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Politik in Sachsen – Die Morgenlage

+++ Sachsen macht das Impfen flexibler +++ Pflegereport mit ernüchternder Corona-Bilanz +++ Druck auf Dynamo Dresden wächst +++

Zum Impfen in den sächsischen Impfzentren geht ab Freitag auch ohne Termin.
Zum Impfen in den sächsischen Impfzentren geht ab Freitag auch ohne Termin. © dpa-Zentralbild

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Guten Morgen,

es gibt Impfstoff satt. Wenn wir schon nicht richtig Fußballspielen können. Wer will noch nicht, wer hat noch nicht? Leider viele, viele Wochen später als ursprünglich vom Bund angekündigt und immer wieder verschoben-versprochen, ist er nun da. Nun könnte sich eigentlich jeder über 16 Jahre impfen lassen. Man muss es nur selbst wollen. Doch daran scheitert es. Denn die Einsicht in die Impf-Notwendigkeit sinkt mit der Zahl der Neu-Infektionen. Die Statistik gaukelt uns eine trügerische Ruhe vor.

Es ist genügend Impfstoff für alle da. Dieser Satz hat sich mir von der Pressekonferenz gestern eingeprägt. Was für ein Hohn ist diese Gesamtsituation für all diejenigen auf der Welt, die noch über Monate, vielleicht sogar über Jahre keine Chance haben, an den vielleicht rettenden Pieks zu gelangen. Willkommen in der (Gesundheits-)Wohlstandsgesellschaft Deutschland, die sich nun überlegen muss, wie sie Impf-Muffel mit Anreizen dazu bewegen muss, etwas für sich und ihre Mitmenschen zu tun.

Herzlichst,

Ihre Annette Binninger, Leiterin Politikredaktion sächsische.de


Die wichtigsten News am Morgen

+++ Sachsen macht Impfen flexibler +++

Schutzimpfungen gegen das Coronavirus sollen in Sachsens Impfzentren künftig auch ohne Termin möglich sein. Das kündigte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Dienstag in Dresden nach einer Sitzung des Kabinetts an. Von diesem Freitag an gelte das Angebot für den Impfstoff von Astrazeneca, ab Mitte nächster Woche dann auch für die Vakzine von Biontech und Moderna. Zudem sind weitere Maßnahmen geplant, um das Impfen voranzubringen. So sollen in den Impfzentren künftig sogenannte Kreuzimpfungen angeboten werden: Wer seine erste Spritze mit dem Vakzin von Astrazeneca hatte, kann für den zweiten Piks einen anderen Impfstoff wählen. Es soll zudem Angebote für ältere Menschen geben, um leichter in die Impfzentren zu kommen.

Zugleich sprachen sich die sächsischen Chefs von Kassenärztlicher Vereinigung und Landesärztekammer klar gegen eine Impfpflicht aus. "Die Impfpflicht ist für mich die allerletzte Möglichkeit." sagt Dr. Klaus Heckemann. Er sehe derzeit keine Veranlassung für ein solches Mittel. Dr. Patricia Klein pflichtete ihm bei: "Wir haben eine intelligente Bevölkerung, die wir jetzt überzeugen müssen". Auch mit dem kleinen Teil an Menschen, die sich partout nicht impfen lassen wollen, müsse ein Staat umgehen können. Von einer flächendeckenden Impfung von Kindern und Jugendlichen wird weiterhin abgeraten, wie die Leipziger Volkszeitung berichtet.

Heckemann rechnet derweil nicht mit der Herdenimmunität in Sachsen. "Bei der momentanen Impfwilligkeit in Sachsen werden wir keine Herdenimmunität erreichen." Diese Einschätzung teilt auch ein Görlitzer Impfarzt. Laut unterschiedlicher Studien ist eine Herdenimmunität bei 80 bis 85 Prozent vollständig Geimpfter erreicht. Rechne man die derzeitigen Zahlen hoch, werden diese Werte in Sachsen nicht erreicht. Wie DRK-Chef Rüdiger Unger am Dienstag ankündigte, gibt es eine Kooperation mit dem Fußball-Zweitligist Erzgebirge Aue für Impfungen im Stadion. Ein Termin stehe noch nicht fest. Ähnliche Aktionen, auch in Supermärkten, sind laut Köpping denkbar.

+++ Pflegereport: Unzureichender Schutz, viele Nebenwirkungen +++

Mit strikten Schutzmaßnahmen sollten die Menschen in Pflegeheimen bundesweit vor einer Corona-Infektion geschützt werden. Wie der am Dienstag vorgestellte Pflegereport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK feststellt, geschah dies zu einem hohen Preis. 73 Prozent der befragten Bezugspersonen berichteten, dass zwischen März und Mai 2020 die Möglichkeit zum persönlichem Kontakt, auch unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen, nur selten oder gar nicht gegeben war. Rund 40 Prozent der Pflegebedürftigen konnten den Angaben zufolge das eigene Zimmer nur selten oder nicht verlassen. Die ernüchternde Bilanz: Die Maßnahmen reichten trotzdem nicht aus, um die Heimbewohner effektiv zu schützen. Die Sterblichkeit stieg in den ersten zwei Pandemiewellen drastisch an.

+++ Stadtrat fordert Anti-Gewalt-Konzept von Dynamo +++

Nach den schweren Fußball-Krawallen Mitte Mai in Dresden will die Staatsanwaltschaft gegen einen der beschuldigten mutmaßlichen Hooligans in einem beschleunigten Verfahren verhandeln. Dem 34 Jahre alten Mann werde unter anderem vorgeworfen, einen Polizisten in den Rücken getreten zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft Dresden am Dienstag mit. Der Beamte habe ein Schleudertrauma und eine Thoraxprellung erlitten und sei zwei Wochen arbeitsunfähig gewesen. Der 34-Jährige sei nachher von zwei Polizisten fixiert worden und habe versucht, auch diese zu verletzen. Ob der Fall tatsächlich im Schnellverfahren behandelt wird, muss nun ein Gericht entscheiden.

Der Dresdner Stadtrat entscheidet am Donnerstag derweil über mögliche Konsequenzen der Krawalle. CDU, SPD und Grünen fordern von Dynamo Dresden in einem gemeinsamen Antrag entschiedenes Handeln gegen Gewalt. Die Stadt soll ihre finanzielle Unterstützung für Dynamo davon abhängig machen, dass es ein "schlüssiges Gesamtkonzept" des Vereins gibt.


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