW) und Soldaten der Bundeswehr errichten nahe Krauschwitz einen festen Zaun in einem Wald nahe dem Grenzfluss Neiße. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild

Von Miriam Schönbach

Krauschwitz. Die weißen Schilder am Waldrand sind deutlich. "Militärischer Sicherheitsbereich. Schieß- und Übungsbereich" steht darauf. Doch auf dem Truppenübungsplatz schweigen derzeit die Waffen. Stattdessen schallt rhythmischer Hammerschlag aus dem Wald bei Werdeck (Landkreis Görlitz). Schulter an Schulter treiben am Mittwoch Helfer des Technischen Hilfswerkes (THW) und Soldaten Erdnägel für den festen Zaun als Schutzmaßnahme gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) in den Boden. Anfang November wurde bei einem geschossenen Schwein in diesem Gebiet erstmals in Sachsen die gefährliche Tierseuche beim Schwarzwild festgestellt.

Gut 700 Meter Maschendraht inklusive Wühlschutz hat das 18 Frauen und Männer starke Team bereits aufgebaut. "Wir wachsen jetzt von Tag zu Tag auf. Mehr als 200 ehrenamtliche Helfer unterstützen den Bau des Zauns", sagt THW-Sprecher Andreas Heinrich. Hinzu kommen 100 Soldaten. Auch die für Verbraucherschutz zuständige Sozialministerin Petra Köpping (SPD) schaute sich den Zaun vor Ort an: "Ich hoffe, dass wir auch diese Krise schnell und gut in den Griff bekommen. Oberstes Ziel ist es, dass die Afrikanische Schweinepest nicht weiter nach Sachsen eindringt."

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Die neue Zaun ist etwa einen Meter hoch. Er ersetzt und erweitert die Ende Januar aufgestellte, gut kniehohe mobile Wildbarriere. Er soll im Norden an den Zaun Brandenburgs anschließen und im Süden zunächst bis zur Autobahn 4 reichen. Geplant ist anschließend, den Zaun entlang des gesamten Grenzverlaufes bis nach Zittau zu verstärken.

Petra Köpping (M, SPD), Sozialministerin von Sachsen, und weitere Vertreter vom Technische Hilfswerk (THW) und der Bundeswehr begutachten den Bau eines festen Zaunes gegen die Ausbreitung der Afrikanischer Schweinepest.
Petra Köpping (M, SPD), Sozialministerin von Sachsen, und weitere Vertreter vom Technische Hilfswerk (THW) und der Bundeswehr begutachten den Bau eines festen Zaunes gegen die Ausbreitung der Afrikanischer Schweinepest. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild

Umgrenzt wird durch den Neubau die 13.500 Hektar große Restriktionszone inklusive Truppenübungsplatz. "Der Schießbetrieb ist bis Ende des Jahres eingestellt, weil wir in der Sperrzone liegen", sagt Oberst Klaus Finck, Kommandeur des Landeskommando Sachsen. Neben Reservisten der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanie kommen vor allem zivile Mitarbeiter des Bundeswehrdienstleistungszentrums zum Einsatz zwischen der brandenburgischen Landesgrenze bis zur Autobahn A4.

"Wir konzentrieren uns auf die kritischen Bereiche entlang der polnischen ASP-Zone. Die A4 selbst ist bereits durch einen Wildzaun geschützt und damit ein guter Riegel", sagt Stephan Koch, Abteilungsleiter Veterinärwesen beim Sozialministerium. Sollten weitere infizierte Tiere gefunden werden, könne der Zaun Richtung Süden erweitert werden. Die Kosten für das Projekt liegen bei 670.000 Euro. Der neugebaute Zaun bleibt für Rehe und Hirsche passierbar. Bis Ende November soll der Schutz stehen, dann wird die Bundeswehr auch mit GPS-Gerät und Karte mit der Suche nach verendeten Wildschweinen in dem abgegrenzten Terrain beginnen.

Im Nachbarland Brandenburg, im dem als ersten Bundesland ein Fall der Tierseuche nachgewiesen wurde, werden neuerdings sieben eigene Kadaver-Suchhunde eingesetzt. Die bislang als Jagdhunde eingesetzten Tiere haben erfolgreich ihre Zusatzausbildung absolviert und sollen nun bei der Bekämpfung helfen, so das brandenburgische Verbraucherschutzministerium.

Das Technische Hilfswerk (THW) und die Bundeswehr verladen Zaunrollen für den Bau des Zaunes. Um das Infektionsgeschehen zu begrenzen, soll das Restriktionsgebiet im Landkreis Görlitz eingezäunt werden. Dazu gehört auch die Errichtung eines festen Zaunes
Das Technische Hilfswerk (THW) und die Bundeswehr verladen Zaunrollen für den Bau des Zaunes. Um das Infektionsgeschehen zu begrenzen, soll das Restriktionsgebiet im Landkreis Görlitz eingezäunt werden. Dazu gehört auch die Errichtung eines festen Zaunes © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild

Sachsens Landwirte begrüßten den Bau eines festen Zaunes zur Eindämmung der Schweinepest, auch wenn die mobile Schwarzwildbarriere unter Strom mit Flatterband und abschreckendem Duft für Schweine auf einer Länge von 115 Kilometern bereits ihre Wirkung gezeigt habe. Den knapp 70 Zentimeter hohen Wildschweinschutz kontrollierten in den vergangenen Monaten Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung (LTV) auf Schäden. "Der Elektrozaun hat gut das Einwechseln von Wildschweinen nach Sachsen verhindert", sagt LTV-Vizegeschäftsführer Andreas Cramer.

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Auch Köpping ist sich sicher, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen Wirkung gezeigt haben. "Das getestete Wildschwein hatte nicht die Barriere durchbrochen und wurde sofort getestet. Erst dieser erste positive Fund gab es uns die rechtliche Grundlage für den Zaunbau", so die Ministerin. Täglich komme derzeit der ASP-Krisenstab zusammen.

Anfang November war in Sachsen als zweitem Bundesland nach Brandenburg ein Fall der für den Menschen ungefährlichen Tierseuche nachgewiesen worden. Das infizierte Tier wurde auf dem Gebiet der Gemeinde Krauschwitz erlegt. (dpa) 

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