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Wie geht es an den Schulen weiter, Herr Piwarz?

Sachsens Schüler stehen kurz vor den Sommerferien. Kultusminister Christian Piwarz spricht über Corona-Tests im Herbst, Luftfilter und eine Impfflicht.

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz war zu Gast im Podcast "Politik in Sachsen".
Sachsens Kultusminister Christian Piwarz war zu Gast im Podcast "Politik in Sachsen". © Ronald Bonß

Kurz vor den Sommerferien wird es höchste Zeit, sich auf das nächste Schuljahr vorzubereiten – gerade in Pandemiezeiten. Im Podcast „Politik in Sachsen“ spricht Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) über die Pläne für das neue Schuljahr, Luftfilter und eine Impfpflicht für Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher.

Wir haben die wichtigsten Themen notiert.

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Christian Piwarz über verpflichtende Corona-Tests

Auch im neuen Schuljahr wird es eine Testpflicht in den Schulen geben. In den ersten beiden Schulwochen ab 6. September sollen Schüler und Schulpersonal wieder zwei- oder dreimal in der Woche getestet werden – abhängig davon, wie hoch die Infektionszahlen dann sind. „Wir müssen besonders stark hinschauen, wenn alle wieder aus dem Urlaub zurückkommen“, sagt Piwarz. Durch engmaschiges Testen könne ein sicherer Schulbetrieb ermöglicht werden. Aktuell wird in den Schulen wegen der niedrigen Inzidenz unter zehn nur einmal wöchentlich getestet.

... über Maskenpflicht

Derzeit ist die Maskenpflicht in den Schulen bei einer Inzidenz unter 35 aufgehoben. Für die ersten zwei Schulwochen kündigte Piwarz an, wieder eine Maskenpflicht im Schulgebäude anzuordnen, „um die Unwägbarkeiten aus der Situation mit den Urlaubsrückkehrern zu berücksichtigen“. Das Kultusministerium will Ende August/Anfang September je nach Inzidenz entscheiden, ob dann an weiterführenden Schulen ab Klasse 5 Masken auch im Unterricht getragen werden müssen.

... über Luftfilter in Klassenzimmern

Piwarz bleibt beim flächendeckenden Einsatz von mobilen Luftfiltern skeptisch. „Ich schließe mich der Position des Umweltbundesamtes an“, sagte Piwarz. Die Geräte könnten nur in bestimmten Räumen, die gar nicht oder nur sehr schlecht gelüftet werden können, helfen, aber nie das regelmäßige Lüften ersetzen. Nur für diesen Zweck gibt es auch Fördermittel von der Bundesregierung – für die Hälfte der Kosten. Piwarz warnte vor überzogenen Erwartungen. „Ich habe Sorge, dass wir eine technische Lösung favorisieren, die möglicherweise nicht den Effekt bringt, den wir uns erhoffen.“ Stationäre, festeingebaute Luftfilteranlagen hält Piwarz für sinnvoll – allerdings sei der Einbau mit Sanierungsarbeiten am Schulgebäude verbunden.

... über eine Impfpflicht für Lehrer und Erzieher

Eine verpflichtende Impfung für Lehrer und Erzieher wie in Frankreich sieht Piwarz nicht als Lösung. „Ich bin kein großer Freund davon, weil die Akzeptanz dadurch nicht steigt.“ Er könne nur jede Lehrerin und jeden Lehrer, jede Erzieherin und jeden Erzieher bitten, sich impfen zu lassen, wenn die Möglichkeit besteht. Nur das ermögliche wieder einen normalen Kita- und Schulbetrieb und normale Arbeitsverhältnisse – gerade, weil Wechselunterricht und eingeschränkter Regelbetrieb eine große Belastung darstellen. „Ich tue mich persönlich schwer damit, wenn jemand, der nicht nur für sich Verantwortung trägt, sondern auch für diejenigen, die ihm anvertraut sind, sich nicht impfen lassen will.“ Eine spezielle Impfkampagne hält Piwarz nicht für sinnvoll: Lehrer und Erzieher müssten wie alle anderen überzeugt werden, „dass es für sie selbst und für die Mitmenschen sinnvoll ist, sich impfen zu lassen“.

... über Kinder als Pandemietreiber

Piwarz verteidigte seine Position, dass Kinder „keine Pandemietreiber“ sind. „Ich habe mir angewöhnt, in diesen schwierigen Zeiten auf diejenigen zu hören, die vor Ort die fachliche Beurteilung machen. Und das sind die Kinder- und Jugendärzte.“ Studien würden zeigen, dass Kinder deutlich unterdurchschnittlich von dieser Pandemie betroffen seien, besonders was schwere Verläufe angeht. Er werbe dafür, einen „unverstellten und wissenschaftlich fundierten Blick“ darauf zu haben, was wirklich ist. „Diese Mär, dass die Schulen die Verbreitungsorte waren, will ich gerne richtiggestellt haben. Sie sind es nicht.“ Natürlich gebe es auch an den Schulen Ausbreitungsgeschehen, „Superspreader“ wie die Grundschule in Mügeln, an der die Hälfte der Kinder infiziert war, seien aber Ausnahmefälle. „Das große Problem in der zweiten und dritten Welle waren der Freizeit- und Familienbereich und die Arbeitswelt.“

... über Lernrückstände im neuen Schuljahr

In diesem Schuljahr konnte durch die lange Zeit der Schulschließungen nicht der komplette verpflichtende Unterrichtsstoff behandelt werden. Das Kultusministerium hat Schwerpunkte festgelegt, die in diesem Jahr behandelt werden müssen – so sollen alle zum Beginn des nächsten Schuljahres auf dem gleichen Stand sein. Dann folgen Lernstandserhebungen, für die es spezielle Aufgaben und Vergleichstests geben wird, kündigt Piwarz an. „Viele Lehrer haben sich auch jetzt schon ein Bild gemacht.“

Für das kommende Schuljahr wurden die Lehrpläne angepasst und Inhalte gestrichen. Mit Hilfe des Bundes durch das „Aufholprogramm“ soll dann individuell wiederholt und gefördert werden. „Die Zeit müssen wir uns nehmen.“ Dafür werde man das nächste und vielleicht auch das übernächste Schuljahr brauchen. Im Fokus müssen nun auch Schüler stehen, die sich an einem Übergang befinden – Vorschulkinder, Erstklässler, Fünftklässler. „Dort müssen wir uns um die Kinder genau kümmern, denn die Brüche, die da entstehen, können wir nur ganz schwer wieder wettmachen.“

... über Schule als sozialer Ort

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Um die psychologischen und sozialen Auswirkungen der Schulschließungen zu bekämpfen, braucht es Lehrer, die genau hinschauen. Schulen und Kitas seien wichtig, um soziale oder familiäre Probleme frühzeitig zu erkennen. „In Zeiten des Lockdowns hat das nur sehr sporadisch funktioniert. Dieses Dunkelfeld müssen wir aufhellen.“ Die Lehrerinnen und Lehrer seien dafür der erste Ansprechpartner, „aber nicht dafür verantwortlich, sich darum zu kümmern“. Hier müssten das Bildungssystem und das System der Sozial- sowie Kinder- und Jugendhilfe ineinandergreifen. Die Kommunen seien zusammen mit der Landesregierung in der Pflicht, an jeder Schule Sozialarbeiter zu haben. Außerdem wird das Programm der Schulassistenten ausgebaut – zusätzlich gibt es 250 Stellen. „Das Wirkungsvollste ist auch das soziale Erleben, das die Kinder in ihrer Klasse wieder Gemeinschaft erleben.“

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