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Mit Rock’n’Roll gegen das Coronavirus

Die Firebirds verwandeln Schloss Trebsen bei Grimma für drei Tage in eine Insel des komplett maskenfreien Vergnügens.

Konrad Schöpe (3.v.l.) und seine Kollegen von den Leipziger Firebirds feiern drei Tage lang den Rock’n’Roll und wollen die Pandemie damit so gut wie möglich ausblenden.
Konrad Schöpe (3.v.l.) und seine Kollegen von den Leipziger Firebirds feiern drei Tage lang den Rock’n’Roll und wollen die Pandemie damit so gut wie möglich ausblenden. © PR

Sie sind immer für gewagte Projekte gut, bewegen sich mit der stets gleichen Sicherheit zwischen großem Konzert, Kreuzfahrt und Dinner-Show. Jetzt gehen die Herren der Leipziger Rock’n’Roll-Band Firebirds sogar mit einem einmaligen Modellversuch der gesamten Branche vorneweg. Am Wochenende zelebriert dieses Quintett auf Schloss Trebsen bei Grimma – wo es seit 2012 alljährlich zum Open-Air-Event bittet – das erste große Festival ohne die üblichen Corona-Beschränkungen. Man darf sich explizit und ohne Maske nahe kommen, lediglich Tests stehen an.

"Mordsmäßiger Aufwand"

Das Veranstaltungs-Konzept sei in intensivem Austausch mit den zuständigen Behörden erarbeitet worden. „Zentraler Punkt ist ein spezielles Testkonzept, welches das Risiko, dass coronainfizierte Besucher unerkannt bleiben und somit auf dem Festival eine Gefahr für andere Besucher darstellen, minimiert“, erklärt Konrad Schöpe, Bassmann und zudem einer von fünf Sängern der Firebirds.

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Das Infektionsrisiko werde mittels Computersimulationen für unterschiedliche Test-Szenarien sowie für verschiedene Infektionshäufigkeiten berechnet. Zuständig für diese rein wissenschaftliche Seite der Veranstaltung ist Ingo Röder, Professor für Medizinische Statistik und Biometrie an der TU Dresden. „Bevor wir grünes Licht bekamen, hatte ich ein 50-seitiges Hygienekonzept verfasst, das glücklicherweise von allen Entscheidern akzeptiert wurde.“ Konrad Schöpe und seine Kollegen mussten nach der Genehmigung in vier Wochen auf die Beine stellen, wofür sie sonst ein Jahr Zeit haben. Doch der Stress, der „mordsmäßige Aufwand“ sei in der wachsenden Vorfreude förmlich untergegangen.

Konrad Schöpe (Firebirds, l.) und „Schlossherr“ Jochen Rockstroh freuen sich auf das Festival am Wochenende auf Schloss Tresen.
Konrad Schöpe (Firebirds, l.) und „Schlossherr“ Jochen Rockstroh freuen sich auf das Festival am Wochenende auf Schloss Tresen. © PR

„Nach unseren Recherchen sind wir die ersten Veranstalter bundesweit, die jetzt ein Drei-Tage-Festival mit mehreren Tausend Besuchern ohne Maske und Abstand starten, ein Festival, bei dem man sogar tanzen kann“, so Schöpe. „Da das Modellprojekt wissenschaftlich begleitet wird, erhoffen wir uns wichtige Empfehlungen für die ganze Szene, wie man künftig Großveranstaltungen organisieren kann.“

Es gehe also nicht nur um möglichst viel Spaß für Musiker wie Publikum. Schöpe: „Wir wollen unbedingt klarstellen, dass man selbst während einer Pandemie die Kultur nicht ausknipsen, sondern Wege finden muss, wie sie weitermachen kann.“ Er befürchtet dennoch, dass es jetzt Monate dauert, bis alle Systeme wieder hochgefahren sind. „Viele Leute haben frustriert die Branche gewechselt, somit fehlen sie jetzt vor allem in allen Bereichen abseits und hinter den Bühnen.“

Fürs Festival steht jedoch sowohl die Crew als auch ein respektables Line-up mit 30 Bands und etlichen DJs. Mit deren Hilfe soll Schloss Trebsen zum „Island of Rock’n’Roll“ werden, einer Insel des genreübergreifenden Vergnügens. Schöpe: „Wir beamen uns alle auf Zeitreise in die 50er- und 60er-Jahre – mit Musik, Mode, schicken Oldtimern und coolen Tanz-Workshops.“ Entsprechend euphorisch falle die Resonanz beim potenziellen Publikum aus. „Es gibt aber auch Leute, die sich noch nicht trauen, die lieber noch abwarten wollen. Doch das ist klar eine Minderheit.“

Schöpe, der mit rund 2.000 Besuchern pro Tag rechnet, hat nun noch ein ganz anderes Problem. „Am 12. März 2020 haben wir unser letztes Konzert gespielt. Um wieder richtig in Form zu kommen, müssen wir nahezu täglich proben.“ Kurze Pause: „Doch wir brennen dermaßen auf unser Live-Comeback, dass wir auf der Bühne förmlich explodieren werden.“

Das Firebirds-Festival, 2. bis 4. Juli, Schloss Trebsen; Karten und Details gibt es hier: firebirds-festival.de

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