merken
Sachsen

Politik in Sachsen – Die Morgenlage

+++ Kretschmer erwägt Lockdown-Verlängerung +++ Schnelle Nachverfolgung von Kontakten wieder möglich +++ Bessere Chancen für Abholservice im Handel +++

Wird der Lockdown noch einmal verlängert? Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hält das für denkbar.
Wird der Lockdown noch einmal verlängert? Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hält das für denkbar. © Tino Plunert

"Politik in Sachsen - Die Morgenlage" als E-Mail-Newsletter - hier kostenlos anmelden

Newsletter "Wirtschaft in Sachsen - News für Entscheider" - hier kostenlos anmelden

Anzeige
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit

Einfach, bequem und flexibel in die Zukunft investieren. Langfristig gute Chancen bietet der Anlage-Assistent MeinInvest.

Guten Morgen,

Krisen- und Katastrophen-Zeiten sind der beste Nährboden für Gerüchte, Falschmeldungen und sonstigen verqueren Blödsinn. Beim Jahrhundert-Hochwasser 2002 in Sachsen mussten wir Journalisten nahezu stündlich viel Zeit in die Aufklärung von vermeintlichen "Nachrichten" stecken, die sich auch damals schon in Sekundenschnelle tausendfach verbreiteten, aber sich dennoch meist als völliger Unsinn herausstellten. Damals waren es Info-Fetzen über angeblich vergiftetes Trinkwasser, einen gebrochenen Damm und den Zusammenbruch der Stromversorgung. Alles falsch, aber zuvor leider ein Haufen Arbeit.

Heute, in der Corona-Zeit, ist das nicht anders. Nur dass die Falsch-Meldungen andere und weitaus zahlreicher sind als damals, dafür aber nicht minder bösartig, verunsichernd und dämlich-überflüssig. Nur ein paar Beispiele: So hieß es vor ein paar Tagen, dass alle Interessierten um 15 Uhr in ein bestimmtes Impfzentrum kommen sollten, um sich dort einen Pieks abzuholen – und wie schön: angeblich ganz ohne Wartezeit. Hinzu kommt die hartnäckig im Netz verbreitete Behauptung, dass die Corona-Impfung unfruchtbar mache oder die, dass Pfleger in Altenheimen zuerst geimpft werden, weil sie die billigsten "Versuchskaninchen" seien.

Ganz abgesehen, dass in letzterer Behauptung ein real-bitterer Kern angesichts einer völlig zu unrecht unterbezahlten Berufsgruppe steckt, ist auch diese Behauptung schlichtweg Unfug. Mit einem Vorteil: Man braucht nicht so leidig viel Zeit, um sie zu widerlegen.

In ungewissen, unsicheren Zeiten schlägt die Stunde der Besonnenen, die in Ruhe hinterfragen, prüfen und verantwortungsvoll so manchen Unsinn aus dem Weg räumen, der uns allzu oft die Sicht verstellt auf die Wahrheit.

In diesem Sinne: Ein Dank an alle meine Kollegen, wo und für wen auch immer ihr arbeitet. Lasst euch nicht beirren, nicht bedrängen, nicht manipulieren – und ertragt die Beschimpfungen dieser Tage mit Würde und Gelassenheit.

Herzlichst,

Ihre Annette Binninger, Leiterin Politikredaktion sächsische.de


Die wichtigsten News am Morgen

+++ Kretschmer erwägt Lockdown-Verlängerung +++

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) hält eine Verlängerung des Corona-Lockdowns im Freistaat bis 14. Februar für denkbar - und erwägt anschließend einen Stufenplan für Öffnungen bis Ostern, abhängig von der jeweiligen Inzidenz. "Wir müssen in Sachsen - glaube ich - nicht viel nachschärfen. Wir müssen nur das, was wir uns vorgenommen haben, konsequent umsetzen", sagte er. Kretschmer wollte sich am Montag noch nicht festlegen und nannte auch den 14. Februar: "Dann werden wir über Kindergarten und Friseure reden, wir werden mit Zeitverzug über den Handel reden. Wir wissen, dass Ostern das Datum ist für die Gastronomie und Hotellerie."

Einer möglichen Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske im öffentlichen Personennahverkehr zeigte sich Kretschmer in der MDR-Sendung "Fakt ist" am Montagabend aufgeschlossen, "wenn jeder, der sie sich nicht leisten kann, eine bekommt". Außerdem müsse man über Regelungen sprechen, um mehr Menschen ins Homeoffice zu bekommen. Auch das Thema Grenzregelungen soll demnach auf der Tagesordnung stehen. "Wenn es kluge Vorschläge gibt, werden wir uns dem nicht verschließen", so Kretschmer.

Am Dienstag gibt es eine neuerliche Beratung der Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Dann wird über weitere Maßnahmen entschieden. Experten warnen in der jetzigen Situation vor schnellen Lockerungen - auch wenn sich die Corona-Infektionszahlen stabilisiert haben.

+++ Schnelle Kontaktnachverfolgung wieder möglich +++

In Sachsen ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen erstmals seit langem nur im dreistelligen Bereich gestiegen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Montag wurden binnen eines Tages 448 Neuinfektionen sowie 46 weitere Todesfälle registriert. Besonders von der Pandemie betroffen ist derzeit der Landkreis Mittelsachsen, wo es laut Robert-Koch-Institut innerhalb der letzten sieben Tage je 100.000 Einwohner 424,9 Neuinfektionen gab. Der niedrigste Wert liegt aktuell in der Stadt Chemnitz mit 129,5. Für den gesamten Freistaat wird die Inzidenz an diesem Montag mit 244,9 beziffert, am Sonntag waren es noch 252,6. Die einst hochbelastete Gemeinde Jonsdorf ist nun sogar wieder coronafrei.

Ein Leipziger Epidemiologe geht anhand eines Rechenmodells davon aus, dass im besten Fall Ende Februar die von vielen als Ziel genannte 50er-Inzidenz-Marke erreicht sein könnte. Das Infektionsgeschehen auf null zu drücken, sei hingegen aussichtslos.

Unterdessen können die sächsischen Gesundheitsämter wieder weitestgehend eine schnelle Kontaktnachverfolgung gewährleisten. Das sagte Innenminister Roland Wöller (CDU) am Montag bei einer Pressekonferenz. Vor allem über Softwarelösungen und zusätzliches Personal aus der Polizei sei es wieder möglich, in den überwiegend meisten Fällen innerhalb von 24 Stunden alle Kontaktpersonen zu identifizieren und zu kontaktieren. "Wir sind froh, dort wieder Boden unter die Füße bekommen zu haben", so Wöller.

+++ "Vorsichtig optimistisch" für Abholservice +++

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) will bei sinkenden Corona-Infektionszahlen die Einführung des Abholservices "Click und Collect" für den Handel prüfen. Der SPD-Politiker sprach am Montag am Rande einer Pressekonferenz von einer "sinnvollen Möglichkeit" für den Einzelhandel und kündigte an, das System gern einführen zu wollen. Das könne man aber erst tun, wenn man auf einen Inzidenzwert für eine mögliche Lockerung komme, der fachlich gesichert sei, betonte Dulig. Deshalb könne vorerst noch kein Zeitpunkt genannt werden. Jedes Angebot, dass die Mobilität erweitere, könne derzeit nicht verantwortet werden. Zugleich gab sich der Minister "vorsichtig optimistisch" angesichts der jüngsten Zahlen. Händler in Sachsen drängen auf den Abholservice und verweisen auf Regelungen in anderen Bundesländern mit ähnlich hohen Infektionszahlen.

Unterdessen können Unternehmen und Selbstständige bei den Coronahilfen künftig mit mehr Geld und einfacheren Vorgaben rechnen. Wirtschaftsverbände hatten von Wut und Verzweiflung bei Firmen berichtet, es ging vor allem um eine schleppende Umsetzung der Hilfen und zu viel Bürokratie. Die Bundesregierung will nun in die Offensive kommen und plant einen Schnitt.


Der Newsletter "Politik in Sachsen"

© sächsische.de

>> Noch mehr News, die Titelseiten-Übersicht aller sächsischen Zeitungen und die Terminvorschau gibt es in der Komplettversion der "Morgenlage" jeden Morgen 5 Uhr bequem als E-Mail-Newsletter. Interesse? Dann hier kostenlos den Newsletter bestellen. <<

Mehr zum Thema Sachsen