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Wahldebakel: Kretschmer verteidigt Wanderwitz

Michael Kretschmer bezeichnet Aussagen von Wanderwitz zu „diktatursozialisierten“ Ostdeutschen nun als zutreffend - er entmachtet den Parteifreund trotzdem.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (l.), und Marco Wanderwitz (beide CDU) vor einem Wahlplakat zur Bundestagswahl. Wanderwitz war für Aussagen über "diktatursozialisierte" Ostdeutsche von der AfD und seiner eigenen Partei kritisiert wurden.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (l.), und Marco Wanderwitz (beide CDU) vor einem Wahlplakat zur Bundestagswahl. Wanderwitz war für Aussagen über "diktatursozialisierte" Ostdeutsche von der AfD und seiner eigenen Partei kritisiert wurden. © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

In einer Online-Diskussionsrunde der Schwarzkopf-Stiftung zu Rechtsextremismus in Sachsen hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Mittwochabend für eine klare Haltung gegen Rechtsextremisten und die AfD geworben.

Dabei stellte Kretschmer sich erstmals offensiv vor seinen Parteifreund Marco Wanderwitz, den er am Montag als CDU-Landesgruppenchef im Bundestag entmachtet hatte. Wanderwitz, der Ostbeauftragte der Bundesregierung, hatte mit Äußerungen über „diktatursozialisierte“ Ostdeutsche, die noch nicht in der Demokratie angekommen seien und deshalb Rechtsextremisten folgten, Kritik ausgelöst.

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Wegen seiner Äußerungen war Wanderwitz von CDU-Funktionären aus Sachsen eine Mitschuld an den miesen Wahlergebnissen der Union in Sachsen zugesprochen worden - unter anderem vom Görlitzer Landrat Bernd Lange. Dessen Äußerung hätten „sehr, sehr geschadet“. Auch Kretschmer selbst hatte Wanderwitz in einem Interview für das Wahldebakel mitverantwortlich gemacht

"Zutreffende Beschreibung": Diktatursozialisierte Ostdeutsche

Mit Blick auf Wanderwitz‘ Worte zu „diktatursozialisierten“ Ostdeutschen sagte Kretschmer nun: „Ich glaube, dass das einfach eine zutreffende Beschreibung ist.“

Vor allem die unter Rechtsextremismusverdacht stehende AfD hatte die auf ihre Wählergruppe gemünzten Worte von Wanderwitz im Wahlkampf als Beschimpfung aller Ostdeutschen umgedeutet. Kretschmer hatte bis zuletzt weitgehend zu den Angriffen auf Wanderwitz geschwiegen.

Man tue den Menschen im Osten unrecht, wenn man ihnen pauschal unterstelle, ein Demokratiedefizit zu haben. „Marco Wanderwitz hat das nicht pauschal gemacht, aber es ist als solches angekommen“, sagte Kretschmer. "Ich habe ihn eher sogar stückweit versucht, in Schutz zu nehmen, dass man die Äußerungen so wie man sie unterstellt hat, ein stückweit richtig rücken muss."

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Ob das bedeutet, dass Wanderwitz nun innerhalb der Sachsen-Union schnell rehabilitiert wird oder ins politische Abseits gerät, blieb am Mittwochabend unklar.

Vor rund drei Wochen hatte Marco Wanderwitz in unserem Podcast Politik in Sachsen seine Analyse bekräftigt. Hier können Sie die Episode noch einmal nachhören:

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