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Neuer Zeigefinger-Pop aus Leipzig

Die Prinzen melden sich nach über fünf Jahren mit neuer Single zurück, pseudopolitische Botschaften inklusive.

Die Prinzen (v. l.) Henri Schmidt, Ali Zieme, Tobias Künzel, Jens Sembdner, Sebastian Krumbiegel, Mathias Dietrich und Wolfgang Lenk melden sich mit neuer Musik zurück.
Die Prinzen (v. l.) Henri Schmidt, Ali Zieme, Tobias Künzel, Jens Sembdner, Sebastian Krumbiegel, Mathias Dietrich und Wolfgang Lenk melden sich mit neuer Musik zurück. ©  dpa/Lanz

Von Tom Vörös

Lange vorbei sind die Zeiten, als viele noch mit einem Lächeln, verschmitzt-freudig funkelnden Augen und ostdeutschen Ohrwürmern auf den Lippen locker am Prinzenpalast vorbeischlenderten. Das war in den frühen 90er-Jahren. Dass das Spaß-Jahrzehnt längst vorbei ist, kann man an der Musik der Leipziger A-cappella-Popper Die Prinzen abhören. Denn die sind längst nicht mehr so lässig-kreativ. Heute schleicht man eher unauffällig am Prinzenpalast vorbei und schielt verstohlen auf das, was unsere sächsischen Musik-Royals so in Richtung Charts abfeuern.

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Das Misstrauen in die ehemals unbefangenen Prinzen begann bereits Mitte der 90er-Jahre. Noch träumte man vom Leben als „Millionär“, wartete abends auf den „Mann im Mond“, und Jungs wie Mädels wussten nicht so recht, ob sie den Refrain von „Küssen verboten“ nun wirklich mitsingen sollten.

Mit „Alles nur geklaut“ und „(Du musst ein) Schwein sein“ – beides noch recht witzig und halbwegs unbefangen – begann eine Prinzen-Ära, in der die reine Freude am intelligenten Musikspaß drohte abhanden zu kommen. Politische Korrektheit und der Zeigefinger deuteten sich an. Und allerspätestens mit dem 2001er-Lied „Das alles ist Deutschland“ war der Spaß endgültig vorbei. Man könnte zwar sagen, Die Prinzen spiegeln gerne gesellschaftliche Stimmungslagen und sind damit erfolgreich. Doch die großen Charts-Erfolge blieben seitdem hartnäckig aus.

Seit dem gefühlten Ende der Spaßgesellschaft macht es also kaum noch wirklich Spaß, mit den Prinzen mitsingend abzublödeln und sich am harmonisch prächtigen A-cappella-Gesang zu erfreuen. Der ist zwar auf der am Freitag erschienenen ersten Single nach über fünf Jahren wieder hörenswert und verweist im Refrain gar auf die Goldenen Neunziger. Am massiv spaßbefreiten Textansatz hat sich allerdings nicht viel geändert. Das Lied „Dürfen darf man alles“ möchte mal wieder den Zeitgeist einfangen.

Reime aus dem Phrasen-Einweckglas

Unbefangen klingt das aber wieder nicht. Leider. So sehr man es den bekanntesten sächsischen Prinzen auch wünschen würde. Zeilen wie „Darf man Frauen überhaupt noch Komplimente machen oder über nicht korrekte Witze lachen [...] darf man mal eben in die Südsee jetten [...] Fleisch, Thunfisch, Robben und Delfine essen“ wirken nicht nur kaum witzig, sondern dem Phrasen-Einweckglas aus dem Lachkeller des letzten Jahrzehnts entnommen.

Und mit übersteigertem Sendungsbewusstsein zu einer neuen Single verschraubt. „Manche glauben, dass sich die Welt sich gegen sie verschwört, manche meinen, dass die Wahrheit doch nur ihnen gehört“, singen sie weiter und kratzen damit spaßbefreit an der Oberfläche einer akzeptierten Mehrheitsmeinung, anstatt eine präzisere Haltung mit Freude am Wortwitz geschickt zu verpacken. Aber vielleicht ist politisch angehauchte Musik einfach nicht der Prinzen Rolle.

Nach 20 Jahren gefühltem Zeigefinger-Pop können sich Die Prinzen wohl nur damit zurückadeln, wenn sie sich auf ihre anfänglichen kreativen Stärken besinnen, mit weniger Politik in der Musik. Wem die puren Prinzen-Harmonien nach wie vor Freuden bescheren, darf sich sicherlich trotzdem auf das neue Album freuen.Frühere Flaneure auf dem jugendlichen Prinzenhof erinnern sich weiterhin lieber an fantasievollere Rendezvous mit dem „Mann im Mond“ oder „Gaby und Klaus“.

Die aktuelle Single „Dürfen darf man alles“ gibt’s im Internet. Das neue Album „Krone der Schöpfung“ erscheint am 21. Mai.

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