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Sachsen

Politik in Sachsen – Die Morgenlage

+++ Durchwachsene Bilanz der Landesregierung +++ Deutliche Übersterblichkeit in Sachsen +++ Arzt ignoriert Corona +++

Die sächsischen Koalitionspartner vor einem Jahr - kurz vor der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages.
Die sächsischen Koalitionspartner vor einem Jahr - kurz vor der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages. © dpa-Zentralbild

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Guten Morgen,

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Hier wird die Zukunft entwickelt

Spitzenforschung und Lehre auf hohem Niveau gibt es auch außerhalb von Großstädten und Ballungszentrum: nämlich an der Hochschule Zittau/Görlitz.

mitunter erscheint mir die jetzt schon seit mehr als neun Monaten andauernde Beschäftigung mit dem Coronavirus so surreal, dass ich abschweife und ein kurzes Gedankenexperiment starte: Was würde uns jetzt gerade umtreiben, wenn es kein Corona geben würde?

Ich kam gestern darauf, weil ich mit einem Thema konfrontiert wurde, über das ich coronabedingt schon seit längerer Zeit nicht mehr nachgedacht habe. Das sächsische Umweltministerium verschickte eine Einladungserinnerung zur heutigen Vorstellung des Waldzustandsberichts 2020. Die paar Zeilen in der Email lassen nichts Gutes erahnen: "Im Jahr 2020 hat es keine Entspannung bei den Waldschäden durch Käferbefall und mehrjährige Trockenheit gegeben", schreibt Umweltminister Wolfram Günther da. Dass unsere Wälder weiterhin massiv gefährdet sind - das wäre vermutlich heute ein großes Thema in der sächsischen Nachrichtenwelt geworden.

Wird es ja vielleicht auch. Aber da der Mensch eben nur eine begrenzte Anzahl an Informationen aufnehmen und verarbeiten kann, wird es wohl auch diese Woche ein bestimmenderes Thema geben. Und ich verspreche Ihnen in dem Zusammenhang schon einmal die Ihnen bekannten wechselbadmäßigen Gefühle. Denn während die Europäische Arzneimittelbehörde heute über die Güte des Corona-Impfstoffs entscheidet und damit aller Voraussicht nach den Weg für die ersehnten Massenimpfungen auch in Sachsen freimacht, rätseln Forscher über eine sich angeblich schnell ausbreitende Virus-Mutation in Großbritannien.

Vielleicht versuchen Sie es ja einmal mit dem oben beschriebenen Gedankenexperiment, um angesichts dieser Lage nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Bleiben Sie hoffnungsvoll und kommen Sie gut in die Woche.

Ihr Tobias Winzer, Politikredakteur sächsische.de


Die wichtigsten News am Morgen

+++ Ein Jahr "Kenia": Bilanz durchwachsen +++

Seit genau einem Jahr sitzen in Sachsen CDU, Grüne und SPD gemeinsam am Kabinettstisch - und es ist kompliziert. Diese Bilanz ziehen die Saechsische.de-Reporter Annette Binninger, Gunnar Saft und Karin Schlottmann in ihrer Analyse. Der Grund dafür leitet sich schon aus der ungewöhnlichen Konstellation ab. Die Konkurrenz der beiden kleineren Koalitionspartner, Grüne und SPD, bleibt auf Dauer groß. Das Landtagswahlergebnis von 2019 sorgt für viel Selbstbewusstsein bei den Grünen und Neid bei der SPD. Und die CDU hat immer noch daran zu knabbern, dass die Zeiten ihrer Alleinregierungen oder von Koalitionen mit nur einem kleinen Regierungspartner vorbei sind. Das wiederum hat in den vergangenen zwölf Monaten immer wieder für inhaltliche und personelle Spannungen gesorgt.

+++ Deutliche Übersterblichkeit in Sachsen +++

Nach einer Woche hartem Lockdown bewegen sich die Corona-Infektionszahlen in Sachsen weiter auf einem hohen Niveau. Das Robert Koch-Institut (RKI) wies am Sonntag für den Freistaat eine Sieben-Tages-Inzidenz von 427,4 pro 100.000 Einwohner aus. Von den zehn bundesweit am stärksten betroffenen Landkreisen und Städten liegen fünf in Sachsen. Den Spitzenwert lieferte am Sonntag laut RKI der Landkreis Görlitz mit 646,2 gefolgt vom Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (617,3) und dem Landkreis Mittelsachen (609,7). Regionale Daten können wegen unterschiedliche Meldezeiträume abweichen. Alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Pandemie in Sachsen, Deutschland und der Welt gibt es in unserem Newsblog.

Die hohen Infektionszahlen machen sich mittlerweile auch in einer anderen Statistik bemerkbar und sorgen für eine sogenannte Übersterblichkeit. So sind von Mitte Oktober bis Mitte November in Sachsen deutlich mehr Menschen gestorben als im Durchschnitt der Vorjahre. Laut Statistikern liegt man in Sachsen derzeit 46 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen vier Jahre. Was das ganz praktisch bedeutet, wird am Bautzner Krankenhaus deutlich. Dort wurde jetzt ein Kühlcontainer geordert, um zusätzlichen Platz für Tote zu schaffen.

+++ Wenn ein Arzt Corona ignoriert +++

Einige Ärzte in Sachsen halten das Coronavirus für weniger gefährlich als von der Mehrheit der Wissenschaft erforscht und lehnen die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Pandemie ab. Nun gibt es erstmals konkrete Hinweise darauf, wie diese Einstellung zu fehlerhaften Einschätzungen im Dienst und zur Missachtung von Hygieneregeln führt. Im Mittelpunkt der Anschuldigungen steht der Görlitzer Arzt Ralph Tinzmann, der mit seiner Partnerin im Frühsommer Proteste gegen die Corona-Maßnahmen organisiert hat. Der Mediziner soll die Todesbescheinigung eines Altenheimbewohners ausgefüllt haben - ohne einen Hinweis auf dessen Corona-Infektion. Außerdem berichten mehrere Heime, dass er gegen Vorschriften zur Maskenpflicht und Schutzkleidung verstoßen habe. Die Landesärztekammer will nun Konsequenzen ziehen.


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