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Sachsen führt die Landarztquote ein

Etwa 40 Medizinstudienplätze werden in Zukunft an Bewerber vergeben, die sich verpflichten auf dem Land zu arbeiten. Sie sollen den Ärztemangel lindern.

Hausärzte sind in Sachsen Mangelware - besonders auf dem Land.
Hausärzte sind in Sachsen Mangelware - besonders auf dem Land. © dpa/Tom Weller

Dresden. Sachsen will auch künftig die ärztliche Versorgung außerhalb der Großstädte sichern. Dafür hat Sachsen eine Landarztquote für das Medizinstudium eingeführt. 6,5 Prozent der Studienplätze werden vorab vergeben. Der Landtag hat dem Gesetz am Donnerstag mehrheitlich zugestimmt.

Pro Jahr können etwa 40 Bewerberinnen und Bewerber einen Studienplatz für Humanmedizin erhalten, ohne dass sie den dafür nötigen Numerus clausus erfüllen. Zwar spielen in dem zweistufigen Auswahlverfahren auch Noten eine Rolle, aber das Ergebnis eines Eignungstests, eventuelle Erfahrungen im Gesundheitswesen oder im Ehrenamt und persönliche Eigenschaften wie kommunikative Kompetenz und Empathie sollen auch berücksichtigt werden.

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Im Gegenzug verpflichten sich die Studenten zu zehn Jahren vertragsärztlicher Versorgung auf dem Land – als Allgemeinmediziner. Halten die Mediziner das nicht ein, droht eine Vertragsstrafe von bis zu 250.000 Euro. Möglich ist aber, in eine andere Fachrichtung zu wechseln, bei der Unterversorgung besteht oder droht – etwa bei Augen-, Haut- oder Kinderärzten. Aus besonderen sozialen, gesundheitlichen oder familiären Gründen kann auch in Teilzeit gearbeitet werden.

„Die Landarztquote ist nur ein Instrument, um eine möglichst wohnortnahe medizinische Versorgung der Menschen im ländlichen Raum sicherzustellen“, sagt Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD). Auch der Modellstudiengang in Chemnitz oder die Studienplätze im ungarischen Pécs sollen den Ärztemangel lindern.

370 Hausarztstellen in Sachsen offen

Derzeit sind etwa 370 Stellen für Hausärzte in Sachsen unbesetzt. In 21 von 48 Planungsbereichen droht nach Angaben des Sozialministeriums Unterversorgung im hausärztlichen Bereich. Besonders betroffen sind die Regionen Vogtland, Erzgebirge, Mittelsachsen, Nordsachsen, Westsachsen und der Landkreis Görlitz. Kritisch ist die Situation auch in Chemnitz oder Zwickau. Mehr als ein Viertel der Hausärzte ist älter als 60 Jahre und geht demnächst in den Ruhestand.

Die AfD begrüßt das Vorhaben, hatte in einem eigenen Gesetzentwurf aber eine höhere Quote gefordert. Die Linke kritisiert die Landarztquote als Symbolpolitik. Sie löse die aktuellen Probleme der ärztlichen Versorgung nicht und greife massiv in die berufliche Freiheit der jungen Leute ein, sagte Susanne Schaper.

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Auch die medizinische Fakultät der TU Dresden befürchtet eine „stigmatisierende Wirkung“ und fordert generell bessere Arbeitsbedingungen für Allgemeinärzte. Die Bundesvertretung Medizinstudierender lehnt die Quote ab, deren Wirkung erst in zehn bis 15 Jahren einsetze.

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