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Sachsen

Politik in Sachsen – Die Morgenlage

+++ Impfstoff kommt am 26. Dezember nach Sachsen +++ Offene Fragen zu Virus-Mutation +++ Andere Bundesländer helfen Sachsen bei Corona-Kranken +++

In Großbritannien und anderen Ländern werden die Impfdosen von Biontech/Pfizer bereits verabreicht.
In Großbritannien und anderen Ländern werden die Impfdosen von Biontech/Pfizer bereits verabreicht. © PA Wire

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seit einigen Wochen schon erreicht mich aus der Ferne häufiger die besorgte Nachfrage von Bekannten, Freunden und Familienangehörigen, ob ich denn inzwischen das Gefühl hätte, dass Sachsen die erschreckende Corona-Entwicklung im Griff habe. Nein, lautet immer noch meine Antwort darauf. Die Infektionszahlen rennen im Galopp. Das Virus führt Regie, nicht der Krisenstab. Leider.

Warum lässt man so viele Alten- und Pflegeheime allein mit den Schnell-Testungen? Warum wird nicht viel mehr Bundeswehr angefordert? Warum ist der Eindruck so beharrlich, dass eine klare Führung in der Staatsregierung und dem von ihr geführten Krisenstab und eine klare Kommunikation sowohl nach innen als auch nach außen weiterhin fehlt, sodass man sich sogar bei einfachen Regeln für Supermärkte so vergaloppiert, dass es einfach nur peinlich ist.

Warum geht man nur so gebremst daran, behutsam Covid-Patienten in andere Bundesländer zu verlagern, wenn auch für den Laien erkennbar ist, dass sich die Betten über die Weihnachtstage und Neujahr schnell füllen könnten. So schnell, dass man dann sehr hektisch reagieren müsste.

Aber vor allem: Wo ist die Perspektive? Wo geht die Reise hin? Wie soll die Inzidenz-Zielmarke von 50 erreicht werden, die Angela Merkel vor acht Tagen genannt hat? Angesichts der beunruhigenden Tatsache, dass sich fast alle Landkreise im Freistaat zwischen Inzidenzen von 400 bis 720 austoben und die Farbskala des Robert-Koch-Instituts vor immer neue Herausforderungen stellen? Alle verweisen auf die nächste Bund-Länder-Schalte am 5. Januar. Aber das ist klar erkennbar einfach viel zu kurz gegriffen. "Wir müssen mit dem Virus leben lernen", hatte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer im Frühjahr gesagt. Doch auch ein Leben mit Virus lässt sich ordnen, sodass es erträglich und zumutbar ist. Wo bleibt das Konzept dafür? Perspektivisch wenigstens mal bis Ostern.

Warum habe ich den Eindruck, dass die Corona-Bekämpfung des Freistaats noch immer nicht systematisch, zuverlässig und verlässlich aufgestellt ist, sodass ich auf besorgte Nachfragen aus der Ferne gelassen antworten kann: "Wird schon."

Ihre Annette Binninger, Leiterin Politikredaktion sächsische.de


Die wichtigsten News am Morgen

+++ Impfstoff kommt am 26. Dezember an +++

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat am Montag grünes Licht für den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer gegeben. Damit kann der Impfstart in Sachsen voraussichtlich am 27. Dezember erfolgen. Die ersten 20.000 Impfdosen sollen am 26. Dezember eintreffen, wie die Leipziger Volkszeitung berichtet. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) wies darauf hin, dass für die Impfteams in Sachsen noch zusätzliches Personal benötigt werde. Neben den Ärzten brauche es weitere Mitarbeiter, die die Daten erfassen, und jede einzelne Impfung vorbereiten. "Wer helfen kann und will, möge sich bitte beim Deutschen Roten Kreuz in Sachsen melden", so die Ministerin in einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung. Die ersten Impfungen sollen nicht in den 13 sächsischen Impfzentren stattfinden, sondern durch mobile Teams in Altenheimen.

+++ Ist das mutierte Virus schon in Sachsen? +++

Könnte die neue Variante des Coronavirus für die rasante Ausbreitung in Sachsen mit verantwortlich sein? Die Vermutung besteht, doch Daten dazu gibt es bislang in Sachsen nicht. Diese aufwendigen Viren-Analysen finden dort an der Charité statt. Anders als der normale Nachweis von Coronaviren, der nur einige Stunden dauert, benötigt diese genetische Detailanalyse mehrere Tage und ist auch deutlich teurer. Wie die Leipziger Volkszeitung berichtet, werden die positiven Tests in Sachsen laut Gesundheitsministerium derzeit nicht auf Mutationen hin untersucht.

Klar ist aber auch: Es ist noch nicht einmal bewiesen, dass die Mutation tatsächlich ansteckender ist als die bisher bekannte Form, wie der Virologe Christian Drosten am Montag sagte. Die Frage sei, ob überhaupt die neue Virus-Variante an sich an der Ausbreitung Schuld sei, "oder ist das so, dass einfach lokal (...) Übertragungsmechanismen zum Tragen gekommen sind, die auch jedes andere Virus hochgespült hätten", sagte er im Deutschlandfunk. Hier ist zusammengefasst, was wir bislang über das mutierte Virus wissen.

+++ Andere Bundesländer helfen Sachsen +++

Die Zahl an bestätigten Corona-Fällen in Sachsen steigt trotz des härteren Lockdowns weiter an - allerdings etwas schwächer als noch vor einer Woche. Dem Gesundheitsministerium sind seit Freitag 7.039 neue Infektionsfälle gemeldet worden.Am Montag vor einer Woche waren 7.536 neue Fälle registriert worden. Der Sieben-Tages-Inzidenzwert für den Freistaat liegt laut dem Ministerium inzwischen bei 444 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner - am Freitag lag er noch bei 415. Die Zahl der Todesfälle stieg seit Freitag um 158. Alle aktuellen Entwicklungen zur Pandemie in Sachsen, Deutschland und der Welt gibt es in unserem Newsblog.

Wie bewältigen die sächsischen Kliniken das hohe Patientenaufkommen? Eine Krankenschwester aus dem Städtischen Klinikum in Dresden berichtet. Mehr Arbeit kommt derzeit auch auf die Reha-Einrichtungen zu. Sie müssen die Langzeitfolgen der Corona-Erkrankung behandeln und schaffen nun mehr Platz für solche Fälle.

In einem Pressebriefing am Montag sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD), dass derzeit noch 63 Intensivbetten in Sachsen frei seien. "Wir sind sehr stark ausgelastet", so die Ministerin. Doch: Aus heutiger Sicht gebe es das Signal, dass die Kapazitäten ausreichen. Dazu trägt auch die Hilfe aus anderen Bundesländern bei. 30 Patienten können bei Bedarf in Krankenhäuser nach Thüringen gebracht werden, 28 nach Sachsen-Anhalt und zehn nach Rostock. Es gebe auch Angebote aus anderen Bundesländern, sagte Köpping. Man wolle lange Transporte aber möglichst vermeiden.

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