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Politik in Sachsen – Die Morgenlage

+++ Kretschmer nennt Zielmarke für Lockdown +++ Corona-Lage in Sachsen verschlechtert sich weiter +++ Hunderte Verstöße gegen Corona-Regeln +++

In der Nähe von Leipzig hat die Polizei am Montag kontrolliert, ob die Lockdown-Regeln eingehalten werden.
In der Nähe von Leipzig hat die Polizei am Montag kontrolliert, ob die Lockdown-Regeln eingehalten werden. © dpa-Zentralbild

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Guten Morgen,

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wenn ich nochmal irgendwo lese oder höre, dass Sachsen bei der Corona-Bekämpfung "vorangehe", nur weil der Lockdown hierzulande schon am Montag begonnen hat und der Rest von Deutschland morgen erst in "Winterschlaf" fällt, dann weiß ich nicht, was passiert. Ich garantiere jedenfalls für nichts. Selbstverständlich, ohne irgendjemanden so wenige Tage vor Weihnachten gar drohen zu wollen - aber soviel Ignoranz und Arroganz macht mich einfach wütend.

Wenn man ganz hinten ist, was die Bekämpfung der Pandemie angeht und astronomisch hohe Infektionszahlen erreicht, für die ein Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts ständig die Farbpalette erweitern muss, weil ein dunkelrot gar nicht mehr dunkler werden kann, bevor es schwarz ist, dann kann hinten nicht plötzlich vorne sein! Das geht einfach nicht! Und das halten wir doch lieber hier nochmal fest, bevor diejenigen, die sich vorne glauben, noch denken, die ersten sein zu dürfen, die wieder etwas lockern dürfen.

Abgesehen davon, dass nun fast alle Deutschen mehr oder minder strubbelig, aber dafür nicht allein unterm Weihnachtsbaum sitzen dürfen, lässt mich ein zweiter Punkt seit dem Wochenende innerlich nicht mehr zur Ruhe kommen: Wer um Himmels willen hat sich im Kanzleramt und in der sächsischen Regierungszentrale nur diese sprachlich und inhaltlich verkorksten Weihnachtsregeln ausgedacht? Mit Hausständen, engstem Familienkreis, plus vier Personen, aber ohne Kinder unter 14 Jahre? Bitte! Seit Sonntag scheinen plötzlich alle gedanklich durchzurechnen, wer da überhaupt noch kommen kann oder ob man noch zu Oma fahren darf.

Die strenge Regel-Gläubigkeit der Deutschen und einen ihnen offenbar tief eingewachsenes Untertanen-Gen treibt das Ganze zu seltsamen Blüten. Was ist, wenn Sohn oder Tochter gar nicht mehr zuhause wohnen? Um wie viele Hausstände handelt es sich dann insgesamt? Zwei oder drei? Oder nur, wenn noch eine Bafög-Zahlung erfolgt? Oder wenn das erste von Papi angezahlte Auto noch nicht ganz abbezahlt ist? Und was ist mit der Lebenspartnerin des Freundes, die er aber nur am zweiten Weihnachtsfeiertag mitbringen will? Die aber noch eine eigene Wohnung hat? Fragen über Fragen? Und wenn es so weitergeht – fürchte ich – werden wir die auch noch alle beantwortet bekommen.

Himmel hilf und wirf eine große Portion Hirn auf die Erde! Können wir bitte mal damit aufhören, alten, allein lebenden Menschen Angst zu machen, dass sie zum großen Fest nur einsam ein Kerzchen anzünden dürfen. Dann könnte es vielleicht irgendwann reichen, sich darauf zu einigen, dass alle zu Weihnachten so vorsichtig wie möglich sein sollten. Und das aus nur einem Grund: aus Liebe.

Ihre Annette Binninger, Leiterin Politikredaktion sächsische.de


Die wichtigsten News am Morgen

+++ Kretschmer nennt Zielmarke für Lockdown +++

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat am Montagabend eine Zielmarke für den jetzt begonnenen Lockdown genannt. "Es wäre ein riesiger Erfolg, wenn wir es schaffen, deutlich in Richtung 200 zu kommen", sagte er bei einer Facebook-Diskussion (ab Minute 27:45). Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit in Sachsen bei 379 pro 100.000 Einwohner. Für Lockerungen müsse man aber deutlich in Richtung 100 kommen, so Kretschmer. Der Regierungschef kündigte an, dass die Gesundheitsämter noch einmal aufgestockt werden, um die Kontaktnachverfolgung ab Januar auch bei höheren Infiziertenzahlen zu gewährleisten. Außerdem sei man im Gespräch mit dem sächsischen Apothekerverband, dass in einigen Apotheken auch Selbsttests angeboten und auch durchgeführt werden. Bei einem Besuch der Elblandkliniken in Meißen verteidigte Kretschmer zuvor den Lockdown. Er rechnet damit, dass in den kommenden Tagen noch einmal ein weiteres Drittel an Corona-Patienten in den sächsischen Kliniken hinzukommt.

+++ Corona-Lage verschlechtert sich weiter +++

Die Corona-Lage in Sachsen spitzt sich weiter zu. Das Gesundheitsministerium meldete am Montag 7.536 neue Fälle seit der letzten statistischen Veröffentlichung vom Freitag. Zum Vergleich: Am Montag vor einer Woche waren 5.810 neue Fälle gemeldet worden. Die Zahl der Toten stieg um 164 seit Freitag. Der parteilose Landrat von Nordsachsen, Kai Emanuel, bat am Montag um Unterstützung von Freiwilligen. Ziel sei es, einen Helferpool zu bilden, der in Notfällen schnell für Entlastung sorgen könne, teilte Emanuel mit.

Wie ernst die Lage ist, beschreibt ein Arzt, der häufig im Notfalldienst im Einsatz ist. "Es ist eine erhöhte Sterberate auf Covid-19 zu sehen", sagt er. "Bei unserem letzten Not-Dienst an einem Sonntag hatten wir drei Sterbefälle in Pflegeheimen auf Covid-19-Pneumonie und die Totenbescheinigungen waren plötzlich alle. Sonst haben wir in rund 24 Diensten, die wir im Jahr machen, etwa fünf Sterbefälle jährlich."

Fakt ist auch, dass einige Kliniken keine Patienten mehr aufnehmen können. Aber: "Bisher mussten noch keine sächsischen Patienten in andere Bundesländer verlegt werden", erklärt Professor Christoph Josten vom Universitätsklinikum Leipzig, einer der Krankenhauskoordinatoren in Sachsen. Aus Südsachsen wurden aber schon Pateinten in Kliniken des bisher weniger betroffenen Leipzig verlegt. Wie stark sind die Intensivstationen in Sachsen belegt? Unsere Grafiken zeigen laufend aktuell die Auslastung in Sachsen und bundesweit. Alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Pandemie in Sachsen, Deutschland und der Welt gibt es in unserem Newsblog.

+++ Hunderte Verstöße gegen Corona-Regeln +++

In den Landkreisen Bautzen und Görlitz gelten bereits seit vergangener Woche verschärfte Corona-Vorschriften. Doch viele Menschen wollen sich offenbar nicht daran halten. Wie die Polizei am Montag mitteilte, ahndeten die 250 am Wochenende im Einsatz gewesenen Beamten 210 Corona-Verstöße in Ostsachsen. Darüber hinaus erteilten sie 52 Platzverweise. Hier gibt es den Überblick über eine Auswahl der Fälle. Gestern war die Polizei auch an Zufahrtsstraßen rings um Leipzig im Einsatz. Wie die Leipziger Volkszeitung berichtet, winkten sie Pkws heraus, kontrollierten Ausweise und erfragten Fahrtziele. Bei Riesa beendeten die Polizisten einen Weihnachtsmarkt, der gar keiner sein sollte.

Ein Schwerpunkt des Einsatzgeschehens sind schon seit Wochen die Proteste an der B96. Etwa 400 Personen demonstrierten am Sonntag von Zittau bis Oppach - doppelt so viele wie vor einer Woche. Es gibt aber auch Menschen, die sich von den Protesten abwenden - so wie Simon F. Er war einst in der Facebook-Gruppe "Stiller Protest B96" aktiv. Aber nicht nur die immer häufiger an der Straße wehenden Fahnen schreckten ihn ab.


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