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Mit Mozart, Energie und Optimismus

Die Dresdner Geigerin Charlotte Thiele spielt einen Klassiker mit und für die Elbland Philharmonie. Das Publikum ist digital dabei.

Charlotte Thiele stammt aus einer Musikerfamilie und gilt als großes Talent.
Charlotte Thiele stammt aus einer Musikerfamilie und gilt als großes Talent. © K.-D. Brühl

Von Karsten Blüthgen

Ob Mozart zu ihr passe? „Das können andere besser entscheiden“, gibt Charlotte Thiele mit flinker Zunge zurück und lacht. Soeben hat die junge Dresdner Geigerin in der Probe mit der Elbland Philharmonie eine klar positive Antwort gegeben.

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Mozarts drittes Violinkonzert zeigt sie sprühend vor Elan und voller Musizierfreude. Sie spielt vom ersten Takt an mit, auch wenn das nicht unbedingt die Intention des Komponisten ist. Doch Charlotte Thiele will sich das Hauptthema ungern diktieren lassen. Lieber möchte sie gleich dabei sein, ohne Allüren zu zeigen. Das schwungvolle Werk ist ihre Wahl, als sie gefragt wird, wieder etwas mit dem Orchester und dessen Chefdirigenten Ekkehard Klemm zu machen. Keine drei Wochen nach diesem Engagement werden im Probensitz der sächsischen Elblandphilharmoniker in Riesa Mikrofone und Kameras aufgebaut. Das Publikum soll mit einem Frühlingskonzert im Streaming-Format belohnt werden. Und ermuntert, sich weiter in Geduld zu üben.

Langfristig planen ist in der Kultur derzeit nur schwer möglich. Künstlerisch kein Problem für Charlotte Thiele. Schon mit 13, 14 Jahren, also im besten Lernalter, eignet sie sich dieses Konzert an. „Es passt zu meiner Natur, ist frisch und frech, macht gute Laune“, gesteht die Solistin dann auch verbal ihre Affinität zum Wiener Klassiker.

Vom Chor zur Violine

Im Jahr 1775 steht Mozart, noch Salzburger, auf dem Gipfel als Komponist von Violinliteratur. Zwischen April und Weihnachten schreibt der 19-Jährige fünf Konzerte. Darunter jenes in G-Dur. Mozart veredelt darin den Serenadenstil. Wonne und Unbeschwertheit, Gedankenfülle und Freiheit im Umgang mit formalen Mustern kommen hier zusammen und sind für inspirierte Interpretinnen wie Charlotte Thiele ein wahrer Tummelplatz.


Charlotte Thiele ist so bescheiden wie selbstbewusst.
Charlotte Thiele ist so bescheiden wie selbstbewusst. © Björn Kadenbach

Die Thieles sind eine Musikerfamilie. Die kleine Charlotte singt im Kinderchor der Semperoper, etwa „Hänsel und Gretel“ oder „La Bohème“ – bis ihr die Geigensoli im „Rosenkavalier“ einen anderen Weg weisen. Heute studiert sie Violine in Weimar und träumt davon, einmal drei Tätigkeiten kombinieren zu können: Orchesterspiel, Kammermusik und Sololaufbahn. Dank mehrerer Jahre im Bundesjugendorchester, das Patenorchester der Berliner Philharmoniker ist, kann sie sich bestens empfehlen.

Ein Verzicht auf das Gesangliche bedeutet das nicht. Die Geige kann der menschlichen Stimme im Ausdruck sehr nahe kommen. Auch Mozart lässt im G-Dur-Konzert das Soloinstrument singen. Frühere Vokalwerke klingen nach – so in einer Episode im finalen Rondo: Plötzlich beruhigt sich das Geschehen, die Tonart wechselt in die dunkle Variante g-Moll.

Charlotte Thiele spielt stets mit ganzem Einsatz.
Charlotte Thiele spielt stets mit ganzem Einsatz. © Max Krieger

Die Violine intoniert eine melancholische Melodie nach Art einer Pavane, begleitende Streicher imitieren eine gezupfte Gitarre. Und erst dieses Adagio! Für den Mozart-Biografen Alfred Einstein klingt es „wie vom Himmel gefallen“. Auch Charlotte Thiele hält diesen betörenden langsamen Satz für „nicht ganz irdisch“.

Gemeinsam mit ihrem älteren Bruder, dem Cellisten Friedrich Thiele, hatte sich Charlotte vor zwei Jahren zum ersten Mal bei der Elbland Philharmonie mit Brahms‘ Doppelkonzert empfohlen. „Das war ganz enorm, was sie da abgeliefert hat“, schwärmt Ekkehard Klemm und staunt nun weiter: „Ich halte Charlotte für ein ganz außergewöhnliches Talent! Technisch und vor allem künstlerisch ist sie mit ihren 20 Lenzen eine absolute Ausnahmeerscheinung. Ganz besonders schätze ich ihre unwahrscheinliche Energie, ihre kommunikative und optimistische Kraft, die sie auf das Orchester zu übertragen weiß. Es ist eine Freude, mit jungen Leuten zu arbeiten, die auch interpretatorisch schon so weit sind.“

Drohneneinsatz für den Konzertfilm

Solch Energietransfer ist in diesen Zeiten umso gefragter. Das Publikum darf zum Osterfest teilhaben. Das Programm „Wenn der Frühlingszauber sich entfacht“ vereint nicht nur wunderbare Werke, darunter Ottorino Respighis kleine Orchestersuite „Gli Uccelli“ (Die Vögel). Auch Drohnen schwebten durch die Lüfte, denn über die Musik hinaus wird der Konzertfilm an die Spielstätten des Orchesters zwischen Pirna und Riesa erinnern.

Das Konzert „Wenn der Frühlingszauber sich entfacht“ kann als Stream vom 1. April bis zum 11. April auf der Homepage der Elbland Philharmonie Sachsen gratis abgerufen werden.

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