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Die Sachsen wählen – den ersten AfD-Landrat?

In fast allen Landkreisen wird 2022 ein neues Kommunaloberhaupt gesucht. Abzusehen ist ein großes Stühlerücken.

In Sachsen werden im kommenden Jahr neue Landräte gewählt.
In Sachsen werden im kommenden Jahr neue Landräte gewählt. © Hauke-Christian Dittrich/dpa (Symbolbild)

Die Kreisreform in Sachsen liegt lange zurück. Nächstes Jahr wird es 14 Jahre her sein, dass die Sachsenkarte per Gesetz das letzte Mal im großen Stil verändert wurde: Zum 1. August 2008 legte man die bis dahin noch 22 sächsischen Landkreise zu den heute existierenden zehn Großkreisen zusammen.

Ein politischer Kraftakt, der sich seitdem vor allem für die CDU gelohnt hat. Denn auch nach dieser Gebietsreform blieben die einflussreichen Landratsposten nahezu vollständig in ihrer Hand und damit eine äußerst wichtige Machtoption im Freistaat. Ob dies aber auch in Zukunft so bleibt, ist mittlerweile mehr als ungewiss. Nach dem erneuten Ablauf der jeweils siebenjährigen Amtszeit für einen Landrat stehen 2022 nämlich in neun der zehn Landkreise Neuwahlen an und schon heute ist absehbar, dass es dann zu einem großen Stühlerücken in den Chefetagen kommen wird. Einerseits aus Altersgründen, da sich viele Amtsinhaber in den Ruhestand verabschieden.

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Aber auch, weil die sächsische CDU nicht zuletzt durch die jüngste Wahlschlappe bei der Bundestagswahl nicht mehr überall auf sichere Mehrheiten hoffen kann, im Gegenteil. Vor allem durch die AfD droht ihr diesmal bei der Kommunalwahl starke Konkurrenz. So räumen Beobachter der Alternative für Deutschland vor allem in den Landkreisen Görlitz und Bautzen Chancen ein, dort künftig den ersten AfD-Landrat der Bundesrepublik zu stellen. Mit Bernd Lange und Michael Harig ziehen sich in beiden Kreisen zwei langjährige CDU-Amtsinhaber zurück und ihre Partei muss nun mit neuen Namen versuchen, an alte Erfolge anzuknüpfen.

AfD will sich noch nicht auf eigene Bewerber festlegen

Zumindest in Görlitz haben sich die Christdemokraten frühzeitig darauf eingestellt. Sie wollen nächstes Jahr mit dem Landtagsabgeordneten Stephan Meyer ins Rennen gehen. Meyer, im sächsischen Parlament als kompetenter Partner geschätzt, hatte schon 2020 eigens für eine Landratskandidatur den einflussreichen Posten des parlamentarischen Geschäftsführers der CDU-Landtagsfraktion aufgegeben.

In Bautzen zeichnet sich ab, dass die CDU künftig auf Udo Witschas setzt, den ersten Beigeordneten im Landratsamt. Im Gegensatz zu einer Kandidatur von Meyer ist vom Erfolg dieser Personalie aber nicht jeder in den eigenen Reihen völlig überzeugt. Witschas wird weniger Durchsetzungsvermögen als dem gegenwärtigen Amtsinhaber zugetraut, und zudem droht ihm mehr Konkurrenz. So hat mit Tobias Jantsch bereits ein örtlicher Unternehmer sein Handtuch in den Ring geworfen und angekündigt, für seine Landratskandidatur die Unterstützung der anderen Parteien zu suchen.

Sebastian Wippel (hier beim OB-Wahlkampf in Görlitz 2019) wird aller Voraussicht nach als AfD-Kandidat in Görlitz antreten.
Sebastian Wippel (hier beim OB-Wahlkampf in Görlitz 2019) wird aller Voraussicht nach als AfD-Kandidat in Görlitz antreten. © SZ-Archiv / Nikolai Schmidt

Für das größte Rätselraten sorgt aber in beiden Landkreisen die AfD selbst, die sich noch nicht auf eigene Bewerber festlegen will. In Görlitz wird dennoch fest damit gerechnet, dass 2022 der AfD-Landtagsabgeordnete Sebastian Wippel antritt. Wippel, der 2019 bei der Görlitzer OB-Wahl als AfD-Kandidat nur knapp scheiterte, weicht vorerst aus. Dazu sei nichts entschieden, man habe noch Zeit, erklärt er auf Anfrage.

In Bautzen liebäugelt dann offenbar der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche, der die Partei 2006 im Streit verließ und sich später in rechtspolitischen Gruppierungen engagierte, mit einer Kandidatur für die AfD. Anfragen dazu werden von ihm aber ebenfalls mit dem Hinweis abgewehrt, noch sei nichts entschieden.

Ungewöhnlicher Sieg in Meißen

So ist es letztlich an Sachsens CDU, sich so zeitig wie möglich auf die absehbar am 12. Juni 2022 stattfindende erste Runde der Landratswahlen vorzubereiten, bei denen für einen Sofort-Sieg mehr als 50 Prozent der Stimmen nötig sind. Im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge tritt dann mit Michael Geisler einer der dienstältesten CDU-Landräte Sachsens erneut an.

Gleiches plant Amtskollege Henry Graichen (CDU) im Kreis Leipzig. Im Erzgebirgskreis sollen wiederum der CDU-Landtagsabgeordnete Rico Anton sowie im Vogtlandkreis Klingenthals Oberbürgermeister Thomas Hennig verhindern, dass dort die Posten nach dem Rückzug der CDU-Amtsinhaber an andere Parteien fallen. In Mittelsachsen gilt der Döbelner Oberbürgermeister und Ex-Landtagsabgeordnete Sven Liebhauser als CDU-Favorit. Wie im Kreis Zwickau und in Nordsachsen ist hier aber noch nichts endgültig beschlossen.

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