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Pilzausbeute in Sachsen noch dünn - Nachwuchssorgen bei Beratern

Viel Regen lässt die Pilze sprießen? Ganz so einfach ist es nicht, sagen Pilzexperten. Sie drückt zudem noch eine andere Sorge.

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Ein noch kleiner Steinpilz wächst in einem Wald. Noch ist die Ausbeute für Sammler gering.
Ein noch kleiner Steinpilz wächst in einem Wald. Noch ist die Ausbeute für Sammler gering. © Patrick Pleul/dpa

Leipzig. Der viele Regen sorgt bei den Pilzfans in Sachsen bisher noch nicht für volle Körbe. Mitte Juni seien vorübergehend etliche Pilze gewachsen, doch aktuell sprieße nichts mehr in den Wäldern, sagte Peter Welt vom Verein Pilzfreunde in Chemnitz. Auch Sieglinde Köhler, Pilzberaterin aus Mittelsachsen, berichtete, dass sich die Ausbeute bislang auf "Zufallsfunde" beschränkt habe. Die Pilzfachleute im Freistaat sorgen sich zudem über mangelnden Nachwuchs.

"An manchen Stellen war es schon möglich, Pilze zu finden aber noch nicht weiträumig", sagte Köhler. Sie selbst habe dieses Jahr schon Steinpilze, Pfifferlinge oder den Narzissengelben Wulstling entdeckt. Auch Täublinge seien bereits gewachsen. Doch auch wenn das Pilzjahr im Frühjahr beginne, sei die Hauptsaison im Normalfall in den Monaten September und Oktober.

Eine Vorhersage zur Pilzausbeute sei dabei kaum möglich, sagte Pilzfreund Welt. "Wenn Sie sagen können, wann die Pilze wachsen, kriegen Sie einen Nobelpreis." Auch die Annahme, dass viel Regen auch automatisch viele Pilze bedeute, sei nicht unbedingt verlässlich. Sehr trockene Jahre seien in der Vergangenheit ebenfalls schon gute Pilzjahre gewesen.

Rund 2.000 Sorten in Mitteleuropa

In Mitteleuropa gibt es rund 2000 Sorten, wie der Kreispilzsachverständige des Landkreises Leipzig, Edgar Fenzlein, sagte. Die meisten davon seien ungenießbar. Beim Sammeln sei immer Vorsicht geboten. Immer wieder gebe es Verwechslungen - etwa zwischen dem essbaren Perlpilz und dem giftigen Pantherpilz.

Pilzberater aussterbende Spezies?

Fenzlein blickt zudem nicht sehr optimistisch auf die Zukunft der Pilzberatung. Zwar gebe es immer noch viele Sammler, aber nur noch wenige, die sich ehrenamtlich als Berater engagieren. "Wir sind eine aussterbende Spezies", sagte er. Er sei mit 62 Jahren noch der jüngste Sachverständige in der Region Leipzig.

Ein Pilzberater müsse eine zweijährige Ausbildung absolvieren, die Prüfung sei auch nicht so einfach. Die Sachverständigen müssten dann ihre freie Zeit an den Wochenenden für die Beratungen bereitstellen. Es komme auch vor, dass sie mitten in der Nacht zu Vergiftungsfällen ins Krankenhaus gerufen würden. "Das ist eine relativ verantwortungsvolle Position - und alles ehrenamtlich", sagte Fenzlein. (dpa)