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Sachsen

Politik in Sachsen – Die Morgenlage

+++ Holpriger Start für Impf-Portal +++ Neun von zehn Krematorien in Sachsen am Limit +++ Handel: CDU macht Druck auf SPD-Minister +++

Am Montag haben die sächsischen Impfzentren, wie hier in Riesa, ihre Arbeit aufgenommen.
Am Montag haben die sächsischen Impfzentren, wie hier in Riesa, ihre Arbeit aufgenommen. © dpa-Zentralbild

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Guten Morgen,

wenn man allein die verzweifelten Mails und wütenden Anrufe zusammenzählen würde, die unsere Redaktion gestern erreichten, müsste man den Impfstart eindeutig mit dem noch freundlichen "Prädikat Fehlstart" bewerten. Würden nicht auf der Impf-Aktion momentan in ganz Deutschland alle Hoffnungen ruhen, weil Impfen derzeit als einziges und damit bestes Mittel zur Pandemie-Bekämpfung gilt, müsste die Bewertung wohl noch viel, viel drastischer ausfallen.

Seit gestern nun versuchen verunsicherte, verzweifelte ältere Menschen über ein Online-Portal einen Impf-Termin zu erkämpfen, das schon in den ersten Stunden wegen Überlastung mehrfach in die Knie ging. Die Anmeldung wird damit zum Nadelöhr. Ausgerechnet bei denen, die keine Zeit mehr zu verlieren haben, wird der Kampf ums Überleben damit noch einmal zur Tortur.

Mehr möchte ich dazu heute nicht sagen/schreiben. Denn ich hoffe noch, dass es bald besser wird und darum will ich nicht mehr Hoffnung zerstören als es andere bereits auf so bedauerliche Weise getan haben.

Trotzdem wünsche ich Ihnen eine gute Woche, bleiben Sie guten Mutes und gesund,

herzlichst,

Ihre Annette Binninger, Leiterin Politikredaktion sächsische.de


Die wichtigsten News am Morgen

+++ Ministerin: Mini-Impfzentren geplant +++

Neben den 13 bestehenden Impfzentren soll es in Zukunft noch weitere Möglichkeiten geben. Das hat Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Montag am Rande der Eröffnung des Impfzentrums in Riesa gesagt. Vor allem in Mittelzentren sollen noch weitere kleinere Impfzentren entstehen, so die Ministerin. Außerdem solle es Impfbusse geben. Die höhere Flexibilität wird vor allem durch den neu zugelassenen Impfstoff des US-Unternehmens Moderna erreicht. Dieser muss, anders als das Vakzin von Biontech/Pfizer nicht bei -70 Grad Celsius gekühlt werden. Die erste Lieferung des Moderna-Impfstoffes soll Sachsen wohl schon heute erhalten - allerdings zunächst eine kleinere Menge von 3.600 Dosen.

In den Impfzentren sind zuerst Beschäftigte von Rettungsdiensten und ambulanten Pflegediensten an der Reihe. Im Dresdner Impfzentrum werden nun vorerst 400 Dosen pro Tag verimpft. Alle Impfzentren sind abgeriegelt. Das heißt: Keine Impfung ohne Termin, wie am Beispiel des Löbauer Zentrums deutlich wird. Am Montag wurde deswegen auch das Buchungsportal freigeschaltet, über das Termine wohl ab dem 18. Januar vereinbart werden können. Weil der Impfstoff knapp ist, können sich zuerst nur Menschen impfen lassen, die wegen ihres Alters oder ihres Berufes einem Risiko ausgesetzt sind. Wer am Montagnachmittag versuchte, einen Termin zu vereinbare, wurde mit der Begründung der ausgelasteten Server gebeten, Geduld zu haben. Das Portal ging mit Verspätung online, immer wieder gab es technische Probleme. Am Mittwoch soll zusätzlich eine telefonische Hotline freigeschaltet werden.

Unterdessen werden weiterhin bei den mobilen Impfteams Probleme deutlich. Eine Nossener Ärztin berichtet, umsonst auf die Mannschaft gewartet zu haben.

+++ Fast alle Krematorien am Limit +++

Nirgends in Deutschland ist die Corona-Sterberate so hoch wie in Sachsen. Auf 100.000 Einwohner kommen derzeit 103 Todesfälle. Das Statistische Bundesamt hat eine "besonders auffällige" Entwicklung in Sachsen festgestellt. In der zweiten Dezemberwoche seien hier nach vorläufigen Zahlen 88 Prozent mehr Todesfälle gemeldet worden als im Schnitt der vergangenen vier Jahre. Außer Klinik- und Pflegeheimpersonal sind es vor allem Bestatter, Kremationstechniker und Friedhofsangestellte, die die Folgen der Pandemie direkt vor Augen haben. Wie eine Recherche von saechsische.de ergibt, arbeiten neun von zehn sächsischen Krematorien derzeit am Limit. Die Särge stapeln sich, die Öfen laufen heiß. Es ist fraglich, wie lange das noch gut geht.

+++ Handel: CDU macht Druck auf SPD-Minister +++

Hunderte sächsische Händler und Dienstleister, unter anderem in Großenhain oder aus der Region Döbeln, haben sich am Montag an der Protestaktion "Wir machen aufmerksam" beteiligt: Sie posteten Fotos oder Videos von sich in ihren leeren Läden, hielten dabei Plakate mit der Aufschrift in die Luft. Etwa 20.000 Läden beteiligten sich deutschlandweit an der Protestaktion, die auf die lockdownbedingte Notlage des Einzelhandels hinweisen soll. Mit der Aktion "Wir machen auf", die ursprünglich am selben Tag stattfinden sollte, wollen die Initiatoren aber nichts zu tun haben.

Auch viele Händler und Verbände wollen sich mit der umstrittenen Aktion nicht gemein machen. Eine Dresdner Gastronomin warnt davor, trotz Verbots zu öffnen. Sie fordert stattdessen, dass die versprochenen Hilfen endlich ausgezahlt werden. Ähnliche Appelle kommen auch aus anderen Branchen der Wirtschaft. Die CDU-Fraktion im Landtag macht Druck auf Wirtschaftsminister Martin Dulig vom Koalitionspartner SPD. Dieser hält Ladenöffnungen erst ab einer Inzidenz von weniger als 50 für möglich. "Aber nicht allein die Quote zählt, sondern eine Kombination aus relevanten Kriterien", teilt nun die CDU mit.

Unterdessen muss ein bekannter Name des Handels die Reißleine ziehen. Das Landgericht Aschaffenburg hat am Montag den Eingang eines Insolvenzantrages der Adler Modemärkte AG bestätigt. Es sei ein Gutachter damit beauftragt worden zu prüfen, ob die Abwicklung der Insolvenz in Eigenverantwortung möglich sei, sagte der zuständige Insolvenzrichter. Adler betreibt sieben Filialen in Sachsen. Experten rechnen nun damit, dass noch weitere Insolvenzen in der Branche folgen werden.


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