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Noch 50 Bewerber für zwei Milliardenprojekte

In der Lausitz und im Leipziger Land sollen zwei Großforschungszentren entstehen. Die Auswahl hat begonnen. Die Vorentscheidung ist schon absehbar.

Wenn die Kohle geht, soll neue Industrie her. Zwei gigantische Forschungszentren sind geplant.
Wenn die Kohle geht, soll neue Industrie her. Zwei gigantische Forschungszentren sind geplant. © Thomas Eisenhuth

Dresden. Die Auswahl für zwei Milliardenprojekte in Sachsen hat begonnen. Zwei neue Großforschungszentren sollen in den sächsischen Kohleregionen Lausitz und Leipziger Land aufgebaut werden. Eine unabhängige Perspektivkommission trifft dazu die erste Auswahl.

Von den ursprünglich eingereichten etwa 100 Projekten ist nach der ersten Auswahlrunde nun nur noch etwa die Hälfte der Vorschläge dabei. Das sagte jetzt der ehemalige Rektor der TU Dresden und nun Präsident der Dresden International University, Hans Müller-Steinhagen, der SZ. Er ist Mitglied dieser Kommission, in der unter anderem auch der Chemienobelpreisträger Stefan Hell, der Astronaut Alexander Gerst sowie Sachsens ehemaliger Ministerpräsident Georg Milbradt mit dabei sind.

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Es geht um zwei künftige Institute mit jeweils 1.500 Stellen und um insgesamt 340 Millionen Euro jährlich. Drei inhaltliche Schwerpunkte gebe es bei den noch verbliebenen Vorschlägen: Gesundheits- und Lebenswissenschaften, IT und Digitalisierung sowie Nachhaltigkeit, sagt Müller-Steinhagen. Einzelne Themen jenseits davon seien ebenfalls dabei, welche, das bleibe intern.

„In drei Arbeitsgruppen Mitte des Monats werden im Detail alle verbliebenen Projekte diskutiert und bewertet", sagt Müller-Steinhagen. „Mitte Juli wird es eine mehrtägige Sitzung geben, bei der die Empfehlung für die wahrscheinlich sechs Projekte erarbeitet wird. Es können aber auch fünf oder sieben sein, abhängig von der Exzellenz der Anträge.“

Die endgültige Entscheidung werden die sächsische Staatskanzlei, das Wissenschaftsministerium und das Bundesforschungsministerium daraufhin treffen. - Die Perspektivkommission mache nur den Vorschlag, die Geldgeber können den aber auch komplett ablehnen. „Wovon ich aber nicht ausgehe. Dafür ist die Kommission zu gut besetzt, als dass sie sich in der Bewertung so irren könnte.“

Die Entscheidung für die zwei Zentren, eines in der Lausitz, eines im Leipziger Land fällt Ende 2022. Die Gründung ist dann bereits im Januar 2023 vorgesehen. Bisher steht der Zeitplan.

Zwei Dinge zählen für die Auswahl besonders: Top-Forschung mit Weltniveau und die Wirtschaft dazu. Was hat die Region langfristig davon wirtschaftlich? Welche Chancen ergibt dies für Ausgründungen und Firmenansiedlungen? Das teilte Hans Müller-Steinhagen der SZ nach den ersten Diskussionsrunden dazu mit. „Es muss überzeugend und nachvollziehbar erklärt werden, wie das dort erzeugte Wissen einen Nutzen für die Region, den Freistaat Sachsen und Deutschland bringt.“

Wie bekommt man die Fachleute hierher?

Und noch etwas hat auf die Entscheidung deutlich Einfluss: „Wie schaffen wir es, dass die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen am Ende nicht alle in Dresden oder Berlin wohnen und nur zwei Tage pro Woche in der Region sind? Es wäre kein Gewinn, irgendwo etwas aufzubauen, wo die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am Ende gar nicht wohnen", macht Müller-Steinhagen klar. "Es wird auf ein wirklich attraktives Umfeld ankommen." Das treffe letztlich auch auf die Firmengründer zu. "Und zwar nicht nur sie alleine, sondern auch für ihre Familien. Das muss von Anfang mitgedacht werden und sollte auch plausibel erklärt im Hauptantrag stehen.“

Lausitz oder das Leipziger Revier? Gegenwärtig sei bei den Vorschlägen für neue Großforschungszentren keine bevorzugte Region erkennbar. Das meiste sei hier wie da machbar. Und, so Müller-Steinhagen weiter, es gebe einige Projekte, die würden durchaus besser in ländliche Regionen passen als in städtische. Die Standortentscheidung falle aber als Allerletztes, und auch das entscheidet die Politik Ende 2022.

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