merken
PLUS Sachsen

Mehr Geld für Sachsens Trennungskinder

Väterverbände kritisieren die deutliche Erhöhung des Unterhalts. Auch Jugendämter spüren bereits die Auswirkungen.

Trennungskinder, die nur bei einem Elternteil aufwachsen, bekommen ab kommendem Jahr deutlich mehr Geld – pro Monat 24 bis 55 Euro.
Trennungskinder, die nur bei einem Elternteil aufwachsen, bekommen ab kommendem Jahr deutlich mehr Geld – pro Monat 24 bis 55 Euro. © www.pixabay.com

Dresden. Trennungskinder, die nur bei einem Elternteil aufwachsen, bekommen ab kommendem Jahr deutlich mehr Geld – pro Monat 24 bis 55 Euro. Die genaue Höhe hängt vom Alter des Kindes und vom Einkommen des Zahlungspflichtigen ab; meist sind es die Väter. Diese müssen künftig zwischen 393 und 903 Euro monatlich überweisen, dürfen davon aber die Hälfte vom Kindergeldbetrag abziehen.

Der Familiensenat des Oberlandesgerichts Dresden folgte bei der Anpassung der Beträge für minderjährige Kinder im Freistaat den Empfehlungen der sogenannten Düsseldorfer Tabelle, die als bundesweite Richtlinie für den Kindesunterhalt gilt.

Anzeige
Sachsen krempelt die #ärmelhoch
Sachsen krempelt die #ärmelhoch

Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Der Anstieg der Unterhaltsbeträge fällt im kommenden Jahr mit 6,5 Prozent überdurchschnittlich hoch aus. Was die Kinder freut, bringt viele Zahlungspflichtige in Schwierigkeiten, vor allem in Coronazeiten. Denn der sogenannte Selbstbehalt – das ist der Betrag, der ihnen nach Abzug aller Zahlungsverpflichtungen zum Leben verbleiben muss – bleibt unverändert. „Der Betrag von 2020 enthält einen genügend großen Puffer, der für 2021 noch ausreicht“, lautet die Begründung der Familienrichter.

So dürfen nicht erwerbstätige Zahlungspflichtige, deren Kinder minderjährig sind, 960 Euro im Monat für eigene Bedürfnisse beanspruchen, Erwerbstätige 1.160 Euro. Sind die Kinder schon volljährig, beträgt der Selbstbehalt 1.400 Euro.

Kritik von den Väterorganisationen

Kritik kommt von den Väterorganisationen, zum Beispiel dem Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV) und dem Väteraufbruch für Kinder (vafk). „Diese Anhebung wird gerade jetzt in der Krise vor allem bei Arbeitslosen, Kurzarbeitern und Soloselbstständigen zu erheblichem Stress führen. Ihnen tut die Erhöhung richtig weh“, sagt ISUV-Sprecher Josef Linsler. Markus Witt vom vafk-Bundesvorstand befürchtet eine höhere Belastung der Kommunen. Sie zahlen den Unterhaltsvorschuss für jene Kinder, deren zahlungspflichtiger Elternteil über nicht genügend Einkommen verfügt.

Schon jetzt klagen beispielsweise die Unterhaltsvorschusskassen der Jugendämter in Chemnitz und Dresden über gestiegene finanzielle Belastungen. „Wir mussten in vielen bereits bewilligten Fällen im Laufe des Jahres höhere Beträge überweisen, weil die Unterhaltspflichtigen weniger oder gar nicht mehr zahlen konnten“, sagt eine Sprecherin der Stadt Chemnitz. In Dresden sind die entsprechenden Ausgaben gegenüber dem Vorjahr um 5,4 Prozent gestiegen. Die finanziellen Auswirkungen der letzten Wochen seien dabei noch gar nicht vollständig eingeflossen, heißt es.

Mehr zum Thema Sachsen